Hoffen auf eine neue Blütezeit

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Die Tage des Blumenladens im Hainbachtal sind gezählt: Die Mitarbeiter, darunter Yasin Dursun (links) und Ramona Notz, müssen jedoch nicht um ihre Jobs bangen.

Offenbach ‐ Die Gärtnerei der Werkstätten Hainbachtal befindet sich in einer paradoxen Situation: Während in den Gewächshäusern alles grünt und blüht, bröckelt drumherum die Bausubstanz. Da kann auch kein Dünger mehr verhindern, dass der Blumenladen am Standort an der Waldstraße aufgegeben wird, ebenso wie ein Teil der Gewächshäuser. Von Barbara Hoven

Denn die nötige Sanierung der maroden Bauten sei finanziell nicht zu stemmen, sagt Werkstätten-Sprecher Rudi Schell. Kaum weniger als 100.000 Euro wären allein für einen ersten Schritt fällig. Folglich setzt die gemeinnützige GmbH botanisch zwar weiterhin auf Wachstum, die Gärtnerei selbst allerdings wird schrumpfen.

Nur das Gewächshaus über dem dann ehemaligen Verkaufsraum wird hergerichtet, der Rest stillgelegt. Der Blumenladen schließt seine Türen nicht sofort, sondern erst nach dem Ende der Geraniensaison – also frühestens Ende Juni. Um sich einen größeren Kundenkreis und vor allem mehr Laufkundschaft zu erschließen, soll es stattdessen einen Laden in der Innenstadt geben. Dessen Angebot nicht nur Blumen, sondern auch „andere schöne Dinge, etwa aus unserer Schreinerei“ umfassen könnte, wie die stellvertretende Geschäftsführerin Ute Kellner-Heister ankündigt. Die Eröffnung am anderen Ort kann allerdings auf sich warten lassen. Noch sei keine Entscheidung für einen neuen Standort gefallen. Kellner-Heister: „Wir sind im Gespräch über zwei Objekte, haben für eins ein Angebot abgegeben.“

Zeit für eine Neuorientierung

Dennoch muss kein Mitarbeiter um seinen Job bangen. 26 Menschen sind momentan in der Gärtnerei beschäftigt. Drei gehören zum Stammpersonal, 23 kommen aus den Werkstätten für Menschen mit Behinderung. Weniger sollen es auch nach dem Wandel nicht werden, betont Schell, der betriebsbedingte Kündigungen gestern ausschloss.

Die Gärtnerei des „Sozialkonzerns im Hainbachtal“ ist bereits mehr als 25 Jahre alt und gehört zu den Traditionsbetrieben im Verbund der Werkstätten. Bekannt und beliebt ist der Betrieb vor allem dafür, alljährlich mit 3000 Weihnachtssternen für Festtagsstimmung unter Offenbachern zu sorgen. Doch „die bringen 12.000 Euro in die Kasse, das reicht nicht einmal für die Heizkosten“, rechnet Schell vor. Zudem nage der Zahn der Zeit schon lange eifrig an den Gewächshäusern und deren Glasaufbauten mit der veralteten Einfachverglasung. „Jetzt wird es Zeit für eine Neuorientierung, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern“, betont Kellner-Heister. Gleichzeitig wolle man die Förderung der Mitarbeiter mit Behinderung in eine zeitgemäße Form überführen, sich so „fit für die Zukunft“ machen.

Unternehmen hat diverse Dienstleistungen im Angebot

„Doch das bedeutet nicht, dass wir die Gärtnerei schließen“, will Kellner-Heister betont wissen. „Im Gegenteil, wir erweitern sogar in den Bereichen Garten- und Landschaftspflege und erschließen neue Bereiche, zum Beispiel Hausmeistertätigkeiten.“ Mitarbeiter, denen die neuen Aufgaben nicht liegen, will man für andere Abteilungen der Werkstätten gewinnen. Möglichkeiten gibt es genug, das Unternehmen hat diverse Dienstleistungen im Angebot - etwa Gastronomie in Wald- und Stadtcafé und mehr, mit Arbeitsplätzen für Menschen mit und ohne Behinderung.

Doch so entspannt, wie die Geschäftsführung die Sache erklärt, sehen nicht alle Beteiligten die Umstrukturierung. Werkstattmitarbeiter haben Unterschriften gegen die Pläne gesammelt, einige Eltern machen sich Sorgen um die Arbeitsplätze ihrer Kinder. Die will der Elternbeirat ihnen am Montag in einem Gespräch nehmen.

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