Hunds- und Weidegeld füllte den Stadtsäckel

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Aus Privatbesitz zurück erworben hat die Stadt das älteste Kassenbuch der Verwaltung aus dem Jahr 1800. Es ist in gutem Zustand, wie Archivarin Anjali Pujari erfreut feststellt, und Zeugnis früherer Steuereinnahmen und -ausgaben. 226 Seiten zeugen von der Akribie des damaligen Kämmerers.

Offenbach - (fel) 2002 waren die kommunalen Einnahmen aus der Hundesteuer höher als aus der Gewerbesteuer. Eine verheerende Bilanz. Das gab’s offenbar schon früher, wie ein Blick in ein 200 Jahre altes Kassenbuch zeigt, das nun wieder im Besitz der Stadt ist.

Es ist das Jahr 1800. Offenbach ist eine kleine Gemeinde mit gerade mal 5 600 Einwohnern und Peter Lotz ihr „Bürgermeister“. Allerdings ist er keinesweg das, was wir heute unter einem Bürgermeister verstehen: Lotz ist vielmehr Gelderheber und -rechner der Gemeinde, ähnlich eines Kämmerers. Gewissenhaft trägt er in ein braunes, ledergebundenes Buch in Folio-Format die Steuereinnahmen und -ausgaben Offenbachs ein.

Dieses Kassenbuch aus dem Jahr 1800 ist das älteste der Verwaltung - und es existiert noch immer. Lange Zeit war es in Privatbesitz, jetzt hat es die Stadt mit einigen anderen Unterlagen zurück erworben. Gestern präsentierten die Stadtarchivarin Anjali Pujari und der Kulturdezernent, Oberbürgermeister Horst Schneider, das Buch der Öffentlichkeit.

Aufgelistet in dem historisch wertvollen Schriftstück sind beispielsweise die Steuern, die die Bürger quartalsweise an die Gemeinde abzuführen hatten, das Wachtgeld (eine Abgabe für die angestellten Wächter), Weidegeld, Geld für Faselvieh (Zuchtvieh) und das „Hundsgeld“ (die Hundesteuer).

An Ausgaben sind verzeichnet: Gelder für die fürstliche Landrentei, für die Gemeindebesoldung, für Bau- und Reparaturkosten, für die Rekrutenstellung. Sogar Napoleons General Angereau findet Erwähnung in dem Buch: Es geht um den Ankauf für Pferdefutter, das seine Truppenpferde benötigten. Offenbach war seinerseits durch die Franzosen besetzt und General Angereau hatte im September 1800 sein Hauptquartier an den Main verlegt.

226 Seiten ist das wieder aufgetauchte Rechnungsbuch stark - wollte man die heutigen Einnahmen und Ausgaben (also den Haushaltsplan, denn ein Rechnungsbuch im ursprünglichen Sinne gibt es nicht mehr) der Stadt auf Papier bringen, bräuchte man wohl mindestens 1 000 Seiten - doppelseitig bedruckt, so Archivarin Pujari. Tatsächlich werden die jährlichen Haushalte noch auf Papier gedruckt. Je ein Exemplar bekommen alle städtischen Ämter, „zur Kontrolle“.

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