Hoffen auf bessere Zukunft

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So süß sie auch sind – alle wollen gut gepflegt werden. Pflegerin Brigitte Kaiser mit im Tierheim geborenen Kätzchen.

Offenbach - Earl Grey hat schlechte Laune. Der stattliche Kater war eben noch beim Tierarzt und findet Zweibeiner deswegen gerade doof. Ein tiefes Knurren ertönt aus der Kehle des Getigerten. Von Veronika Szeherova

Das Vertrauen zum Menschen muss er langsam aufbauen, meinte es doch das Schicksal bisher nicht allzu gut mit ihm. „Er wurde allein zurückgelassen in einer völlig vermüllten Wohnung“, berichtet Gudrun Lincke, Leiterin des Offenbacher Tierheims, wo der Kater nun untergebracht ist.

Werden Tiere im Stadtgebiet Offenbachs sichergestellt, kommen sie laut Fundtiervertrag ins hiesige Tierheim. Schon vier Fälle von Tieren aus „Messi-Wohnungen“ hat es in diesem Jahr gegeben – so viele wie noch nie. Der bisher schlimmste Fall hat den Tierschützern viel abverlangt: „Es waren ein Hund und vier Katzen, alle sehr scheu. Die Katzen mussten wir mit Fallen einfangen.“ Lincke erinnert sich an den Anblick: „Der Katzenkot hat sich getürmt, überall Müll und Gestank.“ Das einzig Saubere seien die Futternäpfe gewesen – blank geleckt von den hungrigen Mäulern.

Warten auf ein neues Zuhause

Gudrun Lincke mit Hündin Bounty

25 Katzen warten in dem Haus am Wetterpark auf ein neues Zuhause. Eine Zahl, die in den nächsten Wochen ansteigen wird. „Wir haben so viele Jungkatzen wie schon lange nicht mehr, bekamen innerhalb kurzer Zeit mehrere trächtige Weibchen“, sagt Lincke. Die Kleinen bleiben bei ihren Müttern, bis sie alt genug sind für die Vermittlung. Dass freilaufende Katzen immer noch allzu oft nicht kastriert werden, ist ein altbekanntes Problem. „Letztes Jahr war es mit Katzen recht ruhig, doch ruhige Jahre wechseln sich erfahrungsgemäß mit turbulenten Jahren ab“, sagt Jürgen Eichenauer, der Vize-Vorsitzende des Tierschutzvereins Offenbach. Allerdings finden die Samtpfoten meist schnell ein neues Zuhause. Traurige Ausnahme ist Norma, die schon seit fast vier Jahren im Tierheim lebt. „Sie kann sich leider nicht gut verkaufen“, bedauert Lincke, „wenn sie aber einen Menschen kennt und mag, ist sie eine ganz liebe Katze.“

Knapp 30 Hunde finden sich im Offenbacher Tierheim, auch bei ihnen viele mit traurigen Schicksalen. Die kleinen Schnauzermischlinge Ernie und Bert, die vorige Woche nachts einfach am Tierheimzaun angebunden wurden. Charly, der Alkoholikern gehört hat, die merkten, dass sie mit ihm überfordert sind. Oder der riesige Azad, ein anatolischer Hirtenhund, der ein spezieller Fall ist: In Hessen fällt die Rasse „Kangal“ in die Listenhundverordnung, die Haltung ist deshalb erlaubnispflichtig – er wurde abgegeben. „Ein echtes Kraftpaket, das viel Erziehung braucht“, weiß Eichenauer. „Er geht derzeit in die Hundeschule, ist aber nichts für Anfänger.“ Auch weitere „Listenhunde“ weilen im Tierheim. Brave, nicht aggressive Tiere. Trotzdem macht Lincke deutlich: „Es gibt manchmal Interessenten für diese Hunde, denen wir sie nicht vermitteln – deren Absichten sind klar. Es müssen absolut zuverlässige Leute sein.“

Für jedes Tier den richtigen Menschen finden

Als Ziel der Einrichtung bezeichnet es Lincke, für jedes Tier den richtigen Menschen zu finden – und umgekehrt. Das erfordere Zeit. „Im Gegensatz zur Zoohandlung geht es uns nicht um Profit.“

Alle Tiere werden medizinisch versorgt, gechipt und bei Bedarf kastriert. Bei Fundtieren gibt es dafür zunächst eine 14-tägige Frist. Eine angemessene Zeit, in der sich der Besitzer melden kann. „Wenn Sie Ihr Tier vermissen, wenden Sie sich immer an uns“, rät Lincke. „Wenn ein Haustier gechipt ist, muss es auch bei Tasso registriert werden, das vergessen viele.“

All das kostet Geld – das immer rar ist. Einen Rückschlag erlitt das Tierheim, als vor kurzem die alte Industriewaschmaschine ihren Dienst aufgegeben hat. „Wir waschen im Jahr 20 Tonnen Handtücher und Decken, die Maschine läuft fast immer – wir mussten schnell eine neue besorgen“, sagt Eichenauer. Das Geld war eigentlich für einen neuen Zaun am Außenzwinger für die Hunde bestimmt. Der muss nun warten. Aber wenn es soweit ist, freuen sich die Tierheim-Mitarbeiter über helfende Hände. Und sowieso immer über Spenden und gelungene Vermittlungen. Weitere Infos auf www.tierschutzvereinoffenbach.de.

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