„Ich werde die Freiheit von Terminen genießen“

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Eva Dude

Nach zwölf Jahren an der Spitze der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach geht Hauptgeschäftsführerin Eva Dude (65) in den Ruhestand. Der Stadt will sie aber treu bleiben, wie die in Duisburg geborene Volkswirtin unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn im Interview verriet.

Die Chefposten bei den Industrie- und Handelskammern sind nach wie vor meist mit Männern besetzt. Wird man als Frau ernstgenommen?

Das glaube ich schon. Wenn man gute Argumente hat, wird man nicht überhört. Die muss man allerdings deutlicher äußern, als es bei Männern der Fall ist.

Gibt es überhaupt Frauen als Hauptgeschäftsführerinnen bei den IHK?

Als ich angefangen habe, waren es drei. Auch jetzt sind es nicht viele. Es ist immer noch eine Rarität. Schließlich gibt es 80 Industrie- und Handelskammern in Deutschland.

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Der Anspruch an die Qualität ist hoch

Es ist für Frauen immer noch schwierig, sich in Chefposten durchzusetzen.

Ich glaube schon. Es geht aber nicht nur um das Durchsetzen. Früher waren Frauen im mittleren Management ganz selten vertreten. Heute sind es etwas mehr. Man kann eine Position als Hauptgeschäftsführerin aber nicht wahrnehmen, wenn man vorher keine Führungserfahrung hatte. Wir sind in der IHK Offenbach etwa 70 eigenwillige Köpfe. Wenn ich die nicht motivieren kann, gehe ich unter.

Wie haben Sie sich in Offenbach durchgesetzt?

Gut in der Sache sein. Und deutlich werden.

Brauchen wir in Stadt und Kreis mehr Frauen in Führungspositionen?

Ich fand die Zusammenarbeit beispielsweise mit Frau Simon als Bürgermeisterin und mit Frau Diehl von der Messe gut. Die eine ist weg, die andere geht in den Ruhestand. Da gibt es also wieder Bedarf. Das bringt einen anderen Ton in die Zusammenarbeit.

Was machen Frauen anders als Männer?

Frauen sind nachhaltiger als Männer. Wenn sie von einer Sache überzeugt sind, bleiben sie dran. Ich bin auch der Meinung, dass Frauen es sich nicht leisten können, nicht gut vorbereitet zu sein. Deshalb haben sie die Sachargumente parat und sind stärker.

In Berlin wird häufig eine Frauenquote für Firmen gefordert. Der richtige Weg?

Ich bin nicht davon überzeugt. Niemand tut sich einen Gefallen, wenn nicht qualifizierte Frauen in Führungspositionen kommen. Andererseits werden Frauen auch schnell mal übersehen.

„Es gibt einen positiven Geist, Menschen anzunehmen“

Was sagen sie Frauen, die hoch wollen?

Mut haben. Und den Anspruch stellen. Männer machen das auch. Frauen viel zu spät. Gute Leistung muss durch Karrierschritte honoriert werden.

Sie stammen nicht aus Offenbach. Was haben Sie an der Stadt zu schätzen gelernt?

Offenbach ist gut vernetzt. Hier arbeitet man mit Unternehmen und der Stadtverwaltung gut zusammen. Ich finde die Offenheit gut, das gilt für ganz Hessen. Es gibt einen positiven Geist, Menschen anzunehmen. Man lässt auch andere Kulturen gelten.

Was ist der größte Erfolg Ihrer Amtszeit?

Die Kammer ist inzwischen bei den Unternehmen und Politikern sehr präsent. Wir haben eine gute Kundenorientierung. Es fehlt aber oft noch die positive Darstellung der Stadt. Die Politik sollte nicht nur jammern. Die Stadt braucht ein eigenes Profil. Offenbach ist bunt, nicht so glatt wie Frankfurt. Die Vorteile Offenbachs müssen besser dargestellt werden.

Das heißt konkret?

Die Lage im Herzen des Rhein-Main-Gebiets. Die Verkehrsanbindung sowie Nähe zu Frankfurt und Darmstadt sind wichtig. Offenbach hat mit kreativ- und dienstleistungsorientierten Firmen eine Chance. Die Ansiedlung von Industrie ist schwierig. Es gibt aber viele Brachflächen in Stadt und Kreis. Deshalb sind wir dafür, dass ein Konzept erarbeitet wird, in dem klar wird, welche Flächen für Industrie und welche fürs Wohnen nutzbar sind.

Wo hapert’s in der Verwaltung?

Die Genehmigungsverfahren dauern zu lange. Wir brauchen ein wirtschaftsfreundlicheres Umfeld.

Wie sieht Ihr Ruhestand aus?

Ich werde die Freiheit von Terminen genießen. Schließlich habe ich viele Abendveranstaltungen. Deshalb kommen andere Interessen zu kurz. Und ich bin in der Tagesmütterzentrale in Neu-Isenburg engagiert.

Sie bleiben Offenbach treu?

Ja. Sehr gerne.

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