Hospiz Fanny de la Roche

Da sein am Ende des Weges

+
Marius Stirner, der sein Freiwilliges Soziales Jahr im Hospiz ableistet, und Pflegekraft Ulrike Riemer-Rettig (Mitte) sorgen mit Leiterin Margarete Stirner dafür, dass im Haus stets frische apricotfarbene Rosen – Blumen mit Symbolkraft – zu finden sind.

Offenbach - Sterben gehört zum Leben – eine bedrückende Erfahrung, die an kaum einem Ort so spürbar ist wie in einem Haus, in dem Menschen mit todbringender Diagnose gepflegt und begleitet werden. Von Harald H. Richter 

Das stationäre Hospiz Fanny de la Roche am Lichtenplattenweg 83, in Sichtweite des Ketteler-Krankenhauses, ist ein solcher Ort. Seit einem halben Jahr besteht die Einrichtung in Trägerschaft der Stiftung Heilig-Geist-Hospital Bensheim, geleitet von Diplom-Pflegewirtin Margarete Stirner. „Hier wird eine sehr intensive, wenngleich kurze Zeit gelebt – bis zum Tod“, sagt die 49-Jährige.

Die Leiterin kümmert sich mit 14 Pflegekräften und ihrem 18-jährigen Sohn Marius, der dieses Jahr das Abitur bestanden und sich zum Freiwilligen Sozialen Jahr entschlossen hat, um die Bewohner. Sie spricht von ihnen als Gäste, voll Respekt und Wertschätzung. Das Hospiz wird für unheilbar Kranke in den letzten Lebenstagen zum Zuhause, wenn ambulante Begleitung in gewohnter Umgebung nicht mehr möglich ist. Neben der notwendigen Pflege der Sterbenden gehören Zuwendung und Unterstützung der Angehörigen beim Abschiednehmen zu den Aufgaben des Personals.

Rund um die Uhr tätig

Das rund um die Uhr tätige Team wird mannigfach unterstützt, etwa durch knapp ein Dutzend ehrenamtliche Hospizhelfer. Gerade erst hat zum zweiten Mal ein Lehrgang stattgefunden, um Freiwillige an Aufgaben heranzuführen. „Einfach da sein, die Hand halten, Zeit haben für ein Gespräch oder einen Spaziergang“, beschreibt Stirner einige Aspekte. Oft zur Stelle ist Dr. Eckhard Starke, Facharzt für Allgemein- und Palliativmedizin mit hausärztlicher Praxis am Ketteler-Krankenhaus. Er gehört zum seit 2008 bestehenden Netz derer, die sich mühen, Patienten und Angehörigen die medizinische Versorgung und menschliche Unterstützung zu geben, die in der Sterbebegleitung erforderlich sind. Das Hospiz mit seinen acht Zimmern wirkt gar nicht wie ein trister Ort voller Leiden. Vielmehr ist es ein Haus der Stille, liebevoll eingerichtet, zurückhaltend aufmunternd dekoriert, vor allem in der Adventszeit. Bequeme Sessel möblieren den Aufenthaltsraum. Eine Wohnküche, von Deckenlicht durchflutet, gilt als Treffpunkt für Hausgäste, Besucher und Personal. Mal wird gebacken, oft gefrühstückt und das Abendbrot eingenommen. Das Mittagessen kommt aus dem nahen Ketteler-Krankenhaus. „Man muss gemeinsame Ressourcen nutzen“, erläutert Stirner und verweist darauf, dass sich das Hospiz zu mindestens zehn Prozent aus Spenden zu finanzieren hat.

Sterbenden die letzten Lebenstage so angenehm wie möglich zu machen, das bedeutet nicht nur Erfüllung von Grundbedürfnissen und einiger Wünsche. Das Wichtigste überhaupt ist Achtsamkeit, Grundelement jeglicher Hospizarbeit. Diese wird dem Gast, seinen Angehörigen, aber auch dem eigenen Team entgegengebracht. Die meisten Sterbenden wünschen sich vor allem Ruhe. Nicht unbedingt im klassischen Sinn, denn kaum einer möchte allein sein. „Sie wollen vielmehr Frieden finden und Frieden schließen, etwa mit einer Person aus dem familiären Umfeld, mit der man lange im Zwist gelegen hat“, berichtet Margarete Stirner. Manche Angehörige bleiben über Nacht im Hospiz, dazu steht ihnen ein extra Zimmer im Obergeschoss zur Verfügung. Dort befinden sich weitere Räume, unter anderem für die Mal- und Klangtherapie, sowie ein Rückzugsraum, „wenn jemand zur Ruhe kommen und sich besinnen möchte“.

Todkranke Amerikanerin Brittany Maynard nimmt sich das Leben

Todkranke Amerikanerin Brittany Maynard nimmt sich das Leben

Mehr als 40 Gäste hat das Hospiz seit seiner Eröffnung im Frühsommer beherbergt, manche nur einen Tag, andere mehrere Wochen. „Stirbt ein Gast, begleiten wir die Angehörigen in dieser Phase des Abschiednehmens“, erklärt die Hospizleiterin. Ein Teelicht an der Zimmertür des Betreffenden weist darauf hin, dass er für immer gegangen ist. Im Eingang des Hospizes liegt ein Gedenkbuch aus, in das jeder etwas eintragen kann.

Wird eine Aussegnung gewünscht oder auch nur ein kurzes gemeinsames Gebet, wird diesen Ansinnen entsprochen. Michaele Althapp, katholische Seelsorgerin mit halber Stelle, kommt viermal die Woche ins Haus. Allgegenwärtig sind apricotfarbene Rosen, auch als Beigabe, wenn von einem Gast Abschied genommen wird. Ihre Farbe drückt tiefe Zufriedenheit aus und symbolisiert das Gefühl des Geborgenseins. Ganz im Sinne der Namensgeberin des Hospizes Fanny de la Roche, von der die Worte stammen: „Der Engel des Friedens und der Liebe möge Ihnen stets zur Seite sein.“

Kommentare