Im Capitol Offenbach

Die Hütte brennt mit Joja Wendt

Offenbach - „Es denken Kritiker im Saal, den Klimperer verreiß ich mal. Doch daraus wird nichts heute Abend, weil heute hier die Hütte brennt, denn am Klavier sitzt Joja Wendt.“ Von Sebastian Krämer

Tatsächlich verspricht der Hamburger Pianovirtuose nicht zu viel, als er mit LED-Handschuhen seine Version von Michael Jacksons „Thriller“ im gut besuchten Saal des Offenbacher Capitols darbietet. Mit zusätzlichem Stimmverzerzerrer zündet der 54-Jährige zum Auftakt ein Effektfeuerwerk.

Wie auch bei den restlichen Titeln des zweistündigen Programms steht allerdings stets die Musik im Vordergrund. Mit geschickt gesetzten Blue Notes, Jazzvoicings und Improvisationen erhalten die Titel Wendts persönliche Note. Diese reichen von Schuberts Impromtus Es-Dur über frühe Jazzstücke der Boogie-Woogie-Zeit bis hin zu „zeitgenössischen Pophits“ wie Ed Sheerans „Shape Of You“.

Der Großteil der Titel stammt vom neuen Album „Stars On 88“, das der brillante Entertainer als sein bisher populärstes Album bezeichnet. Schnell wird klar, dass die Zahl für die 88 Tasten seines speziell präparierten Steinwayflügels steht, der sich beispielsweise beim Honky Tonk Train Blues passend zum musikalischen Programm nach vorne, links und rechts neigt.

Schließlich möchte Wendt sein Publikum mit auf eine musikalische Zugreise nach Konstantinopel (Istanbul) nehmen, auf der einige Berge passiert werden. So verbindet Joja Wendt, den die ARD jüngst als Demokratisierer der Konzertmusik betitelte, Kabarett und ausgeklügelte Arrangements, bei denen seine beinahe makellose Technik hervorragend zur Geltung kommt. Neben schwindelerregenden Up-Time-Nummern kommen auch Balladenfans auf ihre Kosten: Wendt beglückt beim Prince-Hit „Purple Rain“ und weichen Harmonien mit akustischen Wellnessmomenten. Wer dem Pianisten ganz genau auf die Finger schauen möchte, hat mittels eines riesigen Bildschirms hierzu die Möglichkeit. Standing Ovations.

Rubriklistenbild: © C.Barz/Universal Music

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