„Ich bin nicht schuld an seiner Notlage“

Offenbach - Im Streit zwischen dem neuen Eigentümer eines Hauses in Bürgel und einer Mieterin haben sich die Fronten weiter verhärtet. Von Fabian El Cheikh

Die Mieterin, eine Rechtsanwältin, weist vehement die Darstellung von Eigentümer Alexander Kurz zurück, er sei in der Angelegenheit das Opfer: „Er selbst hat sich und seine Familie in diese Notlage gebracht“, sagt sie.

So habe kurz nach Übernahme des Anwesens die freistehenden Wohnungen sofort entkernt, Wände herausgerissen, alle Bäder und Toiletten sowie Leitungen entfernt. „Die Familie hätte in die bewohnbare, wenn auch veraltete, Erdgeschosswohnung ziehen können - hier waren alle Anschlüsse vorhanden“, gibt sie sich überzeugt. Das Ehepaar habe sich stattdessen dazu entschlossen, alle Installationen herauszureißen.

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Nicht Herr im eigenen Haus

Wie berichtet, lebt der aus Bad Vilbel zugezogene Alexander Kurz mit seiner schwangeren Ehefrau und einer 14 Monate alten Tochter derzeit ohne Wasser und Heizung in einer kleinen Zweizimmerwohnung im Erdgeschoss. Eine größere, leerstehende Wohnung im zweiten Obergeschoss kann er nicht nutzen, da Zuleitungen fehlen, um sie an die Grundversorgung anzuschließen. Diese Leitungen müssten, so der Eigentümer, zum Teil durch die Wohnung der Mieterin gelegt werden.

Nicht an Ruhezeiten gehalten

Nach diversen Auseinandersetzungen, als deren Auslöser sie ihren Vermieter sieht, will die Mieterin jetzt jedoch erst Arbeiten in ihrer Wohnung ausführen lassen, wenn diese drei Monate im Voraus angekündigt wurden.

„Ich sperre mich nicht gegen eine Modernisierung, aber ich bestehe auf diese gesetzlichen Fristen, da ich das Verhalten meines neuen Vermieters für absolut rücksichtslos halte“, betont die Mieterin. Erst sein Auftreten ihr gegenüber habe sie dazu gebracht, nun so entschieden auf ihrem Recht zu beharren.

So habe sich Kurz weder an Ruhezeiten unter der Woche noch am Wochenende oder am Feiertag gehalten. „Auf meinen Hinweis, dass im Mietvertrag Ruhezeiten vereinbart sind, bekam ich nur die Antwort, dass diese nicht gelten würden“, sagt sie.

Bei den Umbaumaßnahmen habe er ordentlich Lärm gemacht und mehrfach ohne vorherige Ankündigung den Strom und das Wasser abgestellt. Im Treppenhaus sei der Weg „tagelang nur zu ertasten“ gewesen und die Klingel habe nicht funktioniert. „Außerdem kam das Wasser rostrot aus dem Hahn und lief, da nicht angekündigt, auch so in die Waschmaschine.“ Den Müll der Bauarbeiten wiederum habe der Vermieter im einzigen Zugang des Hauses meterhoch gestapelt, sodass nur ein schmaler Pfad frei geblieben sei, um das Haus zu betreten oder zu verlassen.

Vermieter selber Schuld

Nachdem sich Kurz mehrfach nicht an das geltende Gesetz gehalten habe, so die Mieterin, habe sie sich nicht mehr anders zu helfen gewusst, als gegen das Verhalten des Vermieters gerichtlich vorzugehen.

Ergebnis: Der Amtsrichter hat dem Ehepaar Kurz auferlegt, alle Arbeiten mindestens 24 Stunden vorher schriftlich anzukündigen und sich an die Ruhezeiten zu halten, damit sich die Mieterin darauf einstellen kann.

Auslöser des Streits waren aber offenbar nicht erst die als rücksichtslos empfundenen Arbeiten. Es geht auch um eine Eigenbedarfskündigung. Die hat Eigentümer Kurz nicht erst, wie von ihm dargestellt, als Konsequenz aus den Auseinandersetzungen ausgesprochen. Sie ging vielmehr bereits schriftlich Ende Juni, nur wenige Wochen, nachdem er die Immobilie gekauft hatte, bei der Anwältin ein.

„Die Familie wollte von Anfang an in meine Wohnung“, sagt die Juristin. „Sie hat für ihre eigene Wohnung schon Anfang Juli einen Nachmieter zum 1. August oder früher gesucht.“ Dass die Kurzens in einer Baustelle lebten, sei daher nicht ihre Schuld, sondern selbst verursacht.

Rubriklistenbild: © Ranier Sturm/pixelio.de

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