HfG bestens versorgt

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Schick ist sie, die neue Caféteria der HfG, für Diskussionen sorgen jedoch ihr Preis und die grellbunten Objekte über der Theke.

Offenbach - Es ist sicher nicht alltäglich, wenn sich hoher Besuch aus Wiesbaden zur Eröffnung einer Offenbacher Caféteria einfindet. Im Falle der Hochschule für Gestaltung (HfG) musste Eva Kühne-Hörmann, Ministerin für Wissenschaft und Kunst, sogar letzte Hand anlegen. Von Claus Wolfschlag

Sie steckte das letzte Teilstück einer Kunst-Installation von Wolfgang Luy an die Wand. Der Caféteria-Betrieb begann schon einen Monat vor der offiziellen Eröffnung (wir berichteten). Am 27. Oktober hatten Studenten erstmals dort speisen können. „Es fühlte sich an, als wäre ein Damm, ein Bann gebrochen worden“, erinnerte sich HfG-Präsident Bernd Kracke. Ein über 40 Jahre währendes Versorgungsvakuum sei damit beendet. Die Küche wird vom Studentenwerk Frankfurt betrieben. Ist die geschlossen, kann der Raum als Lounge und temporäre Ausstellungshalle genutzt werden. Läuft alles plangemäß, dann wird im nächsten Jahr die Neugestaltung des Schlossplatzes angegangen. Dann werden auch die provisorischen metallenen Zugangsstufen der Caféteria durch eine neue Treppe ersetzt, die optisch harmonischer zum Platz-Ensemble passt. Der Betrieb von Außengastronomie auf dem Schlossplatz ist auch angedacht.

„Eine Kunsthochschule braucht eine Mensa“, verlautbarte Kracke offensiv. Er verwies in seiner Ansprache darauf, dass schon Goethe um den Wert guten Essens wusste. Seit Jahren habe die HfG-Leitung auf eine Behebung des Defizits gedrängt. Der AStA betrieb in der Übergangszeit eine kleine Caféteria im Altbau, zudem wurden Studenten mit Essensmarken für umliegende Gaststätten versorgt. Nun ergab sich für die Hochschule die Chance auf eine „nachhaltige Lösung“. Durch die Anmietung neuer externer Ateliers wurde der bislang von den Bildhauern genutzte Raum im modernen Westflügel der Hochschule frei für den Einbau der Caféteria. „Zehn Monate bedeuten nach HfG-Maßstäben Rekordbauzeit“, sagte dazu Bernd Kracke.

Kracke und Kühne-Hörmann: Umbau für 1,5 Millionen Euro trotz des geplanten Umzugs gerechtfertigt

Möglich wurde der Bau durch das „Konjunkturpaket II“ der Bundesregierung. Ministerin Kühne-Hörmann berichtete, dass mit dem Programm 114 Projekte an hessischen Hochschulen angestoßen wurden. Allerdings unter Zeitdruck, da alles bis Ende 2011 verbaut sein musste. Das habe fristgerecht geklappt, sonst hätte man die Gelder an den Bund zurückgeben müssen, erläuterte sie sichtlich erleichtert. So wurde also auch die HfG-Caféteria im Eiltempo fertiggestellt.

Stolze rund 1,5 Millionen Euro hat der Umbau des Raumes gekostet. Kracke und Kühne-Hörmann rechtfertigten diese Ausgabe trotz des in den nächsten Jahren anstehenden Umzugs der Hochschule. Schließlich seien auch für die Übergangszeit akzeptable Verhältnisse nötig, zumal von der neuen Caféteria auch ein „Wohlfühleffekt“ ausgehe.

Den kleinen schlichten Raum gestaltete das Darmstädter Architekturbüro Michel Müller. Die Bauleitung hatte das Darmstädter Adolf Gerber Baumanagement inne. U-förmig gruppieren sich die Sitzgelegenheiten um die lange Theke. Einige Kacheln in unterschiedlichen Grautönen kontrastieren dezent die übrigen Wände aus Sichtbeton. Bemerkenswert ist die gute Sicht auf das Isenburger Schloss. Lichttupfer liefert die Installation „Meteor 21“ von Wolfgang Luy, der seit 1989 eine HfG-Professur inne hat.

Was die an einer Lochwand über der Theke angebrachten grellbunten Objekte aus PU-Schaum darstellen sollen, bot Anlass zur Diskussion unter den Besuchern. Die Interpretationen reichten von menschliches Hirn bis zu Hundehaufen, Innereien und schimmligem Brot. Ministerin Kühne-Hörmann assoziierte „medizinische Forschungsergebnisse“. Eine Besucherin fühlte sich an eine Kletterwand erinnert, und ihre Begleitung äußerte: „Damit die Kalorien gleich abtrainiert werden können.“ Wolfgang Luy lies sich zu keiner Erklärung hinreissen. Nur von „einschlagender Wirkung“ sprach er lächelnd.

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