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Offenbach deutschlandweit Schlusslicht bei E-Mobilität – Letzter Platz in Städteranking

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Von: Philipp Bräuner

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Jahrelang galt Offenbach als Leuchtturm in Sachen E-Mobilität. Betrachtet man die aktuelle Ladensäulen-Situation in der Stadt, scheint davon nicht viel übrig geblieben zu sein.

Offenbach – „Die Schaffung von Ladeinfrastruktur für Elektro-Fahrzeuge in Offenbach ist dringend nötig.“ Das sagte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) vergangenen Dezember zur feierlichen Einweihung der Ladesäule auf dem Stadtwerke-Gelände an der Senefelderstraße. Mit deren Einweihung stieg die Zahl der von der SOH zur Verfügung gestellten Ladestationen immerhin von eins auf zwei.

Das klingt nach wenig und ist es auch. Aber auch an sonstigen öffentlichen Lademöglichkeiten für private E-Autos mangelt es in Offenbach. Im Städteranking der „Wirtschaftswoche“ (WiWo) unter 71 deutschen Großstädten belegt die Lederstadt mit 1,3 Ladeplätzen pro 10 000 Einwohner den letzten Platz. Woran liegt es also, dass Offenbach beim Ausbau der Ladestationen-Infrastruktur so hinterher hängt?

Öffentliche Lademöglichkeiten: Unter 71 deutschen Großstädten belegt Offenbach den letzten Platz

Diese Frage ist auf den ersten Blick nicht ganz leicht zu beantworten, die Geschehnisse verwirrend. OB Schwenke hatte bei der jüngsten Veranstaltung „OB vor Ort“ beispielsweise gesagt, dass die EVO sich entschuldigt habe, weil sie ihren Auftrag, die Ladesäulen aufzustellen, abgesagt hätte. Die Vergabe von Ladesäulenplätzen müsse daher erneut ausgeschrieben werden.

Bürgermeisterin Sabine Groß (Grüne) erklärt nun auf Nachfrage, dass eine exklusive Vergabe des Auftrags an die EVO gar nicht rechtmäßig gewesen sei. Ein Widerspruch, den Stadtsprecher Fabian El Cheikh zügig aufklären kann: Ja, man habe ursprünglich mit der EVO als lokalem Dienstleister für die Installation von Ladesäulen zusammenarbeiten wollen. In der Vorbereitung sei allerdings aufgefallen, dass eine Vergabe ohne vorherige Ausschreibung nicht rechtssicher sei. „Üblicherweise braucht es Vergabekriterien, die im Vorfeld einer Ausschreibung ausgearbeitet werden“, sagt El Cheikh.

Eine Rarität: Die Schnellladesäule der Stadtwerke ist eine der wenigen Stationen in Offenbach.
Eine Rarität: Die Schnellladesäule der Stadtwerke ist eine der wenigen Stationen in Offenbach. © bräuner

Damit, diese Kriterien festzulegen und für eine öffentliche Ausschreibung brauchbar zu machen, ist man laut El Cheikh seitens der Stadt derzeit befasst.

E-Mobilität: Offenbacher Verwaltung sieht sich nicht als Schlusslicht

In der Verwaltung selbst sieht man sich keinesfalls als Schlusslicht. Den Fortschritt in Sachen E-Mobilität allein am Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos zu bemessen, greife zu kurz, meint Bürgermeisterin Sabine Groß. So sei man beispielsweise mit 36 E-Bussen in der heimischen Omnibusflotte im hessischen Vergleich ganz weit vorne.

Einer der Hauptgründe für die Verzögerungen beim Aufstellen von Ladesäulen läge bei den Anbietern, erklärt Groß. Diese hätten lange Zeit nicht auf eigene Kosten Ladestationen installiert, da die Nachfrage bisher nicht so hoch gewesen sei, wie es mittlerweile der Fall ist.

Katalog zu Ladesäulen soll in Offenbach bis zum Sommer vorliegen

Nun habe sich diese Situation aber geändert. „Es haben schon einige Anbieter angefragt, die gerne in Offenbach Ladesäulen aufstellen wollen“, versichert Groß. „Mit den Vergabekriterien, die wir gerade erarbeiten, können wir dann Plätze ausschreiben und Orte ausweisen, an denen dann die Säulen installiert werden können.“ Bis zur Sommerpause solle ein solcher Katalog dann vorliegen.

Ob man diesen Plan einhalten wird, bleibt indes abzuwarten. Denn bereits im Januar 2021 kündigte die damalige Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach an, dass es Aufgabe der Stadt sei, ein „Gesamtkonzept“ zu erarbeiten, in dem „geeignete öffentliche Flächen für Ladeinfrastruktur bestimmt“ werden. Aufhorchen lässt vor allem folgendes: Schon damals wurde seitens der Stadt betont, dass ein „faires Vergabeverfahren der Standorte an Ladesäulenbetreiber“ Vorschrift sei. (Philipp Bräuner)

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