Ideen für Stadtraum ohne Grenzen

Wie Offenbach und Frankfurt kooperieren

+
Ein Blick auf den Kaiserlei und Frankfurt.

Offenbach - Ein gemeinsames Tarifgebiet im RMV, eine S-Bahn-Linie, die über den Offenbacher Hauptbahnhof in den Frankfurter Süden führt und ein Sieben-Kräuter-Park am Kaiserlei: Diese Vorschläge haben Experten des Urban Land Institute (ULI) den Städten Offenbach und Frankfurt zur Stärkung ihrer regionalen Zusammenarbeit unterbreitet. Von Christian Riethmüller

Manchmal braucht es den Anstoß von außen, um auf die Lösung lokaler Probleme zu kommen. Das haben sich die Städte Offenbach und Frankfurt gedacht, die zwar allen Unkenrufen zum Trotz seit etlichen Jahren mehr oder minder gedeihlich zusammenarbeiten, aber in ihrer Kooperation „die nächste Entwicklungsstufe“ anstreben, wie Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) sagt. Das Angebot des Urban Land Institute (ULI), einer in 95 Ländern der Welt vertretenen und auf die nachhaltige Entwicklung und Gestaltung von Städten spezialisierte Non-Profit-Organsiation, war daher gerade recht gekommen, in Frankfurt den Besuch eines Expertengremiums organisieren zu wollen. In einem solchen Gremium arbeiten internationale Experten aus Stadt- und Regionalplanung sowie der Immobilienwirtschaft mehrere Tage zusammen, um Strategien für ihre Gaststadt zu entwickeln. Olaf Cunitz (Grüne), Planungsdezernent und Bürgermeister von Frankfurt, hatte gleich die Idee aufgebracht, dieses Gremium nicht nur über Frankfurt, sondern auch über Offenbach und da besonders über die Gebiete an der gemeinsamen Grenze nachdenken zu lassen.

Seit vergangenen Sonntag beschäftigten sich die Experten also mit den Entwicklungsmöglichkeiten beider Städte und befragten dafür auch stellvertretend 80 Offenbacher und Frankfurter aus allen möglichen Bereichen zu ihren Einschätzungen von Stärken und Schwächen, Nöten und Chancen „eines Stadtraums ohne Grenzen“. Erste Ideen für einen gemeinsamen Stadtentwicklungsprozess wurden gestern im Rathaus Offenbach präsentiert.

Verkehrschaos am Kaiserlei (Archiv)

Verkehrschaos am Kaiserlei

So könnten die beiden Städte eine gemeinsame Entwicklungsgesellschaft gründen, die sich etwa um die künftige Struktur des Kaiserlei kümmert, wo beispielsweise ein Kreativviertel samt Hochschul- oder Forschungsansiedlung sowie unter Einbindung Oberrads eine urbane Parklandschaft, der „Sieben-Kräuter-Park“, möglich wäre.

Außerdem regten die Experten einen einheitlichen Tarifbereich im RMV für beide Städte an, der nach Angaben Horst Schneiders den Verkehrsverbund allerdings „einige Hunderttausend Euro“ Einnahmen kosten würde. Den öffentlichen Nahverkehr betraf auch ein bestechend naheliegender Vorschlag: Die S-Bahn-Linie 8 oder die S-Bahn-Linie 9 fährt fortan nicht mehr über die Station Marktplatz in Offenbach und durch den S-Bahn-Tunnel in Frankfurt, sondern über die Bahntrasse zum Offenbacher Hauptbahnhof und von dort über den Frankfurter Süden Richtung Flughafen, an den dann beide Städte besser angebunden wären. Ohne Mehrkosten.

Mehr zum Thema

Kommentare