Bis zuletzt lebenswert leben

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Architekt Thomas Nöll und Schwester Liberta mit einem von vielen ganz besonderen Bausteinen: Die Metallkästchen sind, symbolisch, mit den vier Teilen des künftigen Hospizes gefüllt. Ihr Verkauf soll den Spendenstand für Bau und den Betrieb der Institution, die von der öffentlichen Hand nicht finanziell gefördert wird, erhöhen. Details über Preis und Verkaufsstellen folgen.

Offenbach - Genau 200 Jahre seit der Geburt von Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler, der 1850 katholischer Bischof von Mainz wurde. Von Marcus Reinsch

Genau zehn Jahre, seit die Schwestern der Göttlichen Vorsehung - deren Mainzer Orden Pionierarbeit im nach Ketteler benannten Offenbacher Krankenhaus geleistet hat - den Wunsch nach einem stationären Hospiz in Offenbach vortrugen. Und genau ein Tag seit dem ersten Spatenstich für das Hospiz, das in den nächsten eineinhalb Jahren für 2,23 Millionen Euro am Lichtenplattenweg in direkter Nachbarschaft des Ketteler-Krankenhauses entstehen soll.

Das Haus, Stätte für Schwerstkranke und Sterbende, wird den Namen Fanny de la Roche tragen. Ein Bezug, der auch kalendarisch konsequent ist: Die Weggefährtin Kettelers, erste Oberin der Schwestern der Göttlichen Vorsehung, wäre im nächsten Jahr 200 Jahre alt geworden.

Das Hospiz ist als Ergänzung der in Offenbach bisher ausschließlich ambulanten Hospizdienste gedacht. Es will unheilbar Kranken ein Zuhause sein, wenn die ambulante Begleitung in der bisherigen Umgebung nicht mehr möglich und die Behandlung im Krankenhaus nicht mehr erforderlich ist. Geplant sind acht Plätze, einschließlich eines kindgerechten Zimmers. Angehörige werden die Möglichkeit bekommen, mit im Zimmer des Gastes oder in einem eigenen Raum zu übernachten.

Architekt Thomas Nöll hat vier Gebäudeteile mit 670 nutzbaren Quadratmetern entworfen. An einen zur Straße gelegenen kleinen Block, nach seinem Umbau vorgesehen für drei Gästezimmer mit Wellnessbad und Mitarbeiterräume, wird sich ein Eingangsbauwerk anschließen, das gemeinsam nutzbare Räume wie den Ess- und Küchenbereich aufnimmt. Dahinter kommt ein eingeschossiger Neubau für fünf Gäste, der über einen Wintergarten verfügt. Ein kleiner Garten wird für jeden Gast erreichbar sein, ebenso die sonnige, aber geschützt liegende Terrasse.

Keine „Lebensverlängerung um jeden Preis“ und Ablehnung aktiver Sterbehilfe

Die medizinische Versorgung der Kranken werden ausschließlich die ihnen vertrauten Hausärzte übernehmen. Sie können sich vom Palliativdienst des Krankenhauses beraten lassen. Hier liegt der Schwerpunkt auf der bestmöglichen Schmerztherapie und der Linderung anderer Symptome, die Kranke körperlich und seelisch belasten. „Aktive Sterbehilfe wird entschieden abgelehnt“, heißt es seitens des Ketteler-Krankenhauses - ebenso wie „Lebensverlängerung um jeden Preis“. Und: Aufgenommen werden soll jeder, „unabhängig von seinen finanziellen Verhältnissen und seiner Angehörigkeit zu einem bestimmten Glauben, Rasse und Nationalität“.

Menschen, sagte gestern der Allgemein- und Palliativmediziner Dr. Eckard Starke, „sollen im Hospiz nicht nur in Frieden sterben, sonden bis zuletzt lebenswert leben können.“ In der letzten Lebensphase helfe „nicht der Glaube an Medikamente oder die medizinische Allmacht den Menschen, sondern die menschliche Wärme und Berührung“. Im Haus vollziehe sich „nicht die Fortsetzung einer spezialisierten Krankenhausarbeit, sondern die Zuwendung zum Menschen.“

Das Hospiz wird als Ableger des Katholischen Klinikverbands Südhessen, zu dem seit 2001 auch das Ketteler-Krankenhaus gehört, betrieben. Geschäftsführer Bernhard Franzreb zeigte sich dankbar für die vielschichtige Hilfe, die dem Projekt bisher zuteil geworden ist. Seit 2007 gab es Benefizkonzerte, Weihnachtsstollenverkauf, Sammlungen und vieles mehr. Bisher haben sich 90 Paten gefunden, die regelmäßig zahlen. Und 2008 gründeten Wohlfahrtsverbände, Hospizdienste, Pflegedienste, Kirchenvertreter, Ärzte, Klinik-, Stadt- und Kreisvertreter das „Palliativnetz Stadt und Kreis Offenbach“. Aktueller Spendenstand: 978.000 Euro, unbedingt noch zu mehren mit Überweisungen aufs Spendenkonto (Städtische Sparkasse Offenbach, BLZ 50550020, Konto 7020481). Das Doppelgrundstück neben dem Krankenhaus ist bereits bezahlt; die Bensheimer Stiftung Heilig-Geist-Hospital kaufte vor drei Jahren als Gesellschafter des Klinikverbunds.

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