Ruf des Hochhauses Neusalzer Straße

Brennpunkt ist Vergangenheit

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GBO-Chef Winfried Männche ist zufrieden mit der Entwicklung an der Neusalzer Straße 77.

Offenbach - An der Jacques-Offenbach-Straße 22 residiert die größte Baugesellschaft der Stadt. Hinter sich automatisch öffnenden Glastüren verwalten die Sachbearbeiter der Gemeinnützigen Baugesellschaft Offenbach (GBO) Hunderte Immobilien. Von Sarah Neder

Für den heutigen Adventskalender dient das 22. Türchen als Transit zur gewaltigsten Wohnanlage Offenbachs – das 21-stöckige Hochhaus an der Neusalzer Straße 77. Der einst als „Lohwald senkrecht“ berüchtigte Betonklotz mit 313 Mieteinheiten und etwa 700 Bewohnern ist für GBO-Geschäftsführer Winfried Männche Paradebeispiel der guten Arbeit seiner Baugesellschaft: „Wir haben dort viel Herzblut reingesteckt.“ Vor etwa 30 Jahren war das Hochhaus vor allem für Dreck, Kriminalität und schwierige Mieter berühmt. Müll wurde von den Balkonen geworfen, Frauen wurden in den Aufzügen belästigt, vor dem Eingang tummelten sich zwielichtige Gestalten mit Messern in den Hosentaschen. Der GBO-Chef weiß aus Erzählungen, dass der hauseigene Kiosk damals 6 000 Flaschen Bier im Monat verkaufte.

Damalige Mieterstruktur schlecht

„Der gewerbliche Zwischenmieter, der die Anlage vor uns verwaltete, hat das Haus innerhalb von zwei Monaten voll gemacht“, erinnert sich Männche. Entsprechend schlecht sei die damalige Mieterstruktur gewesen, so der GBO-Chef. Die einst als Seniorenzentrum geplante und damals noch nicht GBO-eigene Wohnanlage wurde in manchen Medien als einer der größten sozialen Brennpunkte des Rhein-Main-Gebiets gehandelt. „Wir haben das Stück für Stück gedreht“, sagt Männche und verschränkt zufrieden die Hände hinter dem Kopf. 1987 erwarb die GBO die mehrheitlichen Anteile des Objekts und hat seitdem Millionenbeträge in die Neusalzer 77 gepumpt.

Doch zu Beginn gestaltete sich die Suche nach Einzugswilligen als Herkulesaufgabe. „Am Anfang war der Ruf des Objekts noch zu schlecht. Da standen etwa 15 unserer Wohnungen leer.“ Die GBO setzte also weitere Anreize, die das Wohnen im Hochhausblock akzeptabler machen sollten. Dabei bedachte sie vor allem ein neues Sicherheitskonzept und installierte Kameras im Entree, in den Aufzügen und am Müllplatz, einbruchsichere Türen und ein Schließsystem mit elektronischen Code-Karten. An der mit Panzerglas gesicherten Pforte sitzt tagsüber GBO-Personal, abends dreht ein Sicherheitsdienst seine Runden übers Gelände. „Das kommt bei den Leuten sehr gut an“, weiß Männche. Weitere Maßnahme, um die Klientel im Haus zu wandeln: Der Kiosk mit Spielhalle im Erdgeschoss wich einer Spiel- und Lernstube. Ein weiteres Lockmittel: „Wir vermieten die Wohnungen extrem günstig“, sagt Winfried Männche. Eine Ein-Zimmer-Wohnung mit Einbauküche gibt es an der Neusalzer bereits ab etwa 180 Euro Kaltmiete.

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Darüberhinaus achtet der Träger seit der Übernahme penibel auf die Auswahl der Mieter. „Die zuständige Sachbearbeiterin muss sehr viel Fingerspitzengefühl aufbringen. Mit einem krakelenden Bewohner kann man den Frieden in einer ganzen Etage zerstören“, sagt der Geschäftsführer. Heute sei von 209 GBO-geführten Wohnungen nur noch eine unvermietet. Ein guter Schnitt, wie Männche findet.

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