Hoffnung auf kleines Plus

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50 Sorten Mandeln gibt es am Stand von Monika Eiserloh zu kaufen. Von cremig-süß bis teuflisch-scharf. Auf die Hartgesottenen warten Chili-Mandeln mit acht verschiedenen Schärfegraden. Der Verzehr erfolgt mit Hinweis auf eigene Gefahr.

Offenbach ‐  Ein Weihnachtsmarkt ist immer ein Tummelplatz verschiedener Spezies. Da trifft Groß auf Klein, Alt auf Jung, Dünn auf Wohlbeleibt und nicht zuletzt Traditionsbewusst auf Originell. Das ist auf dem Offenbacher Weihnachtsmarkt nicht anders. Von Jörn Polzin

Und das ist auch gut so. Die Vielfalt macht es schließlich. Das gilt auch für das Sortiment. Das fängt bei den Mohrenköpfen an, geht über diverse Getränke alkoholischer und nicht alkoholischer Art bis hin zu einer bemerkenswerten Ansammlung an Mandelsorten.

Doch der Reihe nach: Am Stand mit den Schaumküssen hat sich die kleine Pia (5) längst für die Sorte „Schlumpf“ entschieden, derweil ihre Mutter nach reiflicher Überlegung der Klassik-Variante den Vorzug gibt. Damit liegen Mutter und Kind voll im Trend. „Erwachsene mögen das Bekannte lieber, Kinder stehen mehr auf das Ausgefallene“, hat die Verkäuferin festgestellt. Auf die Frage wie die Geschäfte laufen, hält sie sich eher bedeckt. „Eigentlich so wie jedes Jahr“, lässt sich die Frau nur entlocken.

Streng geheimes Hausrezept

Damit trifft sie ziemlich genau den Tenor der anderen Beschicker, deren Zwischenfazit verhalten optimistisch ausfällt. Von „mehr schlecht als recht“ über „durchschnittlich“ bis hin zu „ganz zufrieden“ gehen die Einschätzungen. Peter Stein vom „Offenbacher Stadttreff“ fällt da etwas aus der Reihe. Er sieht einen positiven Trend, der ihn nicht sonderlich überrascht. Wer den seinen Worten nach „oft kopierten, aber nie erreichten“ Glühwein anbietet, dem laufen die Leute eben die Bude ein. Seit vier Jahrzehnten sind die Steins mit ihrem Stand auf dem Markt präsent, haben sich in dieser Zeit eine Stammkundschaft aufgebaut.

Bei der Herstellung des wärmenden Gebräus lässt sich Stein nicht in die Karten schauen. „Das ist ein Hausrezept, streng geheim“, erzählt er schmunzelnd. Geschäft ist eben Geschäft. Verkaufsschlager neben dem klassischen Glühwein, der auf dem Markt zwei Euro kostet (in Frankfurt zahlt der Besucher 2,50 Euro), seien diesmal der alkoholfreie Glühwein für Autofahrer, heißer Caipirinha („eine Vitamin-Bombe“) und Eierpunsch. Auch hier trennt sich die traditionelle Spreu vom originellen Weizen.

Verbesserungsvorschlag: Stände dichter zusammen

Stein rechnet am Ende mit einem kleinen Plus in der Kasse. Erst am 23. Dezember, dem finalen Tag des Markts, könnte der Ansturm etwas abflauen. „Der Tag vor Heiligabend ist für viele Menschen stressig, da sie noch auf den letzten Drücker Geschenke einkaufen müssen.“

Bis dahin werden noch einige Liter Glühwein über die Ladentheke gehen. Wer ihn am Stand von „Michel“ konsumiert und plötzlich feststellt, dass sich alles um ihn dreht, muss nicht zwingend beschwipst sein. Vielmehr hat ihn dann jene Attraktion in den Bann gezogen, die für Besucher wie Karl Heinz Cloe der absolute Höhepunkt ist: die erstmals aufgebaute Glühwein-Pyramide. Seit Jahren ist er Stammgast auf dem Markt. „Hier ist es gemütlicher als auf den Stadtteilmärkten oder dem Frankfurter“, sagt der waschechte Offenbacher. Einen Verbesserungsvorschlag hat er aber: „Für das Einheitsbild wäre es schön, wenn die Stände dichter zusammen wären.“

„Das ist eine Platzfrage“, entgegnet Klaus Kohlweyer im Gespräch mit unserer Zeitung. Erst mit der geplanten Erneuerung des Stadthofs im übernächsten Jahr könnten neue Flächenkonstellationen entstehen. Mit dem aktuellen Mix aus Innenstadtflair und Weihnachtsmarkt ist der Veranstalter sehr zufrieden. „Der Handel befruchtet den Weihnachtsmarkt und umgekehrt“, sagt Kohlweyer. „Das ist eine gelungene Sache.“

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