Kleinliche Hygiene-Regeln nerven Klubs

Rote Karte für schwarze Ringe

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Unbeschwertes Grillen und Prosten? Mitnichten. Die Hygiene-Regeln werden immer penibler – auch abseits professioneller Festveranstaltungen.

Offenbach - Das offizielle Feier-Fazit ist ein positives: Alles friedlich und locker am Mainufer. Nicht ganz so euphorisch dürfte die eine oder andere Vereins-Bilanz ausfallen. Von Martin Kuhn

Das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz erwischt einige kalt – trotz vorheriger öffentlicher Beratung im Rathaus.

Die Experten informieren rechtzeitig vor dem Mainuferfest. In gut zwei Stunden unter anderem thematisiert: Produktions- und Personalhygiene am Feststand, Verwendung von Wasser mit Trinkwasserqualität, Spül- und Handwaschmöglichkeit. Jetzt hatten sich gerade kleinere Vereine, die nicht einfach auf im Grunde verpönte Getränkewagen setzen wollen oder können, bereits im vergangenen Jahr Trinkwasserschläuche besorgt (im Internet 25 Meter für etwa 170 Euro).

Ein kaum beachtetes Detail ist der Wasseranschluss, offenbar nach der Vereinsberatung per Handzettel im Rathaus verteilt: In diesem Jahr setzt das THW an den Hydranten Messing-Klauen-Kupplungen – das weit verbreitete System eines bekannten Gartenbedarfslieferanten passt nicht. Wer mittels Adapter arbeitet, bekommt den Hahn abgedreht. Neben Schläuchen und Kupplungen müssen auch Dichtungen der Trinkwassernorm genügen. Für schwarze Gummiringe gibt’s sozusagen die rote Karte. Schnell am Samstagnachmittag zum Baumarkt? Tja, nicht jedes Sortiment enthält solch spezielle Teile.

Offenbacher zeigt kein Verständnis

Ein Offenbacher zeigt kein Verständnis: „Dass Gardena-Anschlüsse dermaßen ausgasen, dass Leib und Leben gefährdet ist, geht ins Lächerliche.“ Zumal das an für sich gute Offenbacher Trinkwasser an den meisten Ständen nicht zur Speisenzubereitung, sondern lediglich zum Spülen verwendet wird. Immerhin: Wenig aufwendig ist es, für den Abwasch von Geschirr und Gläsern das notwendige Nass zu erhitzen. Da tut’s der heimische Wasserkocher. Eine Lösung, aber sicher kein durchgängiges Rezept: Am Stand der Hospizbewegung etwa gibt es nur gute Gespräche und Handzettel...

Das alles wird einfließen in die große Fest-Kritik. Organisator Matthias Müller bemängelt, dass die Musikdarbietungen besser zu koordinieren sind. „Vier Bands im Umkreis von 20 Metern können vom menschlichen Gehör kaum unterschieden werden.“ Ansonsten ist Müller sehr zufrieden mit der Kulturmeile. „Da haben die kleinen Initiativen Sichtbarkeit und Stimme, um auf sich aufmerksam zu machen. Die Kulturmeile entlang des Bernardbaus mausert sich immer mehr zu einem Mittelpunkt. Die vielen Facetten stehen beispielhaft für den besonderen Fest-Charakter.“

Bilder zum Mainuferfest in Offenbach

Mainuferfest in Offenbach

Das Mainuferfest schlage Brücken zwischen Kulturen und Milieus. „Ob Umweltschützer und BMW-Club, Jazzer oder Hip-Hopper, Verein für Deutsche Sprache oder attac – niemand wird ignoriert.“ Es sei wohl einzigartig, dass konservative und liberale Kirchen oder Moscheen nebeneinander für ihre Auffassung von Religion und Toleranz werben. „Ich hätte mir gewünscht“, so Müller, „dass das eine oder andere Fernsehteam, das zu Recht in den vergangenen Wochen über die Entgleisungen einzelner in Offenbach berichtete, auch das Miteinander am Wochenende am Mainufer wiedergegeben hätte.“

Dem stimmt Oberbürgermeister Horst Schneider bei: „In Offenbach hat jeder seinen Platz und leistet seinen Beitrag dazu, dass dieses Zusammenleben gelingt.“

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