Heute entscheidet Stadtparlament

Horst Schneider verteidigt Umbaupläne für Marktplatz

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Horst Schneider schaut über den Tellerrand. Auch Hanau habe begriffen: Nur wer attraktive Rahmenbedingungen schafft, bleibt als Einkaufsstandort konkurrenzfähig. Hier das zentrale Parkplatzangebot beider Städte. Offenbach hat gut 5000 Stellplätze, Hanau etwa 4000. Zudem liegt der S-Bahn-Halt der Goldschmiedestadt etwa einen Kilometer außerhalb des Stadtkerns. -

Offenbach - Es ist aktuell der größte Aufreger in der Stadt, die 3,5 Millionen Euro teure Umgestaltung des Marktplatzes. Gegenwind gibt es reichlich.

Heute (17 Uhr, Rathaus) haben die Stadtverordneten über die Änderung des erweiterten Grundsatzbeschlusses „Umbau Marktplatz“ zu befinden. Redakteur Martin Kuhn sprach vor der Sitzung mit Oberbürgermeister Horst Schneider über den Tagesordnungspunkt, der sicher breit diskutiert wird.

Herr Oberbürgermeister, man gewinnt den Eindruck, dass der Marktplatz-Umbau nicht von der ganz breiten Offenbacher Mehrheit getragen wird. Teilen Sie diese Einschätzung?

Ganz im Gegenteil. Den geplanten Umbau des Marktplatzes zu einem verkehrsberuhigten Geschäftsbereich fordern viele Menschen in Offenbach seit Jahren immer wieder – etwa bei Bürgerversammlungen oder jüngst bei den vier Diskussionsrunden zum S-Bahn-Jubiläum. Alle, Anwohner und Handel, wollen eine städtebauliche Aufwertung der Innenstadt. Eine Stadt entwickelt sich schließlich aus ihrem Kern heraus. Ein positives Stadtbild dort und Aufenthaltsqualität prägen das Image einer Kommune. In diesem Punkt besteht doch bei allen Beteiligten Konsens.

Sie sprechen ja öfter davon, dass Sie als Planungsdezernent den Marktplatz-Umbau als „Schlussstein“ der Innenstadt-Entwicklung erachten.

Oberbürgermeister Horst Schneider

Die finanzielle Situation der Stadt zwang uns immer wieder zur Verschiebung des Vorhabens. Die Umgestaltung des Marktplatzes ist ein zentraler Baustein zur Neugestaltung der Innenstadt. Ausgangspunkt war die alleenartige Umgestaltung der Berliner Straße mit der Inbetriebnahme der S-Bahn. Wir haben unter anderem die Frankfurter Straße verschönert und den Aliceplatz vom Autoverkehr befreit. Auch das übrigens nicht ohne Gegenwind. Der neue Hugenottenplatz, die Veränderungen auf dem Stadthof, das KOMM, der Umbau der Großen Marktstraße und das Kleinod Wilhelmsplatz sind Beispiele für die Stärkung der Innenstadt. Heute bestreitet niemand mehr ernsthaft die Richtigkeit dieser Entscheidungen.

Und jetzt folgt...

...der Marktplatz als Scharnier zwischen der Fußgängerzone mit den umsatzstarken Filialen und den Fachgeschäften beziehungsweise der Gastronomie mit Flair rund um den Wilhelmsplatz. Beides braucht die Stadt, um lebendig und attraktiv zu bleiben. Deshalb wollen wir beide Bereiche verbinden und damit stärken.

Was sagen Sie beispielsweise den Stimmen, die beim Prozess eine bessere Einbindung der Anlieger, Gastronomen und Marktbeschicker einfordern?

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Durchgangsverkehr gebannt

Die Stadt führt seit mehr als zehn Jahren intensive Gespräche über die Gestaltung des Marktplatzes, nicht nur mit Fachleuten, sondern mit Anwohnern, Mietern, Marktbeschickern und Einzelhändlern. Der Verkehrsmanagementplan von 2007 ist im Dialog mit IHK, Treffpunkt Offenbach, ADAC, ADFC und anderen entstanden. In Arbeitsgruppen, etwa zum Verkehrskonzept Innenstadt, sind immer wieder mit den Betroffenen Details möglicher Verkehrsführungen besprochen worden. Vor sechs Jahren haben wir das Forum „Aktive Innenstadt“ ins Leben gerufen, das später als Marktplatz-Forum mit Workshops und anderen Veranstaltungen ein breit angelegtes Verfahren zur Bürgerbeteiligung umgesetzt hat. In dieser Form gab es das zuvor nie in Offenbach. Viele Menschen haben sich aktiv eingebracht, eben weil sie die Notwendigkeit sahen, dass diese kaum mehr als Platz wahrgenommene innerstädtische Fläche aufgewertet wird.

