57-Jähriger muss ins Gefängnis

Hunderte Kinderpornos im Internet getauscht

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Offenbach - Es ist einer jener Prozesse, bei denen selbst ein hart gesottener Staatsanwalt seine Emotionen nicht unterdrücken mag: „Wer so etwas tut, ist nicht normal. Beim Anschauen der Bilder in den Akten wird es mir schlecht.“ Von Matthias Dahmer

Thomas Glab, Vertreter der Anklagebehörde, findet gestern Vormittag in seinem Plädoyer deutliche Worte. Wenig später, nach nur kurzer Beratung des Schöffengerichts, wird der 57-Jährige Klaus D., dem Glabs Worte gelten, von Richter Manfred Beck wegen des Besitzes und des Verbreitens kinderpornografischer Dateien zu dem verurteilt, was der Staatsanwalt gefordert hatte: Zwei Jahre und vier Monate Gefängnis. Den Haftbefehl gegen D., der wegen Nichterscheinens zum ersten Hauptverhandlungstermin in Untersuchungshaft saß, hält der Richter wegen Fluchtgefahr aufrecht. Der Anwalt des Verurteilten, der in seinem Plädoyer eine Bewährungsstrafe für angemessen gehalten hatte, kündigt umgehend Berufung und Haftbeschwerde gegen das Urteil an.

Auf den Computern des gebürtigen Offenbachers D., der zur Tatzeit in Mühlheim und zuletzt in Berlin wohnte, hatte die Polizei im Dezember 2011 im Zuge einer bundesweiten Aktion gegen Kinderpornografie etwa 300 einschlägige Dateien entdeckt. Die Bilder und Videos, sagt der Staatsanwalt am Rande der Sitzung, reichen bis zur Vergewaltigung von Babys. Der unscheinbare IT-Fachmann war Mitglied einer Gruppe von 174 Pädophilen, die in einem nur Insidern zugänglichen Internetforum mit Namen „Klasse 1 bis 4 Grundschule“ Kinderpornos tauschte. Sie flog auf, weil ein Beteiligter auspackte und die Ermittlungsbehörden so an die E-Mail-Adressen der Nutzer kamen.

D. ist kein Ersttäter. Bereits im Oktober 2009 hatte ihn das Amtsgericht Offenbach wegen des gleichen Delikts – damals waren 17 000 Dateien auf seinem PC entdeckt worden – noch relativ glimpflich davonkommen lassen: Er wurde zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.

Während D. bei seiner ersten Vernehmung durch die Polizei noch geständig war, versuchte er sich gestern als jemand darzustellen, der zufällig im einschlägigen Internetforum gelandet sei. Weil er schon immer jungen Menschen in Form von Nachhilfe etwa in Mathe habe helfen wollen, habe ihn der Name „Klasse 1 bis 4 Grundschule“ interessiert. Als ihm der wahre Inhalt bewusst geworden sei, habe er das Ganze sofort gelöscht. Niemals seien Dateien von ihm weiterverbreitet worden.

Mit diesen Bildern sucht das BKA Babyschänder (Archiv)

Mit diesen Bildern sucht das BKA den Babyschänder

Computer-Spezialisten der Offenbacher Kripo, welche die in D.s Mühlheimer Wohnung gefundenen Speichermedien ausgewertet haben, können gestern im Zeugenstand die Aussagen des Angeklagten widerlegen. Detailreich erläutern sie, dass einem solche Inhalte nicht „einfach zufliegen“. Die Dateien befänden sich in der Regel auf russischen oder anderen Servern im Ausland. Man benötige einen speziellen Zugriff oder müsse einer entsprechenden Gruppe beitreten.

Richter Manfred Beck betonte in der Urteilsbegründung, D. habe versucht, sich im Prozess herauszureden und das Gericht zum Narren zu halten. Zudem stelle sich D. nicht seiner Verantwortung. Erschwerend komme hinzu, dass er die Taten in seiner Bewährungszeit begangen habe. Durch Handlungen wie seine komme der Missbrauch von Kindern erst zustande. „Internet-Nutzer wie Sie bieten erst den Markt für solche Straftaten“, so Beck.

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