Aus Liebe und Leidenschaft

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Horst Lichter

Offenbach - Fernsehkoch Horst Lichter schaut mit „Kann denn Butter Sünde sein?“ in der Offenbacher Stadthalle vorbei. Unsere Mitarbeiterin Katharina Hempel führte ein Vorabgespräch mit dem lebenslustigen Schnurrbartträger

Szene: Herr Lichter, Sie sind mit Ihrer Show „Kann denn Butter Sünde sein“ auf Tour. Sind Sie jetzt komplett auf Comedy umgestiegen?

Horst Lichter: Nein, bin ich nicht. Ich erzähle wahre Dinge aus meinem Leben, die außerordentlich lustig und unterhaltsam sind. Aus diesem Grunde steh‘ ich auf der Bühne. Dass ich das tun darf, freut mich außerordentlich.

Wird in Ihrer Show denn noch gekocht?

Aber selbstverständlich kommt da Kochen drin vor. Das wäre ja sonst so, als ob ich mich selbst verleugnen würde. Im Prinzip tu' ich nichts anderes, als ich mein Leben lang getan habe. Ich habe immer lecker gekocht und die Menschen unterhalten. Und jetzt unterhalte ich noch mehr Menschen in dem Moment, wo ich auf der Bühne stehe. Und das ja schon seit acht oder neun Jahren. Davor war ich viele Jahre beim Landestheater in Neuss und bin erst danach deutschlandweit auf die großen Bühnen gegangen.

Sie haben also schon beim Landestheater die Leute als kochender Comedian unterhalten?

Ja, richtig. Beim Landestheater ging das los vor – lassen Sie mich überlegen – achteinhalb Jahren. Und zwar ist das Ganze entstanden über eine Buchpräsentation, bei der ein Buchhändler wollte, dass ich einfach eine Autogrammstunde gebe. Da hab ich gesagt „'ne Autrogrammstunde gebe ich nicht, ist mir zu albern. Wat soll’n Koch Autogramme geben?“ Und dann hat sich das aber so schön entwickelt. Der Händler sagte: „Pass auf, Horst, komm zu mir nach Langenfeld, setz dich da ins Theater, auf die Bühne, und erzähl aus deinem Leben. Dann hab ich drei Stunden lang erzählt, die Menschen haben Tränen gelacht. Und dadurch kam dann das Landestheater auf mich zu und sagte: „Menschenskinder, das ist so genial, wie du die Menschen unterhalten hast! Möchtest du das nicht weiter bei uns im Theater machen?“

So haben Sie sich Schritt für Schritt ein immer größeres Publikum „erspielt“?

Deutschland, Österreich und die Schweiz. Und da bin ich ganz, ganz stolz drauf und auch sehr glücklich darüber.

Weil Ihre Kochsendungen im Fernsehen nicht mehr so erfolgreich sind?

Nein, die Kochsendungen, die ich machen darf, die gibt’s schon sehr lange und die gehen auch noch weiter. „Lafer!Lichter!Lecker!“ ist ja mittlerweile zur Kultsendung geworden. Kaum zu glauben, dass wir im Dezember mit dieser Sendung ins sechste Jahr gehen. Und ich denk mal, die Zuschauer schalten nicht mal unbedingt nur ein, um uns kochen zu sehen.

Sie waren nie einer der Köche, die in der Küche hinter verschlossenen Türen hantieren?

Ich war immer mittendrin. Auch in meinem Lokal. Ich hatte ja meinen Kohleofen vor den Gästen. Die haben mir zugeguckt beim Kochen, haben neben meinem Herd gestanden, die haben mir erzählt und konnten zusehen, wie ihr Essen entstanden ist. Und im Prinzip war, glaube ich, der Erfolg meines Lokals die ganzen Jahrzehnte über diese Mischung zwischen „da sein“, wohlfühlen, unterhalten und gut essen.

In Ihrer neuen Show geht es um Butter und Sahne.

Richtig! Kann denn Butter Sünde sein?

Sie sind einer der wenigen Köche, die trotzdem dünn sind. Wie schaffen Sie das, trotz Butter und Sahne?

Auch diese Dinge sehe ich alle sehr ehrlich. Heutzutage wird unglaublich viel propagiert, einem Trend nach zu laufen, sodass die Menschen ja teilweise Angst vorm Essen haben. Ich bin auch jemand, der sagt „jede Diät dieser Welt ist ein Schwachsinn, außer man ist krank“. Wenn man krank ist, muss man eine halten. Ansonsten sind Diäten natürlich Blödsinn. Das Wichtigste im Leben ist Maß halten. Sie können Butter essen, Sie können Sahne essen, Sie können alles essen und trinken auf dieser Welt, wenn’s limitiert ist. Dann freuen Sie sich auch darauf.

Kochen die jungen Leute heutzutage anders? Kochen sie überhaupt noch?

Da gibt’s ja eine ganz tolle Diskussion. Viele sagen, es gebe immer mehr Kochsendungen, aber immer weniger Menschen, die kochen. Das mag stimmen, man darf aber eins nicht vergessen, das ist das Wichtigste: Meine Mutter musste jeden Tag kochen. Das war früher so. Früher haben Mamas immer gekocht. Jeden Mittag. Heutzutage arbeiten die Frauen. Das ist eine ganz andere Welt, da haben sie mittags oder abends nicht mehr die Zeit sich hinzustellen und zu kochen. Aber wenn heute gekocht wird, dann viel mehr aus Leidenschaft, Liebe und Hobby. Ich kann mich nicht erinnern, dass sich in meiner Kindheit Väter getroffen hätten, um zu kochen. Heute treffen sich Geschäftsleute oder Studenten einfach mal zum Kochen. Das ist ein Event geworden: Man macht etwas selber, kann es danach genießen und bekommt am Ende vielleicht ein tolles Lob.

Die Einstellung zum Kochen hat sich also gewandelt?

Ja. Der tägliche „Kochzwang“ ist weg, weil viele Menschen arbeiten, aber dieses „in der Freizeit gerne kochen“ hat immens zugenommen.

Jetzt wo auch Männer häufiger am Herd stehen: Sind das die besseren Köche?

Nein, würde ich nicht sagen. Die besten Köche sind die, die Ruhe haben, Leidenschaft und Liebe zum Lebensmittel. Völlig egal, ob das ein Mann oder eine Frau ist.

Was wünschen Sie sich für Ihren Auftritt in Offenbach?

Das Wichtigste für mich ist, dass die Menschen rausgehen, Tränen gelacht und vielleicht mal nachgedacht haben.

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