Offenbach und Heusenstamm betroffen

Hohe Nitratwerte im Trinkwasser

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Bernd Petermann 

Offenbach/Heusenstamm - Wer in Offenbach und Heusenstamm den Wasserhahn aufdreht und sich einen Schoppen „Kranenbrunnen“ zapft, nimmt vergleichsweise viel Nitrat zu sich. Das haben jetzt die Grünen in der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung thematisiert. Von Michael Eschenauer 

Der Zweckverband Wasserversorgung Offenbach (ZWO) sieht keine Gefahr. Die Grenzwerte würden klar eingehalten. ZWO-Geschäftsführer Bernd Petermann widerspricht der Darstellung der Grünen nicht, wonach das Wasser in einigen Verbandsgemeinden Nitratwerte im Bereich von 1 bis 14 Milligramm pro Liter (mg/l), in anderen bis zu maximal 35 mg/l aufweist und die Werte in Offenbach und Heusenstamm mit maximal 48 mg/l nahe am Grenzwert von 50 mg/l liegen. Die Schlussfolgerung der Grünen, die diese Nähe „gefährlich“ nennen und „wirksame Gegenmaßnahmen“ fordern, teilt Petermann indes nicht.

Die Aufnahme von Nitrat ist deshalb problematisch, weil der Stoff im Körper zu Nitrit umgewandelt werden und Krebs auslösen kann. Die Europäische Kommission hat dieser Tage laut eigener Darstellung Deutschland erneut ermahnt, stärker gegen die Verunreinigung des Grundwassers durch Nitrate vorzugehen und die zweite Stufe im laufenden Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet. Wenn Deutschland nicht binnen zwei Monaten reagiert, droht eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.

Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie

Hierzulande ist die Düngeverordnung das Hauptinstrument zur Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie. Deren Vorgaben werden jedoch bisher klar verfehlt. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass der vorgeschriebene Grenzwert in den Jahren von 2008 bis 2011 an über der Hälfte der Messstellen überschritten wurde. An 40 Prozent aller Messstellen stieg die Nitratbelastung gegenüber dem Zeitraum 2004 bis 2007 sogar an. Dennoch hat Deutschland nichts in dieser Angelegenheit unternommen. „Ich müsste meinen Hut nehmen, wenn ich eine Gefährdung der Wasserkonsumenten zulassen würde“, so ZWO-Chef Petermann gestern. Er schließt jegliche Gesundheitsgefährdung der Leitungswasser-Trinker „zu 100 Prozent“ aus. Der Grenzwert von 50 mg/l bedeute ja gerade, dass bei lebenslangem Konsum von Wasser unterhalb dieses Wertes keinerlei Gesundheitsgefährdung drohe.

Bernd Petermann 

„Wir halten uns an den offiziellen Grenzwert. An was sollen wir uns denn sonst halten?“, fragt Petermann. Im Übrigen sei der Trend der Nitratbelastung seit Jahren leicht sinkend. Petermann kündigte an, dass Mitte kommenden Jahres eine neue Förderstelle im Zellhäuser Wald eingerichtet werde. Deren Wasser werde man mit dem für Offenbach und Heusenstamm vorgesehenen Wasser mischen und so dessen Qualität steigern. Die Förderstellen für Offenbach und Heusenstamm liegen südlich von Heusenstamm (Wasserwerk Hintermark), im Bereich Jügesheim und zwischen Jügesheim und Heusenstamm (Wasserwerke Birkig und Lämmerhecke). Alle Förderbrunnen befinden sich in Waldgebieten.

Das Problem der Nitratbelastung für die beiden Städte sei seit vielen Jahren bekannt, sagt Petermann in Reaktion auf die Grünen-Forderung nach „Gegenmaßnahmen und strafrechtlichen Konsequenzen“. Er wird sich zudem mit einem Antrag der Grünen in der Verbandsversammlung des ZWO zu diesem Thema auseinandersetzen müssen.

Die Grünen weisen darauf hin, dass man zwar gegenwärtig nicht von einer konkreten gesundheitlichen Gefährdung ausgehe. Allerdings könne bei Säuglingen Nitrat die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen und zu Blausucht sowie Erstickung führen. Als kritisch gelten hier Werte ab 25 mg/l. Petermann sind diese Werte unbekannt. Es gebe, so der ZWO-Geschäftsführer, sei langem Absprachen mit den Landwirten in der Nähe der problematischen Brunnen hinsichtlich des Einsatzes von Düngemitteln. Außerdem habe man neue Wasserschutzgebiete festgelegt. Allerdings sei eine Schließung der Förderbrunnen oder eine Stilllegung von Äckern mit entsprechenden Ausgleichszahlungen an die Landwirte derzeit nicht beabsichtigt. „Man muss die Verhältnismäßigkeit der Mittel wahren. Es gibt keinerlei Gesundheitsgefahr.“ Petermann kritisiert allerdings auch deutlich die Politik des Landes Hessen und des Bundes in Sachen Nitratbelastung. Man habe in der Vergangenheit von Landesseite Bestimmungen für den Grundwasserschutz abgeschwächt.

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