Hunderte Meter Deich gebaut

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Helfer aus Offenbach im Kampf gegen das Hochwasser in Niedersachsen. Dezernent Felix Schwenke dankte ihnen persönlich für ihren Einsatz.

Offenbach - Den Menschen im Landkreis Lüchow-Dannenberg werden ihre Helfer aus Hessen in guter Erinnerung bleiben. Die waren am Donnerstag um 4 Uhr früh gen Norddeutschland aufgebrochen – und kehrten am Sonntagabend gegen 19 Uhr zurück. Von Markus Terharn

Als „sehr arbeitsam“ charakterisiert Feuerwehrchef Uwe Sauer die Tage. Sehr gut koordiniert sei der Einsatz gewesen, lobt er: „Unsere positive Vorab-Einschätzung hat sich nachhaltig bestätigt.“ Dabei mussten die Offenbacher nicht, wie anfangs geplant, gleich in der ersten Nacht Sandsäcke füllen. So war ihnen nach der langen Anfahrt eine Mütze Schlaf vergönnt, ehe sie am Freitag richtig loslegten.

„Problem war, dass die örtliche Einsatzleitung lange nicht wusste, welcher Pegelstand zu erwarten war“, berichtet Sauer. „Und danach richtet sich ja die Höhe der Schutzmaßnahmen.“ Im Ort Vietze an der Elbe bauten die Hessen zunächst etwa 300 Meter Deich. Muldenkipper und Radlader gelangten zum Einsatz, die Sandsäcke hat niemand gezählt, „das ging in die Zehntausende“.

Pegel von 19,40 Metern

Auf weiteren zirka 400 Metern Länge versuchten die Fachleute außerdem zu ertüchtigen, was Einheimische aufgeschüttet hatten. Samstagfrüh um 1 Uhr hatten sie endlich Feierabend.

„Am Samstag hieß es plötzlich, dass mit einem Pegel von 19,40 Metern über Normalnull zu rechnen sei“, erzählt Sauer weiter. Die Folge: „Wir sollten die Deichkrone auf 20 Meter erhöhen. Das hat auch geklappt.“ Zuvor hatten die Offenbacher den Frankfurtern geholfen, in Gartow ein modernes Schutzsystem aus Zylindern und Folie zu errichten, das mit Wasser gefüllt wurde. „Das geht recht schnell“, sagt Sauer, der zeitweise 200 Mann unter seinem Kommando hatte. 150 davon kamen über die niedersächsische Kreisfeuerwehrbereitschaft aus Stade. „Die waren fit, die Jungs“, so Sauer anerkennend.

Nicht von Erfolg gekrönt

Offenbacher halfen auch, mit Hilfe eines sogenannten Knickdammsystems eine Brücke über das Flüsschen Seege zu sichern. Die war strategisch wichtig: Auf der anderen Seite befand sich der Sandsack-Füllplatz.

Was Sauers Bilanz etwas trübt, ist die Tatsache, „dass unsere Bemühungen in Vietze letztlich nicht von Erfolg gekrönt waren“. Zwar verharrte der Pegel gestern bei 19,70 Metern, da an anderer Stelle viel Wasser abgeflossen war. Aber der Damm, den die Lokalmatadoren in Eigenleistung notdürftig mit Erde und Folie errichtet hatten, wurde unterspült, so dass die Fluten den Ort erreichten. „Da konnten wir leider nichts retten“, bedauert Sauer.

Derzeit bereiten sich die Offenbacher auf einen zweiten Trip vor. „Bei der ersten Welle, vor dem Hochwasser, braucht man ziemlich viele Kräfte“, erläutert Sauer. „Derzeit genügen relativ wenige Leute, die an Ort und Stelle kontrollieren und notfalls flicken. Aber wenn das Wasser abgelaufen ist, gibt es massiv Arbeit mit dem Aufräumen.“ Anfang nächster Woche soll sich also ein weiterer Trupp für fünf bis sieben Tage auf den Weg machen.

Am zu Ende gegangenen Einsatz waren elf Profis (zehn von der Berufsfeuerwehr Offenbach, einer von der Heraeus-Werksfeuerwehr) sowie 16 Freiwillige (zehn aus Waldheim, vier aus Rumpenheim und zwei aus Bieber) beteiligt. Dazu kamen 16 Helfer des Arbeiter-Samariter-Bundes, verantwortlich für die Verpflegung.

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