Hochwertiges Parfüm in Toilettenschüssel

Offenbach (mk) - Die Flucht endete zunächst auf einer Toilette, dann vor dem Amtsgericht. Richter Manfred Beck verurteilte den Kaufhausdieb, der handgreiflich geworden war, zu einer Freiheitsstrafe von 14 Monaten auf Bewährung.

Zudem muss der Mann 100 Stunden unentgeltlich gemeinnützige Arbeit leisten.

Der Vorfall ereignete sich im vergangenen Herbst: Zwei Detektive hatten per Videokamera einen Kosmetikdieb beobachtet. Am Ausgang des Kaufhauses sprachen sie den Mann ausländischer Herkunft an und baten ihn, sie ins Büro zu begleiten. Da ein Detektiv den Geschnappten lediglich leicht am Arm festhielt, entschied dieser sich zur Flucht. Er brachte den Detektiv durch einen Schlag vor die Brust zu Fall, so dass dieser in einen T-Shirt-Ständer fiel. Der andere Detektiv eilte dem Mann hinterher, verlor ihn jedoch aus den Augen.

Ein aufmerksamer Junge hatte bemerkt, dass der Mann verfolgt wurde und erklärte dem Detektiv, der sich als solcher zu erkennen gab, dass der Mann in eine Gaststätte gelaufen sei. Inzwischen war auch der zweite Detektiv eingetroffen und beide begaben sich ins Lokal. Als der Wirt sagte, er habe keinen Mann hinein kommen sehen, forderten die Detektive den Gastronom auf, den Mann nicht zu verstecken, auch wenn er ein Landsmann von ihm sei.

Der Wirt sah sich zu Unrecht beschuldigt, sofort nahmen zwei Gäste Partei für ihn ein. Der noch in der Nähe befindliche Junge sagte den Detektiven, dass der Gesuchte eine Treppe an der Seite des Lokals hoch gegangen sei. Als die beiden Detektive der Spur nachgehen wollten, kam der Dieb schon die Treppe herunter und tat so, als sei er ein Gast. Die herbeigerufene Polizei ging der Sache auf den Grund und folgte dem Gang, der zu einer Toilette führte. Dort fand ein Beamter in der Toilettenschüssel das hochwertige Parfüm.

Vor Richter Manfred Beck gestand der Mann den Diebstahl ein, bestritt aber, den Detektiv beiseite gestoßen zu haben. Das Gericht hielt jedoch die Aussage der Detektive für glaubwürdig und verurteilte den Angeklagten. Eine Verwicklung des Wirtes in die Tat ließ sich nicht feststellen.

Rubriklistenbild: © dpa

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