Hunderte Plätze fehlen in der Kinderbetreuung

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Der vom Stadtparlament jedes Jahr um eine weitere Etappe zu ergänzende Fahrplan sieht für die nächsten drei Jahre die Schaffung von insgesamt 459 zusätzlichen U3-Betreuungsplätzen vor.

Offenbach ‐ Die Stadt muss die heiße Nadel, mit der sie ihren Plan zur Erfüllung des ab 2013 geltenden Rechtsanspruchs von Kindern unter drei Jahren („U3“) auf einen Betreuungsplatz gestrickt hat, weiter anheizen - bis zum Glühen. Von Marcus Reinsch

Der vom Stadtparlament jedes Jahr um eine weitere Etappe zu ergänzende Fahrplan sieht für die nächsten drei Jahre die Schaffung von insgesamt 459 zusätzlichen U3-Betreuungsplätzen vor. Mit den dann 1 280 Plätzen wären, falls es nicht noch übermäßig viele Familien mit kleinen Kindern nach Offenbach zieht, 35 Prozent aller unter Dreijährigen versorgt. Das entspräche exakt der von der Bundesregierung empfohlenen Quote, wobei Bürgermeisterin und Jugenddezernent Birgit Simon skeptisch bleibt, ob das für Offenbach genug sein wird. Im Ballungsraum sei mit mehr Bedarf als auf dem Land zu rechnen.

Doch mit solcherlei Zweifeln belaste sich weder der Bund noch das Land; die Kommunen würden „in Sachen Kinderbetreuung zum Spielball“ gemacht. Simon: „Da wird uns in rasendem Tempo in Gesetzen und Verordnungen verpasst, was wir zu schaffen haben und in welcher Form.“

Ursprünglich habe der Bund noch eine 22-Prozent-Quote bis Ende dieses Jahres gefordert. Wäre es dabei geblieben, hätte Offenbach 2009 die geplante Ausbaustufe um 16 Plätze übertroffen. 821 Plätze gab es Ende letzten Jahres. Im Laufe dieses Jahres sollen 134 hinzukommen, davon 90 in Einrichtungen fast ausschließlich freier Träger. Kirchengemeinden, Arbeiter-Samariter-Bund und Start-Haus hätten Bereitschaft zum Ausbau ihrer Kapazitäten signalisiert, so Simon. 44 weitere Plätze soll es bei Tagesmüttern geben. Im nächsten und übernächsten Jahr müssten dann jeweils 109 U3-Plätze eingerichtet werden.

Expansionszwänge spürt die Stadt auch, was Kindergärten betrifft. Für Drei- bis Sechsjährige gilt der Rechtsanspruch schon lange, wobei es Simons Ziel ist, das Angebot um 171 Plätze auf 98 Prozent und damit weit über die geforderte Quote von 85 Prozent zu steigern. Die Kapazität liege schon jetzt um 395 Plätze darüber; Ende 2009 gab es 4090.

Betreuungsbaustelle Nummer drei: die Hortbetreuung für Grundschulkinder. Auch da meldet Simon Nachholbedarf. Ende 2009 habe es, gemessen an der 25-Prozent-Quote, 178 Plätze zu wenig gegeben. Angestrebt sei, aus momentan 967 Plätzen 1145 zu machen. 55 sollen in diesem Jahr hinzukommen, wobei auch zusätzliche Ganztagsklassen an Grundschulen für Entspannung sorgen könnten.

Schwierig: die sogenannte Mindestverordnung, mit der das Land Qualitätsstandards in der Kinderbetreuung festschreiben will. Laut einer Aussage von Familienminister Jürgen Banzer wolle Hessen die Mehrkosten für mehr Erzieherinnen, die Verkleinerung von Gruppen und entsprechend mehr Räume nur jenen Städten erstatten, die die Forderungen erst im September 2009 oder später erfüllt haben. Alle Kommunen, die von sich aus schon vorher gehandelt haben, sollen hingegen leer ausgehen. Das betrifft Simon zufolge auch Offenbach. Denn die Stadt habe von sich aus den Betreuungsschlüssel pro Kindergartengruppe erhöht.

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