Hörspiele zur Gewaltprävention

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„Echt Fair!“: Schüler der Käthe-Kollwitz-Schule, Schulleiterin Marlies Stülb (Mitte) und Polizeipräsident Roland Ullmann (daneben) eröffneten gestern die interaktive Ausstellung zur Gewaltprävention.

Offenbach - 300 Fälle von häuslicher Gewalt gab es im vergangenen Jahr in Offenbach. Um auf diese Verbrechen aufmerksam zu machen, können Schüler an der Käthe-Kollwitz-Schule bis zum 31. August die interaktive Austellung „Echt Fair!“ besuchen. Von Daniel Schmitt

Die Idee ist gut, bei der Umsetzung wurde die Zielgruppe aber knapp verfehlt.

„Gewalt in Familien ist keine Seltenheit“: Mit dieser Feststellung eröffnete Polizeipräsident Roland Ullmann die interaktive Ausstellung „Echt Fair!“ an der Käthe-Kollwitz-Schule in Offenbach. In zwei Klassenräumen stehen seit gestern Vormittag insgesamt sechs interaktive Säulen, an denen sich die Schüler mit dem Umgang mit häuslicher Gewalt beschäftigen können.

Hörspiele, Videos, Rollenspiele oder einfach Informationen zum Thema Gewaltprävention werden den 1 300 Schülern der Berufsschule auf dem Buchhügel bis zum Ende dieses Monats geboten. Für andere Schulen ist die Ausstellung täglich ab 15 Uhr geöffnet.

Projektidee aus Berlin

„In jedem Menschen, auch in mir, schlummern Aggressionen. Es ist wichtig, den Umgang mit diesen Gefühlen zu lernen“, erklärte Oberbürgermeister Horst Schneider bei der Eröffnungsfeier. Er sei stolz, dass mit diesem Projekt eine Tradition in Offenbach fortgesetzt werde. Wenn auch eine kurze: Im vergangenen Jahr fand die von der Polizei Südhessen organisierte Ausstellung an der Offenbacher Mathildenschule und der Weibelfeldschule in Dreieich-Sprendlingen zum ersten Mal statt.

Ursprünglich stammt die Idee des Projekts aus Berlin. „In erster Linie ist die Polizei natürlich dafür da, bestehende Fälle aufzuklären. Deshalb ist es schön, auch im Vorfeld schon einmal etwas gegen Gewalt machen zu können“, sagte Ullmann.

Wie wichtig es ist, sich mit Gewalt in Familien auseinanderzusetzen, zeigen einige Zahlen: Seit 2002 wurden der Polizei in Hessen etwa 70 000 Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet, im vergangenen Jahr waren es 7 000. Allein die Polizei in Offenbach musste sich 2011 mit 300 Fällen beschäftigen. Dabei handelte es sich um den geringsten Wert der vergangenen sieben Jahre. 2006 waren es sogar einmal 432 gemeldete Fälle von häuslicher Gewalt. „Wir wollen aufklären, wo Gewalt beginnt, welche Formen sie erreichen und wie man sich schützen kann“, schilderte Ullmann das Ziel der Austellung.

Kollwitz-Schüler wohl zu alt für Projekt

Dass sich aber die Käthe-Kollwitz-Schüler für das Projekt begeistern können, ist unwahrscheinlich. Mögen die Säulen noch so interaktiv gestaltet sein, sprechen sie in erster Linie eine jüngere Zielgruppe an. Die Offenbacher Berufsschüler im Alter von 15 bis etwa 25 Jahre sind wohl zu alt, um sich von einfachen Säulen für das Thema sensibilisieren zu lassen – zumindest ein großer Teil: „Ich habe mir das nur einmal kurz angeschaut, und mehr auch nicht“, sagte ein 22-jähriger Schüler, der seinen Namen nicht nennen wollte. Durch einfaches Kopfnicken stimmten ihm gleich zwei seiner Schulkollegen von der Seite zu.

Dies soll sicher nicht heißen, dass häusliche Gewalt von den Schülern der Käthe-Kollwitz-Schule unterschätzt wird, doch wirksamer als Säulen sind wohl doch andere Methoden. Ein positives Beispiel: In der vergangenen Woche redeten alle Klassen im Unterricht über Gewalt in Familien.

Auch eine Nachbereitung der Ausstellung soll in den Unterricht einfließen. „Um wirklich allen die Wichtigkeit des Themas ins Bewusstsein zu rufen“, wie Schulleiterin Marlies Stülb erklärte.

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