HfG-Rundgang

Scharf auf Kunst

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Publikumsmagnet abseits vom Campus: Die einstige MAN-Roland-Halle an der Christian-Pleß-Straße

Offenbach - Der 15. Rundgang der Hochschule für Gestaltung machte seinem Namen alle Ehre. Denn wenn Besucher die neun praktisch über das gesamte Stadtgebiet verstreuten Lokalitäten aufsuchen wollten, mussten sie eine große Wanderung absolvieren. Von Claus Wolfschlag

Und das taten dann auch einige. Denn überall sah man vor allem junge Frauen und Männer in Gruppen durch die Straßen spazieren, denen man ihr Begehren förmlich von der Stirn ablesen konnte: „Wir sind scharf auf Kunst!“.

Eröffnet wurde das Großereignis am Freitagabend auf dem Schlossplatz mit den Verleihungen der Preise, die einigen Jungkreativen das Wochenende versüßt haben dürften: Lilly Lulay und Karolin Back erhielten den Deutsche-Börse- und HfG-Fotoförderpreis, Jonas Englert und Merlin Flügel den Dr.-Marschner-HfG-Rundgangpreis. Der Rundgangpreis der Freunde der HfG ging auf dem Gebiet der Kunst an Mattis Kuhn und das Projekt „3-D Wunderland“, in Sachen Design an Victor Balko. Außerdem gab es noch den Wöhner-Innovationspreis für Industrial Design, der an Fabian Kragenings, Mirko Marchetti und Vanessa Ramster ging. Und den DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender durfte sich Jifei Ou in die Tasche stecken.

Die Preise mochten den engeren Kreis der Studenten und des Lehrkörpers interessieren. Das Augenmerk der Besucher-Mehrzahl galt jedoch auf dem mit Bänken und Liegestühlen möblierten Schlossplatz vor allem dem Getränke- und Grillstand. Von dieser Basis ließ es sich nämlich bestens gestärkt und erheitert vor dem in Magenta bestrahlten Isenburger Schloss der „CrossMediaNight“ am Freitag und der Filmnacht am Samstag entgegenfiebern.

Bilder vom HfG-Rundgang

Rundgang durch die Hochschule für Gestaltung

Die Ausstellungsflächen um den HfG-Campus waren stark von Produktdesign, Film, Fotografie und Mediengestaltung dominiert. Ob elegante Sitzmöbel, Lampen, Regalsysteme, Plakatkunst: Den Besuchern begegnete im Hauptbau die ganze Palette professionellen Designs.

Vor allem die sinnlichen und interaktiven Angebote zogen die Besucher wie Magneten an. Videobeamer warfen Gesichter und geometrische Formen in unterschiedlichsten Bewegungsformen an die Wände der Treppenhäuser. An zahlreichen Stellen waren Filme zu sehen. Auf großes Interesse stieß der kleine Farbraum „Interaction of Colours“, der den sichtlich beeindruckten Besuchern vor Augen führte, wie sich die Farbwahrnehmung von Gegenständen bei anderer Belichtung völlig umkehren kann.

Publikumsmagnet im Altbau war die Schreibfabrik. Die Schüler der Text-Dozentin Dasa Szekely zeigten an der Schreibmaschine ihre Fertigkeiten im kreativen Schreiben. Jeder Besucher konnte fünf frei gewählte Worte auf einen Telegrammzettel notieren und diesen abgeben. Innerhalb von 90 Sekunden erhielt er daraus eine Kurzgeschichte oder einen Sinnspruch getippt.

Kunst auch in einstiger Industrie-Halle

Während im Turm der ehemaligen Schlosskirche noch Laura Baginskis Plastik „Vulviva“ betrachtet werden konnte, durften im daneben gelegenen Katharina-von-Bora-Haus die Freunde der süßen Verführung auf ihre Kosten kommen. Schokolade in unterschiedlichstem Design war zu bewundern und teils zu kosten.

Zahlreiche weitere Örtlichkeiten boten der Kunst ein Domizil, vom Hauptbahnhof über das Atelierhaus an der Geleitsstraße, der EVO-Halle, bis zur Ölhalle im Hafen, die mit einem Swimmingpool aus Baucontainern und Zimmerspringbrunnen einer skurrilen Chill-Out-Lounge glich. Weiterer Publikumsmagnet war dabei die einstige MAN-Roland-Halle an der Christian-Pleß-Straße, die eine teils beeindruckende Schau des grafischen Könnens der Studenten präsentierte. Ob männliche Akte in Aquarell oder ein 360-Grad-Kino – das Spektrum war so vielgestaltig wie an allen anderen Stationen des Rundgangs. Unmöglich, alles im Detail zu beschreiben.

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