Kein Po und kein Nabel

Hotpants-Verbot: Wie ist es in Offenbach?

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Offenbach - Hotpants, bauchfreie Hemdchen oder tief geschnittene Dekolletés sind von Schulleitungen offiziell nicht gern gesehen. Die Konsequenz, leicht bekleidete Mädchen mit riesigen T-Shirts zu verhüllen, wie sie eine Schule im Schwarzwald jetzt zog, sorgt allerdings für erhitzte Gemüter. Von Rebecca Röhrich

Mari Zaric und ihre Freundinnen sind irritiert. „Wie soll denn ein großes T-Shirt bei zu kurzen Hosen helfen? Die Beine sieht man dann doch trotzdem.“ Seit bekannt wurde, dass eine Schule in Baden-Württemberg zu leicht bekleideten Schülerinnen ein XXL-T-Shirt überzieht, ist die Hotpantsdebatte in vollem Gange. Auch die Schülerinnen der Rudolf-Koch-Schule (RKS) haben eine Meinung. Klar sollte man in der Schule gewisse Körperteile bedecken, aber eine Art Überwurf tragen zu müssen kommt für die Mädchen einer echten Bestrafung gleich. „Das ist doch total peinlich für die Betroffenen“, findet Mari. Abgesehen davon gebe es auch Jungs, die sich nach Meinung der Mädchenclique unangemessen anziehen: „Die haben auch echt kurze Hosen an.“

An der RKS gibt es keine offizielle Kleiderregel. Dies sei auch nicht nötig, findet die Leiterin des Gymnasiums, Christiane Rogler. „Wenn ein Schüler oder eine Schülerin unangemessen zur Schule kommt, dann suchen die Lehrer das Vier-Augen-Gespräch“. Auch sie ist irritiert von der „T-Shirt-Strategie“. „Statt sie zu verhüllen, versuchen wir vielmehr, eine Einsicht bei den Schülerinnen zu erzeugen“, sagt Rogler.

Auch andere Offenbacher Schulen sehen das gelassen, haben sich aber auch schon mit dem Thema angemessene Kleidung auseinandergesetzt. Raimund Kirschner, Leiter der beruflichen August-Bebel-Schule (ABS), sieht die Kleiderfrage beispielsweise nicht allein im schulischen Kontext. „Wir versuchen unseren Schülern zu vermitteln, dass korrekte Kleidung im späteren Beruf von ihnen erwartet wird“, so Kirschner. Er sieht das Problem nicht nur bei Mädchen, sondern auch bei männlichen Schülern. „Es fängt schon bei der Mütze oder dem Käppi an“, so Kirschner. Da gebe es einige Jungs, die diese im Unterricht nicht ablegen wollten. Ebenso gebe es Lehrer, die das nicht akzeptierten. Aber die Konflikte hielten sich in Grenzen.

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Auch die ebenfalls beruflich orientierte Theodor-Heuss-Schule hat keine explizite Regel. „Wenn wir der Meinung sind, dass etwas unpassend ist, sprechen wir die Schüler an“, sagt Konrektorin Ute Steinmeyer. Ähnlich verhält es sich an der Rumpenheimer Ernst-Reuter-Schule. „Anstand ist schwer zu definieren“, meint Leiterin Sabine Henning. Wenn ein Schüler zu viel Haut zeigt, werde das im Klassenrat besprochen. Es bestehe eine soziale Kontrolle im positiven Sinn. „Mit Verboten kommt man da nicht weiter.“

Überraschenderweise gibt es an der katholischen Marienschule keine Kleidervorschriften. Dies teilte auf Anfrage zumindest das Sekretariat mit. Die Frage, ob es Probleme mit zu freizügiger Kleidung gebe, wollte niemand beantworten. Vor ein paar Jahren waren dort Spaghettiträger und kurze Röcke aber noch verboten.

RKS-Schülerin Mari Zaric und ihre Klassenkameradinnen sind froh, dass es an ihrer Schule keine offiziellen Regeln gibt. „Kleidervorschriften schränken die Persönlichkeit ein“, findet die 18-Jährige. Allerdings gebe es Vorgaben, die jeder auch um seinetwillen einhalten sollte. „Po und Bauchnabel sollte man echt nicht zeigen“, sagt Mari. Sie findet, es sei eine Frage des Respekts – auch sich selbst gegenüber. An Offenbacher Schulen gibt’s also auch mal viel Haut zu sehen, aber Schüler und Lehrer haben einen entspannten Weg gefunden, damit umzugehen.

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