HfG-Diplomanden zeigen ihre Werke

Ideen auch für den Alltag

Unter anderem starren und beweglichen Andock-Modulen widmete sich Hellen Caroline Nagl.

Offenbach - Eine sehr kleine Diplompräsentation des Fachbereichs Produktgestaltung bekamen Besucher der Hochschule für Gestaltung am Mittwochabend geboten. Nur fünf Diplomanden standen auf der Einladung, von denen eine Studentin gar noch verhindert war. Von Claus Wolfschlag

Vielleicht auch deshalb hatte man sich entschieden, der Diplomverleihung eine Präsentation der aktuellen Vordiplomanden voranzustellen und das Foyer zudem schon vor der Veranstaltung mit lauter DJ-Musik zu beschallen.

In der Aula passten die vier gezeigten Arbeiten dann locker an die Wand hinter dem Rednerpult. Hellen Caroline Nagl, in ein dunkles Cocktailkleid gehüllt, stellte gleich zwei Produkte ihres Schaffens der Öffentlichkeit vor. In der technischen Arbeit „jellyte“ hatte sie sich theoretisch mit starren und beweglichen Andock-Modulen beschäftigt. In dem Projekt „iccobe“ indes entwickelte sie in Kooperation mit der Firma Siemens ein Kühlmodul als variabel nutzbares Edel-Möbelstück. Die Tür dieses modernen Kühlschranks soll, ähnlich bestimmten heutigen Speiseautomaten, transparent gearbeitet werden. Die Böden werden aus Glas und Keramik hergestellt. „Ich habe mich vom Archetypen-Kühlschrank wegbewegt“, erklärte sie. „Küche und Wohnbereich sollen eins werden.“ Dem dient auch ein ausgeklügeltes Stecksystem, mit dem man das Modul erweitern oder es an die Decke hängen kann. An allen Seiten befinden sich zudem vorgearbeitete Andockstellen für Kühlschläuche.

Nicht bekannt gegeben wurde, ob Nagls schickes Kleid von Julia Aster gefertigt worden war. Denn Aster bekennt sich freimütig zu ihrem Hobby des Schneiderns. Doch dieses Hobby bringt auch manche Qual mit sich. „Durch Rückenschmerzen wurde mir der Spaß oft vermiest“, sagte Aster. Deshalb entwickelte sie ganz eigennützig die elektrische Handnähmaschine „mon?a“ mit an den Arbeitstisch geklammerter Ladestation.

Nicht Rückenschmerzen, aber solche des Beins, bewegten Patrice Köbel zur Entwicklung einer feingliedrigen Orthese. Eine Freundin hatte beim Skateboarden einen Sportunfall, weshalb Köbel sofort an seinen Schreibtisch eilte und für sie eine flexible orthopädische Knieschiene entwickelte. „Die Schiene ist verstellbar. Sie ist somit Stütze und Trainingsobjekt in einem“, erläuterte er.

Schmerzen hatte wiederum Isabell Anhalt keine aufzuweisen. Dafür eine aufregende Stipendiumszeit in Brasilien. In Rio war sie mit Straßenhändlern in Kontakt gekommen, so dass in ihr die Idee zu einem kleinen Entwicklungshilfe-Projekt reifte. Ihre Arbeit „Stand der Dinge“ umfasst zwei mobile und zusammenklappbare Verkaufsstände. Die Gefährte mit Stautasche wirken wie eine Kombination aus Trolli und Bügelbrett. „Es ist ein sicherer, einfacher Bausatz mit offener Nutzung“, bekannte Unger. Und sie verriet im Geheimen, dass der Mini-Stand auch praktisch in Offenbach einsetzbar wäre. Da ihre Verkaufsstände nämlich weniger als einen Quadratmeter Fläche einnehmen, könnte man sich damit auf den hiesigen Flohmarkt am Mainufer stellen, ohne eine Standgebühr zahlen zu müssen. Der Stadtkasse droht also Ungemach. . .

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