Hochschule für Gestaltung

Licht, Räume und ein BH

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Schick und äußerst praktisch: Diese Lampen von Brita Jaichner funktionieren mit allen auf dem Markt erhältlichen Leuchtmitteln (Halogen, LED, Glühbirne). Deren Durchhaltevermögen wiederum testet die HfG-Diplomandin mit ihren selbst entworfenen Porzellanlampen in der Praxis.

Offenbach - Judith Weber hat ein 19-monatiges Kind und kennt die Probleme, einen Krippenplatz zu finden. Wie sie künstlerisch damit umging, zeigte sie jetzt in der Hochschule für Gestaltung (HfG). Von Claus Wolfschlag

Sie und weitere 18 Diplomanden des Fachbereichs Produktgestaltung präsentierten dort ihre Abschlussarbeiten.

„Bei meiner Arbeit ,Kinder im Quartier’ geht es um ein ganzheitliches Konzept für die Betreuung von Kindern bis drei Jahren“, so Weber. Die aktuelle Kinderbetreuung greife zu oft auf schlecht ausgebildete Tagesmütter zurück. Bessere Betreuungsangebote gebe es im europäischen Ausland, zum Beispiel in Skandinavien und den Niederlanden. Um die Qualität der frühkindlichen Betreuung zu verbessern, entwickelte Weber ein Konzept zum Ausbau bestehender Netzwerke und Raumangebote. Die Förderung der Kinder durch Musik, gute Ernährung, Bewegung und Spiel steht im Vordergrund.

Ganz andere Sorgen brachten Sabine Fuß dazu, ihr mobiles Analysesystem bei Rückenschmerzen und Muskelverspannungen zu entwickeln. „Ich hatte selbst einige Zeit Rückenschmerzen, aber es stellte sich schließlich heraus, dass es nur Blockaden waren“, so Fuß. Bei ihrem „SenSoma“ werden kleine Sensoren auf die Hautpartien geklebt und mindestens vier Tage getragen. Die mobil eingesetzten Sensoren messen die Bewegungsabläufe und Fehlhaltungen des Körpers und übertragen die Messdaten kabellos via Bluetooth-Technologie. So kann der behandelnde Arzt oder Physiotherapeut schneller geeignete Maßnahmen zur Heilung von Rückenbeschwerden ergreifen.

Medizinische Therapie

Raumangebote für die Kinderbetreuung sind Inhalt der Diplomarbeit von Judith Weber.

Das Erzeugnis fügte sich in eine ganze Reihe von Diplomarbeiten zur medizinischen Therapie ein. So entwickelte Jil Nixdorf das variabel verstellbare Pflegebett „Camaflex“, während Dane Smith Horn mit „moDest“ einen mobilen Dentalstuhl für Zahnarztpraxen beisteuerte. Özge Köroglu wiederum hat sich des Frauenleidens Brustschmerzen angenommen. Deren Ursachen sind vielfältig und reichen vom prämenstruellen Syndrom über die Stillzeit bis zur Folge von Brustkrebsoperationen.

Schmerzende Wassereinlagerungen und Ödeme in der Brust lösen die Schmerzen in der Regel unmittelbar aus. Köroglus medizinischer Büstenhalter „vibracare“ soll als Funktionswäsche die Schmerzen kurzfristig lindern. In das aus Algenfasern gestrickte Top sind kleine vibrierende Motoren eingebaut, die entlang der Lymphbahnen eine Drainage durchführen. Der Betrieb läuft über Akku, die Kommunikation zwischen den Vibratoren mit Bluetooth. Statt des schick gestalteten Büstenhalters ist es auch möglich, Einzelclips mit Klebepads auf der Haut anzubringen.

Einen kleinen Vorgriff auf die Luminale 2014 bot dagegen Brita Jaichner mit ihrer „herder Licht Collage“. „Der Wechsel von der klassischen Glühbirne zu neuen Leuchtmitteln hat zwar auch negative Aspekte, weil er zu ökonomischer und ökologischer Konfusion bei den Verbrauchern führt. Positiv ist allerdings die neue, vielfältige Varianz des Lichts“, so Jaichner.

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Die von ihr entwickelte Leuchte verfügt über gegossene, hochweiße Porzellankörper, außen stabil, aber mit dünner Leuchtfläche am Ende. In ihn können unterschiedliche Leuchtmittel eingeführt werden: LEDs, Energiesparmittel, Halogenleuchten oder traditionelle Glühfadenbirnen. Die Lampe kann als Solitär, aber auch in einer variabel angeordneten Gruppe genutzt werden. Dabei lassen sich anhand der verschiedenen verwendbaren Leuchtmittel ganz unterschiedliche Lichtempfindungen mischen – vom warmen Gelbton bis zu einem kühlen Grün. „Dabei kann auch experimentell im Alltag verglichen werden, welches Leuchtmittel am ehesten kaputt geht“, erläutert Jaichner.

Zahlreiche Besucher informierten sich interessiert über die im Isenburger Schloss ausgestellten Arbeiten. Dass sich die HfG ungebremster Beliebtheit erfreut, konnten sie exemplarisch am Lebenslauf Douglas Da Silva Costas ablesen. Sein metallenes „Modula“-Küchensystem entstand in Kooperation mit dem Küchengeräte-Unternehmen Gaggenau. „Ich koche gern“, sagte er, und so hatte er sich dort um ein Praktikum beworben. Ursprünglich nur ein Auslandssemester wollte der Brasilianer an der HfG bleiben. Doch er blieb bis zum Diplom und zieht schon seit 2009 Offenbach seiner Heimatstadt Rio de Janeiro vor.

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