Stadt wird dem verschuldeten Sportverein unter die Arme greifen 

Hoffnung für die Gemaa Tempelsee 

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Die Gemaa kann zwecks Schuldenabbau ihre Gaststätte unterverpachten. Die künftige Gastronomie soll auch Besucher des Wetterparks anlocken.

Offenbach - Ein weiterer Offenbacher Sportverein ist in finanzielle Turbulenzen geraten: Um die mit insgesamt 180.000 Euro in der Kreide stehende Gemaa Tempelsee vor der Pleite zu bewahren, wird die Stadt helfen. Von Matthias Dahmer 

Sie hat dabei auch die Attraktivität des benachbarten Wetterparks im Blick. Die Details des Hilfspakets stehen in einer Magistratsvorlage, die in der nächsten Sitzung des Stadtparlaments zur Abstimmung ansteht. Darin heißt es unmissverständlich: „Der Verein steht aufgrund finanzieller Probleme kurz vor der Insolvenz. Bei der Städtischen Sparkasse bestehen Restschulden für ein Darlehen, das der Verein zum Zwecke der Erweiterung des Vereinsheims aufgenommen hatte, in Höhe von 147.430,60 Euro (Stand 11.11.2015). Darüber hinaus hat er Verbindlichkeiten gegenüber der Stadt von 30.376,79 Euro für rückständige Heizkosten.“

Um die Schieflage des seit 1927 existierenden Vereins mit seinen etwa 350 Mitgliedern – davon drei Viertel Jugendliche – zu beseitigen, ist folgendes geplant: Das 1962 von der Stadt errichtete und in ihrem Eigentum stehende Vereinsheim auf der Sportanlage an der Oberen Grenzstraße soll künftig als zu verpachtende Gaststätte genutzt werden. Zu diesem Zweck schließt die Stadt mit der Gemaa einen Pachtvertrag ab und erteilt ihr die Erlaubnis zur Unterverpachtung.

Der Verein wird zugleich für den von ihm Ende der 80er Jahre errichteten Anbau ans Vereinsheim mit 145.000 Euro – Sachwert des Gebäudes – entschädigt. Es fließt indes kein Geld, der Betrag wird mit Verbindlichkeiten und künftig zu entrichtenden Pachtzahlungen des Vereins aufgerechnet. Schließlich ist der Verein gehalten, seinen Jahresabschlussbericht dem städtischen Revisionsamt vorzulegen, bis das Darlehen der Sparkasse über 170.000 Euro zurückgezahlt ist. Die Umnutzung des Vereinsheims ist auch von städtischem Interesse: Dadurch kann Besuchern des Wetterparks ein weiteres Gastronomieangebot auf dem Buchhügel gemacht werden. Auch sind dort Veranstaltungen in Zusammenhang mit dem Wetterpark denkbar.

Stefan Mehling, Gemaa-Vorsitzender seit 2009, hofft, dass die Vereinbarung, über die zweieinhalb Jahre verhandelt worden sei, „nun endlich durchgeht“. Für die Übernahme der Gastronomie gebe es bereits Interessenten. Die Schulden, so Mehling weiter, resultierten aus „Altlasten“ und dem Umstand, dass man die Gaststätte längere Zeit nicht habe verpachten können. Was die Kooperation mit dem Wetterpark angeht, weisen ältere Vereins-Insider darauf hin, dass der Verein der Stadt bereits vor etwa zehn Jahren eine Zusammenarbeit angeboten habe. Seinerzeit sei es darum gegangen, das Vereinsheim entsprechend zu sanieren sowie die damaligen Tennisplätze zu Parkplätzen für die Wetterpark-Gäste umzubauen. Der Stadt sei das damals aber zu teuer gewesen, heißt es.

Gemaa-Sitzung in Offenbach

Die Gemaa beabsichtigt laut Magistratsvorlage, alle Schulden zurückzuzahlen, indem sie das Clubheim künftig als Gaststätte unterverpachtet und dadurch Einnahmen aus dem Betrieb erwirtschaftet. Von den damit erzielten monatlichen Unterpachteinnahmen – man geht von etwa 1500 Euro aus – ist jedoch die Hälfte als Pacht an die Stadt zu entrichten. In dem Pachtvertrag zwischen Stadt und Verein wird unter anderem weiter festgelegt:

  • Für die nächsten 13 Jahre muss der Verein keine Pacht an die Stadt zahlen, da die geleistete Entschädigung für den Anbau mit noch bestehenden Verbindlichkeiten des Vereins (rückständige Heizkosten) und den in diesem Zeitraum hochgerechnet an die Stadt zu leistenden Pachtzahlungen des Vereins aufgerechnet wird.
  • Der Verein trägt die Kosten für Heizung, Strom, Wasser und Müll selbst.

Oberbürgermeister und Sportdezernent Horst Schneider bezeichnet die getroffene Regelung als „kleinen Befreiungsschlag“ für die Gemaa. Und: „Ich wünsche dem Verein bei seinem Neustart ein glückliches Händchen bei der Auswahl des Pächters.“ Der Standort jedenfalls habe Potenzial. Von einem Neustart mag Vereinsboss Mehling angesichts der Unwägbarkeiten derzeit noch nicht sprechen. „Finales gibt es da noch nicht zu vermelden“, sagt er.

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