Kritiker werden einhaken: Alles schön und gut, aber eine Aufwertung im Sinne eines besseren Einkaufserlebnisses sieht anders aus. Zumal mit Saturn bald ein Magnet die Fußgängerzone verlässt. Wofür nimmt die Stadt da überhaupt noch Geld in die Hand?

Gerade weil sich der Einzelhandel, übrigens nicht nur in unserer Stadt, in einer Umbruchsituation befindet, müssen wir gegensteuern. Immer mehr Menschen ziehen nach Offenbach – in den Hafen, in den Luisenhof, in den Biergrund. Sie erwarten entsprechende Angebote. Politik und Verwaltung haben zwar wenig Einfluss auf die Entscheidungen von Unternehmen, aber sie können positive Rahmenbedingungen setzen. Deshalb verbessern wir die städtebauliche Situation zwischen Frankfurter Straße und Wilhelmsplatz. Dabei müssen wir unsere direkten Nachbarn im Blick behalten: Hanau etwa ist in einem gewaltigen Kraftakt dabei, seine Innenstadt aus einem Guss komplett umzukrempeln.

Die Opposition meckert ja vor der finalen Abstimmung: Verkehrsführung unbrauchbar, Anliegerbelastung unzumutbar. Das suggeriert, dass schon alles festgezurrt ist, es keine Alternativ-Planungen, gerade für Lieferverkehr, mehr gibt. Korrekt?

Es sind noch viele Details zu klären, die wir bewusst offen gelassen haben, um in einem architektonischen Wettbewerb die besten Lösungen gerade für den Verkehr und die Aufenthaltsqualität des neuen Marktplatzes erarbeiten zu lassen. Die Ergebnisse werden wir in einer Bürgerversammlung mit der Öffentlichkeit diskutieren. Von daher ist der Eindruck, alles sei bereits in Beton gegossen, falsch. Ich appelliere an alle, die Diskussionen möglichst frei von ideologischen Vorfestlegungen zu halten. Wir brauchen eine sachliche Debatte. Wir müssen die Interessen aller berücksichtigen, nicht nur die eines Teils der Bevölkerung.

Jetzt ist zur ursprünglichen Planung abgespeckt worden. Bekommen die Offenbacher, wieder der Finanznot geschuldet, nur etwas Halbgares?

Wir haben einen guten Entwurf vorgelegt ohne wesentliche Abstriche zur ursprünglichen Planung. Optionen für eine Erweiterung des Planungsgebiets gibt es, das wäre auch mein Wunsch, in Richtung Salzgässchen und Bleichstraße. Ein großes Plus gegenüber vorher ist der Verzicht auf kostspielige Umbauten am nördlichen Marktplatz zum jetzigen Zeitpunkt. Dort bietet es sich geradezu an, zunächst die Entwicklung des City-Centers und die Zukunft des Parkhauses gegenüber abzuwarten, um an dieser Stelle später eine sinnvolle Anbindung an den Marktplatz zu schaffen. Natürlich kann sich die Stadt keine Luxusmaßnahmen leisten, die benötigen wir aber auch nicht. Der Reiz Offenbachs besteht doch gerade darin, sich eine gewisse Bodenständigkeit zu bewahren.

Zum Schluss ganz persönlich angesichts der teils heftigen Attacken: Macht Ihnen Lokalpolitik überhaupt noch Spaß?

Jeden Tag aufs Neue, auch wenn man manchmal auf die Früchte des Erfolgs warten muss. Auch bei der Umgestaltung des Wilhelmsplatzes gab es anfangs viel Kritik. Heute ist dieser Platz ein Schmuckstück, auch weil wir die Anregungen der Bürger ernst genommen haben. Eine attraktive Gastronomie und sehr gute Fachgeschäfte können sich dort behaupten. Auf dieses Projekt bin ich sehr stolz.

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