Hyperventilier-Potenzial

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Hinten krausköpfiger Elferrat, vorne Glemmer, Glitzer, Halli und Galli: Biebers Katholische Jugend versorgte das Publikum im Pfarrheim bei zwei ausverkauften Sitzungen mit karnevalistischen Schlüsselreizen jeglicher Prägung.

Bieber ‐ Eine Reise nach Afrika ist teuer. Gut, dass es die Katholische Jugend Bieber, kurz: KJB, gibt. Die hob bei ihren beiden ausverkauften Fastnachtssitzungen im Pfarrheim mit der „Air Bieber“ zum Schnäppchenpreis gen Süden ab.  Von David Heisig

Bühnenbild, Elferrat, Bütt: alles irgendwie afrikanisch oder mindestens klischeetreu. „Präsi“ Andreas Heberer - mit Anzug und bunter Narrenkappe modisch aus der Reihe tanzend - führte souverän durchs Jubiläumsprogramm. So jung ist die KJB nämlich gar nicht mehr: 65 Jahre. „Wir machen eigentlich alles selbst. Es ist so, dass die Älteren den Jüngeren helfen“, erzählt KJB-Sprecher Niklas Ritzel. Der Erlös kommt der Jugendarbeit zugute, Gage ist der Applaus. Mit diesem geizen die Gäste nicht. Die Aktiven sind zum Teil von klein auf dabei. Auch der diesjährige Träger des KJB-Großkreuzes, Tobias Kaiser.

Topthema ist stets der Lokalpatriotismus. So musste sich Oberbürgermeister Horst Schneider stellvertretend für alle Offenbacher dann auch das dicke Löwenfell überziehen. Vor allem beim Protokoll. Tobias Grün nahm gekonnt und mit erstaunlicher Reife Geschehnisse des letzten Jahres aufs Korn: Ob Thilo Sarrazin („Khedira, Özil und Aogo wurde Bronze verliehen – das ist Integration!“) oder Dr. zu Guttenberg. Zur Lokalpolitik warf Grün einen Blick auf die Kommunalwahl. Da musste Schneider sich anhören, was er wohl alles für den Stimmenfang in Bieber zu tun bereit sei: „Weil er keinen Kumpel aus dem Bergwerk retten kann, ist nun halt der Ostendplatz dran.“

„Buddies“ versprühen jugendliches Testosteron

Solche Treffer brachten Bewegung in den Saal. Ebenso wie die jüngste Tanzgruppe des Abends - „Kopfkino“. Die Mädels nahmen mit auf eine Weltreise, um auf dem „Jupp Zilch Airport“ zu landen.

Die alltäglichen Sorgen eines pubertierenden Teenagers verarbeitete Samira Fries, mit 14 zum ersten Mal in der Bütt. Für die erste Rakete des Abends sorgten die „Buddies“, die in bester Boyband-Manier jugendliches Testosteron und „Hyperventilier-Potenzial“ versprühten.

Samira Fries.

Die Safes der Bieberer Prominenz suchte Lorenz Färber als Räuber heim. Ernst Gessers „Anwaltsvilla“ wurde da genauso heimgesucht wie das Haus von CDU-Urgestein Christel Reichenbach. Mit Klischees spielte der „Schade-Sketch“ im Bieberer Einkaufsladen. Gekonnte Nachahmung von Prominenten und charmantes Spiel halfen durchs Tal flacher Witze. Das rundeten die „Quietscheentchen“ im Anschluss mit akrobatischer Tanzleistung ab.
Lokalpolitisch wurde es dann noch mal im „Musical“, dessen Geschichte dem „König der Löwen“ entlehnt ist. Da will die böse Poku zusammen mit „O-K-V“ die Bieberer Fastnacht übernehmen, weil es in Offenbach „keinen einzigen Lacher“ mehr gibt.

Dem Motto „Was sich liebt, das neckt sich“ blieben Robin Mosch und Stephan Seeger als „Ulf und Klaus“ in ihrem Zweigespräch treu. Auch hier blitzte justitiabler Lokalpatriotismus auf, als der OB als „Kastanienmörder vom Wilhelmsplatz“ betitelt wurde.

Für Lacher sorgten auch Robin Masch, Michael Mangold, Can Ölmez, Christopher Lang, Alexander Kopp und Frederik Eyrich als Männerballett in Affenkostümen.

„Bieber sucht heut seinen Held“

Zwei Pärchen – eins aus Bieber, das andere aus Offenbach – gingen mit „Air Bieber“ auf einen Flug nach Südafrika, wobei Melissa Kämmerer und Manuel May das Bieberer Pärchen mit einiger Selbstironie darstellten. Kontrastprogramm hierzu: das schicke Paar aus Offenbach, gespielt von Nina Dietermann und Jan Horbach. Da tanzte das Publikum vor Freude, und die „African Ladies“ auf der Bühne natürlich auch.

Als alte Jungfern Heidi und Gudrun amüsierten Sascha May und Sebastian Kurt zum Abschluss der Büttenreden. Traditionelles Ende von allem aber ist erst der Auftritt der Formation „Bembel 5“. Mit fetzigen Songs wie „Bieber sucht heut seinen Held“ oder „Bieb´rer Fassenacht“ heizte sie dem Publikum ein, bevor ein weiteres Ritual anstand: Das kollektive Schwenken gelb-grüner Bieberer Nationalfähnchen unter ergriffenem Absingen der Bekenntnisse zur Bieberer Heimat.

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