Hohe Parkgebühren in Offenbach

Für Kunden ein Flickenteppich

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In Sachen Kundenfreundlichkeit vorbildlich: Im Modehaus M.Schneider funktioniert die teilweise Rückvergütung von Parkgebühren schon seit Jahren. Mitarbeiterin Brigitte Rosbitzky zeigt an der Kasse, wie es geht.

Offenbach - Einzelhandel und Parkhausbetreiber winken wegen der Kosten ab: Bei der Rückvergütung von Parkgebühren ist kein einheitliches System hinzubekommen. Immerhin gibt’s löbliche Einzellösungen. Von Matthias Dahmer 

Es war nur eine kleine finanzielle Geste, deren Wegfall so mancher Kunde des Wochenmarkts dennoch bedauern wird. Die die teilweise Rückvergütung von Parkgebühren, die im Zuge des Wilhelmsplatz-Umbaus als Serviceleistung der Marktbeschicker eingeführt wurde, läuft aus. Das habe sich nicht gerechnet, der Aufwand sei zu groß gewesen, und zum Schluss hätten nur noch eine Handvoll Beschicker mitgemacht, nennt Petra Heckelmann, Chefin des Vereins der Marktbeschicker, die Gründe für den Rückzug. Statt den Kunden ab einem Warenwert von zehn Euro ein 50-Cent-Ticket in die Hand zu drücken, kehren die Standbetreiber zur bewährten Gepflogenheit zurück, gratis ein Stückchen Käse oder Wurst in die Einkaufstüte zu packen.

Das gescheiterte Rabattmodell auf dem Wochenmarkt steht beispielhaft für die Schwierigkeit, dem über hohe Parkgebühren stöhnenden automobilen Kunden in Offenbach ein flächendeckendes Rückvergütungssystem anzubieten. Birgitt Möbus, Citymanagerin bei der städtischen Wirtschaftsförderung, kennt das Thema zur Genüge: Die Diskussionen gebe es schon ganz, ganz lange, und sie schwappten immer wieder mal hoch. Einzelhändler, welche die Kosten scheuten, weiß sie zu berichten, seien jedoch nur der eine Teil des Problems. Der andere ist dem Umstand geschuldet, dass die Kommune nicht über eigene Parkhäuser verfügt, sich in der Innenstadt zwei große und weitere kleinere private Betreiber das Geschäft teilen. „Die scheuen die Kosten einer Umstellung auf einen einheitlichen Standard. Zumal die Häuser Unternehmen gehören, die bundesweit eigene Systeme unterhalten“, sagt Möbus. Das bedeute jedoch nicht, dass die Parkhaus-Eigner grundsätzlich kooperationsunwillig seien. Bei verkaufsoffenen Sonntagen etwa klappe die Zusammenarbeit in Form von ermäßigten Gebühren gut.

Parkhaustest in Offenbach

Parkhaustest in Offenbach

So ist im Lauf der Zeit eine Art Flickenteppich in Sachen Service für den parkenden Kunden entstanden, der zudem den Umsatzbringern teilweise gar nicht bekannt ist. Park-Rabatte in unterschiedlichster Staffelung, listet Birgitt Möbus auf, gibt’s im KOMM, in der Galeria Kaufhof, bei M. Schneider, bei Saturn, im Neuen Bettenhaus oder in der Löwenapotheke. Außerdem steckten Wirte am Wilhelmsplatz guten Gästen ein Parkkosten minderndes Ticket zu. Tatsächlich kann der Kunde selbst an den genannten Stellen nicht überall und jederzeit auf Nachlass hoffen. Abgesehen davon, dass verständlicherweise meist ein bestimmter Warenwert maßgeblich ist, machen zum Beispiel im KOMM zwar viele, aber nicht alle Geschäfte mit oder bietet Galeria Kaufhof eine Rückvergütung nur zu besonderen Anlässen und Aktionen an, wie Geschäftsführerin Christiana Baudach berichtet.

Zudem beschränkt sich die Vergünstigung oft nur auf bestimmte Parkhäuser beziehungsweise bestimmte Betreiber. Für Saturn-Kunden wird’s nur im Parkhaus des City-Towers günstiger, M. Schneider, wo es einen Euro Rückvergütung beim Einkauf gibt, kooperiert mit Betreiber Q-Park, der für die Parkdecks im KOMM und in der ehemaligen Kleider-Frei-Immobilie am Markplatz verantwortlich zeichnet. Schneider-Geschäftsführer Stefan Becker erläutert fürs Traditionskaufhaus warum: Befragungen hätten ergeben, dass mehr als 80 Prozent der Kunden in den Q-Park-Häusern parkten. Immerhin ist Stefan Beckers Einstellung zur Kostenfrage vorbildlich kundenfreundlich: „Ob sich das Ganze für uns rechnet, weiß ich nicht“, bekennt er. Jedenfalls sei die Rückvergütung ein gutes Marketinginstrument und wirke sich positiv aufs Image aus.

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