Forum Aktive Innenstadt

Ideen bündeln und mitplanen

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Auch die Umgestaltung des Stadthofs – hier ein Blick vom alten IHK-Gebäude – gehört zum Konzept „Aktive Innenstadt“.

Offenbach - Beim inzwischen 8. Forum „Aktive Innenstadt“ informierten Experten über die aktuellen Stände von Projekten, die das Offenbacher Zentrum attraktiver machen sollen. Zudem wurden im Rathaus Ideen aus der Bevölkerung gesammelt. Von Harald H. Richter

Licht und Schatten liegen dicht beieinander: Einerseits nimmt das Besucheraufkommen der Innenstadt weiter zu. Auf der anderen Seite bleibt der Ladenleerstand ein Problem. Projektleiterin Marion Rüber-Steins vom Amt für Stadtplanung und Baumanagement zeigt, dass auch nach der jüngsten Zählung 2012 die Frankfurter Straße in der Fußgängerzone die höchste Passantenfrequenz aufweist, mit dem Kundenmagneten KOMM und der Umgestaltung von Kleiner und Großer Marktstraße diese aber deutlich an Aufkommen gewonnen haben. Die Besucherzahlen haben innerhalb von vier Jahren um mehr als 22 Prozent zugelegt und sich auf insgesamt 465 216 Passanten erhöht.

Nach 19 Uhr nehmen die Publikumszahlen stark ab. Als Maßnahmen zur Belebung sollen Wohnen und Gastronomie intensiviert werden, ein Angebot an Kulturveranstaltungen greifen.

Akzente setzen, Wirkung zeigen und Aufmerksamkeit wecken

Kummer bereitet nach wie vor der Leerstand von Ladenlokalen. Mit den Hauseigentümern wird an Möglichkeiten einer Zwischennutzung gearbeitet. Trotzdem bleibt der unschöne Anblick von durchschnittlich 20 bis 25 ungenutzten Geschäftsflächen. Wo es möglich ist, soll zumindest durch Schaufensterbeklebung optische Kosmetik bewirkt werden.

Akzente setzen, Wirkung zeigen und Aufmerksamkeit wecken – das gelingt in zunehmendem Maße dem BID-Projekt Karree Offenbach, so dessen Sprecher Peter Bauer. An den Zugängen zum Innenstadtquartier wurden im vergangenen Jahr die ersten vier Pflanzkübel aufgestellt. Vor Ostern sollen weitere acht hinzukommen und für ein gefälliges Entree sorgen.

Zahlreiche Fassaden sind mittlerweile von Graffiti befreit worden. Auch künftig möchte man solche Schandflecke aus dem Stadtbild tilgen. Das Element Lichtgestaltung dürfte im Frühjahr bei zwei Gebäuden an der Frankfurter Straße eine große Rolle spielen, kündigt Bauer an. „Wir sind darüber in sehr konkreter Gesprächsphase mit den Eigentümern.“

Ergebnisse aus Studienarbeiten zur Nutzung der Walter-Passage sollen im Frühjahr bei einer Ausstellung im Rathausfoyer präsentiert werden. Außerdem berichtetet Diplomingenieur Georgios Kontos über ein einjähriges Wohnungsumbauprojekt am Friedrichsring, das unter anderem finanziell von der Ikea-Stiftung gefördert wird und dem Ziel dient, eine Mansardenwohnung in einem Zehn-Parteien-Mietshaus so zu modernisieren und herzurichten, dass während der gesamten Phase „alles am und im Objekt vollzogen wird“: Umbau, Architektur-Workshops, Ausstellungen, Vorträge, Diskussionen, Kooperation mit heimischem Handwerk und Nachbarschaft.

Bewegung gibt es beim Gestaltungswettbewerb Bürgerbrunnen

Neue Formen der Begegnung zu finden und Nutzungsvarianten für Gebäude zu entwickeln, um Wohnen, Arbeiten und Erleben unter einem Dach zu vereinen – das sind Ziele, die auch beim Projekt „WohnBüro“ (ehemals IHK-Gebäude) greifen. Für eine einjährige Übergangszeit ist für die Immobilie eine Mischung aus Wohnen, gewerblicher, kultureller und eventuell gastronomischer Nutzung entwickelt worden.

Bewegung gibt es beim Gestaltungswettbewerb Bürgerbrunnen für den Wilhelmsplatz, wo bis Ende Januar Designer, Architekten und Künstler aus Hessen ihre Entwürfe einreichen konnten. In dieser Woche wird das Geheimnis um die Beteiligung gelüftet, kündigt Winfried Männche, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung, an. Einem aus 16 Personen bestehenden Preisgericht, jeweils hälftig besetzt aus Fachleuten und Bürgern, wird die Aufgabe obliegen, anschließend den Siegerentwurf zu bestimmen. Interessierte Einwohner können sich noch für eine Mitwirkung im Gremium bewerben.

Die Forums-Teilnehmer erweisen sich auch selbst als impulsgebend. In Workshops werden Ideen gesammelt, um etwa ein Gestalt-Manual zu entwickeln, das der Fassadenwerbung an den Geschäftshäusern Struktur geben soll und in Korrespondenz zum Lichtmasterplan für die Innenstadt stehen könnte. Auch werden Vorschläge für Themenrundgänge gesammelt, unter anderem, um Kommunikationsorte aufzuspüren, bei denen generationenübergreifend die Menschen zueinander finden. Mit den roten Sesseln auf dem Aliceplatz war 2011 ein Anfang gemacht worden. Ähnliches könnte man sich an anderen Standorten in der City vorstellen.

Sogar das menschlichste aller Bedürfnisse soll einen Themenrundgang wert sein. Hat man sich doch mit der Frage „Wohin gehen, wenn man mal muss?“ noch nicht richtig beschäftigt. Auch diese Frage hat irgendwie mit Aufenthaltsqualität zu tun.

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