Eichendorffschule

Erhalt der Schulsozialarbeit: Hoffen auf baldige Lösung

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Betreten verboten: Seit vergangener Woche ist das Untergeschoss der Eichendorffschule wegen Schimmelpilzbefall gesperrt. Die stellvertretende Schulleiterin Alma Obradovac muss deshalb bis auf Weiteres auf die Nutzung der Schulbibliothek verzichten.

Offenbach - Auf den ersten Blick herrschte beim Sommerfest der Eichendorffschule am Wochenende gute Stimmung. Unter Eltern und Kollegium aber macht sich Sorge um die Zukunft der dortigen Schulsozialarbeit breit. Von Jenny Bieniek

Zwischen Tanz- und Chorbeiträgen, Fahrzeugparcours und Kinderschminken sammelte der Elternbeirat deshalb Unterschriften für deren Erhalt. „Wir können uns die Schule ohne Schulsozialarbeiter gar nicht vorstellen“, sagt Ellen Väthjunker, Elternsprecherin der Eichendorffschule. Das schwierige soziale Umfeld der innerstädtischen Einrichtung – etwa 80 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund, der Sozialbelastungsindex ist der höchste der Stadt – mache die Arbeit der Sozialarbeiter unverzichtbar. „Die Eichendorffschule hat viele Seiteneinsteiger, die ohne ausreichende Sprachkenntnisse dazustoßen und gesonderte Betreuung brauchen“, so Väthjunker. Viele Familien seien zudem nicht mit dem deutschen Schulsystem und der geltenden Schulpflicht vertraut. Auch hier fungierten die Sozialarbeiter als wichtige Anlaufstelle.

Unter dem Motto „Gemeinsam bewegen wir was“ stand der Sponsorenlauf, zu dem die Eichendorffschule anlässlich ihres Schulfestes aufgerufen hatte. Mit Organisator Stefan Magin drehten die Schüler emsig Runden, um von den Einnahmen die Anschaffung neuer Spielgeräte für den Pausenhof zu ermöglichen. Ob die Schulgemeinde gemeinsam auch zum Erhalt der zwei Schulsozialarbeitstellen beitragen kann, ist indes fraglich.

Weil das Land Hessen die finanzielle Förderung zum Ende des Schuljahres einstellt, sieht der Elternbeirat die Fortsetzung der Schulsozialarbeit gefährdet. Neben der Eichendorffschule ist von der Kürzung auch die Mathildenschule betroffen. In beiden Einrichtungen wurden bislang je zwei Stellen vom Land mitfinanziert. Das Schulfest nutzte der Elternbeirat der Eichendorffschule deshalb, um Unterschriften für den Erhalt der dank Landeszuschuss seit 25 Jahren agierenden „SchuSo“ zu sammeln. Unter anderem ermöglicht sie zweimal wöchentlich ein Elterncafé, unterstützt die rund 350 Kinder aus 30 Nationen in puncto Integration und gestaltet den schulischen Alltag mit. Bislang kamen rund 170 Stimmen zusammen. Auf dem Wochenmarkt wollen die Initiatoren in den kommenden Tagen weiter sammeln. „Wo viele verschiedene Kulturen aufeinandertreffen, sind solche Stellen notwendig“, betont Elternsprecherin Väthjunker. Es sei von den Entscheidern sehr kurzfristig gedacht, die Bearbeitung sozialer Probleme an den Grundschulen zu vernachlässigen, so ihr Appell in Richtung Rathaus. Schüler, Eltern und Kollegium an der Eichendorffschule wünschen sich eine Fortführung der Schulsozialarbeit auch über das aktuelle Schuljahr hinaus. Wie es nach den Sommerferien konkret weitergeht, vermag momentan jedoch niemand zu sagen. „Wir wissen nur, dass die Fördergelder zum Ende des Schuljahres gestrichen werden. Ob damit beide Stellen wegfallen oder vielleicht nur eine, müssen wir abwarten“, sagt Sascha Ried, Konrektor der Eichendorffschule.

Aktzeichnen in Schule für Mode, Grafik und Design

Er selbst ist Klassenlehrer im dritten Schuljahr und hatte bereits zehn neue Gesichter in seinen Reihen sitzen. „Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, man fängt immer wieder von vorne an“, sagt er mit Blick auf die Quereinsteiger. Zudem fehlt es an ausreichend Platz, etwa für Deutsch-Förderkurse, Ganztagesklassen und Vorschule. Verschärft wird dieser Umstand derzeit von der Sperrung des Untergeschosses, nachdem Stadtschul- und Gesundheitsamt dort Schimmelbefall in Folge eines Wasserschadens festgestellt hatten. Derzeit laufen die weiteren Prüfungen. Bürgermeister Peter Schneider gibt sich unterdessen zuversichtlich, dass trotz Mittelkürzung auch im kommendes Schuljahr alles bleibe wie gehabt. „Die politische Absicht ist, die Schularbeit in gleichem Umfang fortzuführen wie bisher“, versichert er. In den vergangenen Jahren betrug der Landeszuschuss je rund 53.000 Euro, ein vergleichsweise geringer Teil der städtischen Gesamtausgaben von rund 244.000 Euro.

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Den Ausfall will die Stadt selbst kompensieren. Das Jugendamt arbeitet derzeit an Lösungen, woher das zusätzliche Geld kommen kann. Noch im Juni soll eine Entscheidung fallen. Denkbar wäre der vorübergehende Abzug einer halben Stelle. Für 2016 soll dann die Finanzierung im Haushalt sicher gestellt werden, sagt Schneider.

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