Das Tierheim platzt zur Ferienzeit aus allen Nähten  / Aufnahme-Stopp für Pflegehunde

Hochsaison für „Findelkinder“

Mitarbeiter Bernd Fuchs mit den drei Heimbewohnern Bonzo, Hannah und Betzy, die ein neues Zuhause suchen. Foto: Georg

Offenbach - Keiner hat den treuen Blick so gut drauf wie Bonzo. Der vierjährige Schäferhundmischling ist temperamentvoll und verspielt, sagt Gudrun Lincke. Von Angela Friedrich

Bonzo ist ein Fundhund, er wurde von gewissenlosen Zeitgenossen ausgesetzt, vielleicht weil er schwerhörig ist, vielleicht weil er nicht mehr ins Lebenskonzept seiner früheren Besitzer passte und man ihn loswerden wollte.

So wie ihm ist es vielen ergangen, die im Tierheim am Wetterpark eine Bleibe gefunden haben. 33 Hunde, 33 Katzen und nahezu 60 Kleintiere beherbergt die Einrichtung derzeit. Sie platzt damit aus allen Nähten. In den Ferien ist das der traurige Normalzustand im Tierheim. Leiterin Gudrun Lincke und ihr Mitarbeiter-Team leisten ohnehin das ganze Jahr über Schwerstarbeit: Hunde, Katzen, Kaninchen und Vögel füttern, Ställe reinigen, Zwinger mit Wasser ausspritzen und den Gesundheitszustand der Tiere checken. In der Urlaubszeit jedoch ist die Arbeit besonders intensiv, denn dann werden noch vermehrt und vor allem anonym Tiere abgeben.

So wie an diesem sonnigen Sommervormittag. Da steht sie einfach auf dem Hof, die Transportbox. Keiner der Mitarbeiter hat gesehen, wer sie dort abgestellt hat, im Büro weiß auch niemand Bescheid. In der Box befindet sich ein kleines weiß-getigertes Kätzchen, das ganz verängstigt dreinschaut. Bereits am frühen Morgen hat Gudrun Lincke vor dem Tor des Tierheims einen weiteren Transportbehälter gefunden, den nachts jemand abgestellt hatte. Das Tier konnte sich jedoch befreien und ist nicht aufzufinden.

„So etwas passiert in den Ferien leider sehr häufig“, berichtet die Tierheimleiterin. Ohne jegliche Information zu Alter, Impfung oder Haltungsart des Tieres wird einfach eine Kiste vor dem Heim abgestellt mit einer kleinen Katze oder einem Kaninchen darin. Der Tierarzt muss diese „Findelkinder“ dann von Kopf bis Pfote untersuchen und impfen, damit keine Krankheiten eingeschleppt werden. Die Kosten sind immens.

Jürgen Eichenauer, stellvertretender Vorsitzender des Offenbacher Tierschutzvereins, verzweifelt angesichts dieser Entsorgungsmentalität. „Wer kann denn beruhigt in den Urlaub fahren, wenn man vorher auf solche Art sein Haustier zur Seite geschafft hat?“, fragt er sich. Das Tierheim steht dieses Jahr zum wiederholten Mal vor dem Problem der Komplettbelegung. Die Tierpension, in der Haustierbesitzer ihre pelzigen Lieblinge in den Ferien gegen einen geringen Betrag zur Rund-um-Pflege unterbringen können, nimmt in diesem Jahr keine mehr Hunde auf. „Wir sind mit den vielen Fund- und Abgabetieren ausgelastet“, erklärt Lincke. Auch die Katzenpension sei schon seit März ausgebucht.

Hinzu kommt, dass in den Ferien kaum Vierbeiner vermittelt werden, da potenzielle Interessenten ebenfalls im Urlaub sind. Die sonst übliche Vermittlungszeit von etwa drei Wochen bei unkomplizierten Tieren kann sich so verdoppeln, und das Platzproblem wird zusätzlich verschärft. Lincke verweist auf die Aktion „Nimmst du mein Tier, nehm ich dein Tier“, bei dem sich Halter in den Ferien im Austausch um ihre Tiere kümmern.

‹ Kontakt: s 858179; www. tierschutzvereinoffenbach.de

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