Deutschland-Zentrale verlagert

Autohersteller Hyundai baut und schweigt

Offenbach - Seit langem brodelt die Gerüchteküche. Dass Hyundai seinen Standort am Kaiserlei ausbauen will, ist bekannt. Nun bestätigt der Konzern Medienberichte, wonach die Deutschland-Zentrale nach Offenbach kommen soll. Von Fabian El Cheikh

Darüber hinaus hüllt sich das Unternehmen weiter in Schweigen.

Mit der Verlagerung der Deutschland-Zentrale zum Oktober 2013 gibt der südkoreanische Autohersteller seinen bisherigen Standort Neckarsulm weitgehend auf. Nur Fuhrpark und Schulungszentrum verbleiben in Baden-Württemberg. Jobs sollen aber nicht wegfallen. Die rund 100 Beschäftigten sollen, so heißt es, mit an den Main umziehen. Hier hat der Autobauer bereits seit 2006 seine Europa-Zentrale, vertreiben 80 Mitarbeiter die Marke für den Kontinent.

Für Offenbach bedeutet das nicht nur einen Imagegewinn und möglicherweise mehr Gewerbesteuer. Auch neue Arbeitsplätze sollen am Kaiserlei entstehen. Marketing, Vertrieb, Personalabteilung und Garantieabwicklung – alle wichtigen Abteilungen werden in der neuen Zentrale angesiedelt, die Trennung von Deutschland- und Europavertrieb jedoch aufrecht erhalten. Will heißen: Statt auf Personalabbau durch Synergieeffekte setzt Hyundai nicht nur beim Umsatz auf Wachstum, sondern auch bei der Zahl seiner Beschäftigten. „Wir suchen zusätzliches Personal“, bestätigte eine Unternehmenssprecherin unserer Zeitung.

Viele Details bleiben offen

Darüber hinaus bleiben viele Details offen. Wie viel man in Offenbach investiert, wie angebaut wird und welche strategischen Ziele mit der räumlichen Zusammenführung von Hyundai Motor Europe und Hyundai Motor Deutschland verfolgt werden – dazu wollen die Südkoreaner auch nach mehrfachen Anfragen öffentlich nicht Stellung nehmen. Offenbar hat das von Fachleuten und Medien geäußerte Interesse an der Entwicklung des Unternehmens selbiges nun aber dazu bewegt, seine Verschwiegenheitspolitik zu überdenken: Für Mitte Juli, ein genauer Termin steht noch nicht fest, ist ein Pressetermin angekündigt, an dem alle offenen Fragen beantwortet werden sollen. Erste vorbereitende Baumaßnahmen haben indes am Kaiserlei schon begonnen, wie der Bauzaun um das Hyundai-Gelände erahnen lässt, der dort seit einigen Wochen steht.

Der Autobauer ist seit 1991 in Deutschland vertreten und hat seither seine Marktanteile stetig ausgebaut. Allein seit Anfang dieses Jahres hat Hyundai 14 Prozent mehr Autos verkauft als im Vorjahr. Der Absatz lag in den ersten fünf Monaten bei 43 000 Fahrzeugen, der Marktanteil stieg von 2,7 auf 3,2 Prozent. Nach eigenen Angaben ist Hyundai der fünftgrößte Automobilhersteller der Welt. In Europa ist die Marke allerdings vergleichsweise gering vertreten. Mit einer Modell- und Qualitätsoffensive hat der Hersteller seinen Konkurrenten jedoch den Kampf angesagt. Entwickelt werden die Autos für den europäischen Markt ganz in der Nähe, in Rüsselsheim. Dort, wo auch Opel und Kia ihre neue Modelle kreieren.

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