Von den Hürden im Hafen

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Hoffen, das es mit ihrem Hafen 2 irgendwie weitergeht: Karolina Kowalczyk, Luzia Hein (sitzend) sowie (stehend von links) Lena Dins, Robert Nemec, Till Weigl, Markus Dinter, Andrea Weiß und Alexander Braun mit Magda auf dem Arm.

Offenbach ‐ Der Yachthafen war erst der Anfang. Damit zwischen Nordring und Main ein neuer Stadtteil wachsen kann, werden außer dem Bootsliegeplatz, dessen Ende besiegelt ist, weitere Einrichtungen vom Hafenareal weichen müssen. Von Matthias Dahmer

Am präsentesten, weil gut fürs wahlkämpferische Profil, ist dabei der zur Kulturinstitution gereifte Hafen 2. Weniger im öffentlichen Bewusstsein, dafür aber eine Nuss, die viel härter zu knacken sein wird, ist der Ruderverein Hellas. Für beide ist die Zukunft ungewiss, ihre Ausgangspositionen könnten indes unterschiedlicher nicht sein.

Aber der Reihe nach: Der Hafen 2 mit seinem breit gefächerten künstlerischen Angebot gilt im siebten Jahr seines Bestehens als feste Größe im Kulturleben der Stadt. Und er weiß das schmückende Siegel der Kreativität im Rücken.

Dabei, und das wird mittlerweile in der Diskussion gerne mal weggelassen, war der Einzug in den alten Lokschuppen von Anfang an nur eine vorübergehende Lösung, eine stadtplanerische Zwischennutzung.

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Immerhin: Den Machern im Hafen 2 ist - im Gegensatz zu einigen aus den Reihen der SPD - bewusst, dass sie am derzeitigen Standort nicht bleiben können. Allein: Ein Signal, wie es weitergehen könnte, haben sie bislang nicht. „Die Frage, ob wir an dem Standort bleiben können, stellt sich für uns nicht mehr“, sagt Hafen 2-Sprecher Alexander Braun. Die Option eines Neubaus weiter westlich in Höhe der Wiking-Tennisplätze wäre für ihn die „Idealvariante“. Ob diese noch aktuell ist, vermag er aber nicht zu sagen. „Wir bekommen da unterschiedliche Signale.“ Etwas mehr Klarheit und Planungssicherheit versprechen sich Braun und sein Team von einem Diskussionsabend im Hafen 2 am nächsten Mittwoch. Vertreter der Parteien sollen ab 19 Uhr Farbe bekennen.

In der Tat tut sich die Politik kurz vor der Kommunalwahl schwer mit klaren Worten. Verschämt einig ist man sich nur, dass der alte Lokschuppen im neuen Stadtteil keine Chance hat. Bei den Alternativen bleiben alle wolkig, beteuern, für den Erhalt der Einrichtung zu sein. Laut auszusprechen, was hinter vorgehaltener Hand geflüstert wird, traut sich keiner: Dass der Hafen 2 mit seinem Konzept, das seinen Charme aus dem Provisorischen schöpft, an anderer Stelle keine Zukunft haben wird.

Offiziellen Auftrag, sich Gedanken über dessen Fortbestand zu machen, hat kraft eines Parlamentsbeschlusses die Stadtregierung. Sehr weit ist die offenbar noch nicht gekommen: „Wir werden alles tun, um den Hafen 2 zu erhalten. Doch das muss sich auch wirtschaftlich darstellen lassen“, lässt auch Oberbürgermeister Horst Schneider jede Menge Interpretationsspielraum. Klar ist für ihn nur: Die siebenstellige Summe, die für einen Neubau nötig wäre, kann die im Hafen federführende Mainviertel GmbH nicht aufbringen. Und: „Im Hafen gibt es kein vergleichbares altes Gebäude.“ Den von den Hafen 2-Leuten befürchteten Zeitdruck sieht Schneider nicht: Eine Kündigung sei frühestens Anfang 2012 ein Thema.

Noch mehr auf Zweckoptimismus macht der Rathauschef beim Ruderverein Hellas, dessen Vereinsdomizil rund 50 Meter entfernt von der künftigen Hafentreppe, dem Herz des neuen Stadtteils, steht. Schneider schwebt ein Wassersportzentrum im Hafen vor, dass sich die Ruderer von Hellas und Wiking teilen könnten. Man müsse die beiden Vereine „zusammenflanschen“, Wiking wäre sofort dabei, Hellas sei da etwas zurückhaltender, so Horst Schneider.

Das, was Hellas-Vize Klaus Dieter Roos zu dem Thema sagt, hört sich dagegen ein bisschen anders an: „Pläne gibt es da jede Menge. Die Diskussion läuft seit Jahren, passiert ist bislang nichts“, so Roos. Ein Zusammengehen mit andern Vereinen hält er aber für eher unrealistisch. Da gebe zu viele strukturelle Unterschiede.

Beim Blick in die Zukunft können sich die Vereinsbosse von Hellas entspannt zurücklehnen. Ihr Erbpachtvertrag läuft bis 2030. „So lange es keine für uns akzeptable Lösung gibt, bleiben wir vor Ort“, sagt Roos.

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