Homemade Fair

Ökologisch und sozial

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Immer wieder erstaunt, was sich aus gebrauchten Textilien schönes Neues gestalten lässt.

Offenbach - Eine Schönheit ist der ehemalige Lokschuppen im Hafen nicht. Einmal im Jahr aber verwandelt sich der Stahl-und-Beton-Bau in ein Feuerwerk aus Farben und Formen. Dann ist Homemade Fair, die Messe für kleine, feine Kunst-Stücke aus den Wohnzimmer-Ateliers der Nachbarschaft. Von Silke Gelhausen-Schüßler

48 Aussteller verteilen sich auf die Hallen, ein paar mehr als beim letzten Mal. Die Ölhalle gehört nicht mehr zur Ausstellungsfläche, sie wurde von der Hochschule für Gestaltung beschlagnahmt. „Trotzdem ist genug Platz, weil das Kulturzentrum Hafen 2 in seinen Neubau umgezogen ist“, erklärt Organisatorin Eva Kirchhoff. So finden auch Stände, die für draußen vorgesehen waren und wegen des nassen Wetters drinnen aufbauen müssen, Platz.

Weitere Informationen gibt es im Internet.

Die Hälfte der Anbieter ist bei der dritten Auflage erstmals dabei. Ebenfalls neu: Wer die Homemade Fair verpasst hat, findet viele Produkte im Geschenkeladen Etagerie (Taunusstraße 1). Dort vermieten die Homemade-Fair-Gründerinnen Linda Hoekstra, Heike Hamann und Eva Kirchhoff Designerflächen. Kunst geht immer in der Kreativstadt Offenbach, selbst wolkenbruchartige Regenfälle können die Besucher nicht fernhalten. Neben der ursprünglichen Idee, mit der Messe und einem Teil der Einnahmen den Hafen zu retten, haben sich die Organisatorinnen ein weiteres gemeinnütziges Projekt ausgedacht. Jede Standbetreiberin (zu mehr als 90 Prozent weiblich und so hübsch wie ihre Stücke) hat einen Baumwollbeutel nach ihrer Fasson gestaltet. Die Taschen werden für mindestens zehn Euro pro Stück versteigert, der Erlös geht an den Förderverein der Eichendorffschule. Das Angebot lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: Überwältigend.

Immer wieder verblüfft, wie aus Resten, abgetragener Kleidung, Schnipseln oder Wegwerfartikeln etwas Schönes entsteht, für das nur wenige kostbare Rohstoffe verbraucht werden. Vielleicht ist es das Geheimnis der Homemade Fair, einzigartige, ökologisch und sozial vertretbare Produkte anzubieten.

Homemade Fair im Hafen 2 (2013)

Die Langenerin Stefanie Fischer hat die Sammeltassen ihrer Oma (die sie als Label verewigt: „Lilli – love your home“) aus den Tiefen des Wohnzimmerschranks ans Licht geholt. Mittig drei Löcher gebohrt, einen schmucken Metallhalter eingeklebt, und das Nachkriegsgeschirr in immer anderen Formen und Mustern ist von seiner Kuchen-Kaffee-Bestimmung zur noblen Etagere für Konfekt und Gebäck aufgestiegen. Das immer mal ein Teil kaputt geht, hat Fischer zu einer weiteren Funktion inspiriert: Die Scherbenränder werden glatt geschliffen, mit einem verschließbaren Ring versehen, und schon zieren Teller- und Tassenstücke als innovative Schlüsselanhänger die Handtasche.

Sandra Elm aus Bockenheim teilt sich ihre Werkstatt mit einer Buchbinderin. Da fallen Leder- und Lederfaserstoffreste an. Für die gelernte Schneiderin gern genommene Grundstoffe: Sie verbindet die Reste zu schicken Zickzack-Armbändern und Notizbuchumschlägen.

Und sie verhilft dem Lieblings-T-Shirt zur Design-Metamorphose. Ob Bob der Baumeister oder Rock-am-Ring-Text: Nachdem Elm die bedruckten Teile in den Fingern hatte, sind sie als Buchumschlag oder Visitenkartenrücken neugeboren. Mit Reflektorwestenstoff bezogene Buttons und Knopfhaarspangen ergänzen ihr Sortiment.

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