Ein Stück Flexibilität in Gefahr

Offenbach - Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Besoldung hessischer Professoren vom vergangenen Dienstag hat auch Auswirkungen auf die Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG). Von Benedikt Müller

Die Karlsruher Richter entschieden, dass das Grundgehalt von Hochschullehrern in Hessen deutlich steigen muss. Die aktuelle Besoldung sei der Verantwortung von Professoren und ihrer Bedeutung für die Allgemeinheit nicht angemessen, so die Begründung.

Für Professor Peter Eckart, Vize-Präsident der Kunsthochschule, ist dieses Urteil nur auf dem ersten Blick eine gute Nachricht: „Wenn die Grundbeträge der Besoldung angehoben werden, müssen wir schauen, was mit unseren Leistungszulagen passiert.“

Leistungszulagen erhalten Professoren zusätzlich zu ihrem Grundgehalt. Wer etwa Sonderfunktionen in der Verwaltung übernimmt, bekommt mehr Geld. „Ich war lange Dekan, aber früher gab es dafür nichts extra“, erinnert sich Eckart. Das ist inzwischen anders. Seit der Reform der Besoldungsordnungen im Jahr 2005 spielen die Dienstjahre keine Rolle mehr. Bis dahin konnte ein Professor mit zunehmenden Dienstalter sein monatliches Bruttogehalt in Hessen von gut 3000 Euro auf bis zu 5400 Euro steigern.

Nach der neuen Besoldungsordnung verdient jeder hessische Hochschullehrer, egal welchen Alters, einheitlich knapp 4 500 Euro brutto monatlich. „Der Zeitablauf ist irrelevant“, erläutert Dr. Vera Sponheimer-Bran, Kanzlerin der HfG. Stattdessen kann ein Professor sein Gehalt mit Zulagen aufstocken. Auch wer sich in Forschung und Lehre besonders positiv hervortut, kann mit Leistungszulagen belohnt werden. Und erhält ein Professor einen Ruf einer anderen Hochschule, kann der Arbeitgeber den Abtrünnigen mit Berufungszulagen zum Verbleib motivieren.

Weniger Spielraum

Praktische Werkzeuge für das HfG-Präsidium, auch um neue Dozenten mit Zulagen anzulocken. „Das Besoldungsmodell von 2005 ist gut für unsere Hochschule“, resümiert Eckart. „Die Zulagen geben uns größere Handlungsfähigkeit und mehr Flexibilität.“

Das kürzliche Urteil des Bundesverfassungsgerichts wirft im HfG-Präsidium daher einige Fragen auf. „Wir gehen davon aus, dass unser Budget auch nach dem Urteil gleichbleibt“, schätzt Eckart. Wenn nun aber die Grundbeträge steigen müssten, bleibe der Hochschule weniger Spielraum bei den Zulagen. Für das Präsidium gehe ein Stück Flexibilität verloren, dafür verringerten sich die Gehaltsunterschiede unter den Professoren.

Ob der Etat der HfG nach dem Urteil steigt, ist noch unklar. Die Entscheidung fällt das hessische Wissenschaftsministerium.

An der HfG arbeiten zurzeit 22 Professorinnen und Professoren. Die Theorie-Dozenten unter ihnen haben eine klassische akademische Karriere hinter sich. Sie hatten zunächst einen Doktortitel erworben, bevor sie habilitierten. „Die anderen Professoren haben sich durch ihre künstlerische Arbeit ausgezeichnet“, erklärt Eckart. Diese praktischen Dozenturen sind hart umkämpft. Es habe schon bis zu 100 Bewerber auf eine Professorenstelle gegeben.

„In den vergangenen Jahren haben wir viele Professoren neu eingestellt“, berichtet Eckart. Deshalb wird inzwischen die Hälfte der Hochschullehrer in Offenbach nach der neuen Besoldungsordnung von 2005 bezahlt.

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