ARD-Bericht verteilt gute und schlechte Noten im Rhein-Main-Gebiet

Wie es um die Hygiene in Kliniken steht

Offenbach/Hanau/Frankfurt - Nicht nur für Ärzte und Pflegepersonal sind sie ein Albtraum: Krankenhauskeime, die aufgrund mangelnder Hygiene jährlich hunderttausende Patienten infizieren. Von Nikolas Sohn

Nach Angaben des ARD-Wirtschaftsmagazins „Plusminus“ und dem Recherchezentrum Correctiv erfüllte 2014 mehr als jede vierte deutsche Klinik die Hygienevorschriften des Berliner Robert-Koch-Instituts nicht. Dazu kam ein deutlicher Mangel an Hygienepersonal in vielen der insgesamt rund 2000 deutschen Krankenhäusern. Betroffen waren auch einige Kliniken im Rhein-Main-Gebiet. Mit dem Infektionsschutzgesetz von 2011 sollten ursprünglich bis Ende 2016 verbindliche Regelungen für ausreichendes Hygienepersonal geschaffen werden. Demnach muss eine Klinik pro 400 Betten einen fest angestellten Hygieniker haben, der Krankenhausmitarbeiter schult und kontrolliert – mit dem Ziel, Infektionen zu vermeiden. Dem Bericht zufolge geht das Aufstocken des Fachpersonals allerdings nur langsam vonstatten, die Frist wurde sogar auf Wunsch der Länder bis 2019 verlängert.

Durchgefallen waren gemäß der Mindestkriterien des Berliner Instituts unter anderem das Sana-Klinikum in Offenbach (926 Betten), das Universitätsklinikum (1307 Betten) und die Rotkreuz-Kliniken (330 Betten) in Frankfurt. Die Vorgaben erfüllt hätten hingegen das Offenbacher Ketteler-Krankenhaus (270 Betten), das Hanauer St. Vinzenz-Krankenhaus (359 Betten), das Klinikum Hanau (747 Betten) und die Asklepiosklinik Langen (433 Betten), wie aus dem „Plusminus“-Bericht hervorgeht.

Begutachtet wurde dabei nach vier Personalkategorien. Fehlte eine der Kategorien wurde mit „0“ gewertet. Ebenfalls als nicht erfüllt galten Hygienevorgaben, falls in mindestens einer der Personalkategorien mit „0“ beurteilt wurde. Bei Häusern ab 400 Betten wurde die Hygienekriterien mit nicht erfüllt gewertet, falls kein Krankenhaushygieniker angegeben war. Gleiches galt, falls ein Krankenhaushygieniker angegeben war, dieser aber als externer Mitarbeiter ausgedeutet wurde. Die Ergebnisse sind in einer frei zugänglichen Datenbank im Internet zu sehen und basieren auf Krankenhausqualitätsberichten. Diese liegen dem Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) vor, dem obersten Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen. Über eine interaktive Karte können bundesweit die einzelnen Kliniken direkt aufgerufen werden.

Das Universitätsklinikum Frankfurt wies die Angaben von „Plusminus“ bezüglich des Kräftemangels „als nachweislich falsch“ zurück. Derartige Hygienekräfte seien weder gesetzlich vorgeschrieben, noch werden sie vom Robert-Koch-Institut verlangt – die Daten von 2014 seien veraltet, das Krankenhaus habe damals keine Hygienebeauftragten benannt. Vielmehr habe die Klinik „2015 diese spezifischen Fachkräfte (aktuell 74) eingeführt und erfüllt die gesetzlichen Vorgaben weit mehr als verlangt“.

Fotos: Offenbacher Gesundheitsspiele an Rodgauer Schulen

Kritik an der Vorgehensweise der Studie kommt auch vom Sana Klinikum in Offenbach. Eine Sprecherin sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Die vom ARD-Magazin veröffentlichte Krankenhausliste greift auf veraltete Daten aus dem Jahr 2013/2014 zurück und legt die Vorgaben der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention – auch KRINKO genannt – zugrunde. Diese deckt sich nicht mit den Vorgaben der hessischen Hygieneverordnung.“ Nach Angaben der Sprecherin sind im Klinikum derzeit ein Krankenhaushygieniker, 24 hygienebeauftragte Ärzte, vier Hygienefachkräfte, ein Hygienetechniker und vier hygienebeauftragte Pflegekräfte für die Umsetzung der Richtlinien zuständig. Durch die seit 2015 zusätzlich eingesetzten vier hygienebeauftragten Pflegekräfte erfülle das Klinikum auch die Anforderungen der KRINKO. Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Das Team um Dr. Jörg Schulze, Chefarzt des Institutes für Krankenhaushygiene und Labordiagnostik, führt Hygienebegehungen durch, achtet auf die konsequente Umsetzung der Hygienepläne, überprüft die Aufbereitung von Medizinprodukten, und entnimmt Proben für hygienisch-mikrobiologische Untersuchungen.“

Rubriklistenbild: © dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare