Imagewandel in Region angemahnt

Offenbach - Die Wirtschaft im Kreis ist zwischen 2000 und 2009 gewachsen, in der Stadt stagniert sie praktisch - das ist ein wesentliches Ergebnis der Studie „Zukunftsperspektiven für die Region Offenbach“. Von Marc Kuhn

Wenn nicht gegengesteuert werde, gehe die Wachstumsschere weiter auseinander, sagte Bernhard Mohr, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach, die die Untersuchung in Auftrag gegeben hatte. Die Studie, in der auch über eine hohe Arbeitslosigkeit in der Stadt Offenbach geklagt wird, sei ein Appell an die politisch Handelnden, erklärte IHK-Präsident Alfred Clouth.

Mohr sprach von Standortvor- und nachteilen in der Region Offenbach. Zu den Risiken zählen nach seinen Worten der hohe Anteil von Menschen ohne abgeschlossene Schul- oder Berufsbildung und eine „problematische Sozialstruktur“. Mohr klagte auch über eine hohe Verkehrsbelastung, ein fehlendes ganzheitliches Flächenmanagement sowie das schlechte Image der Stadt und ein fehlendes Image des Kreises. Zu den Stärken von Stadt und Kreis gehören nach Einschätzung von Mohr unter anderem das Flächenangebot für gewerbliche Nutzungen, der hohe Anteil junger Menschen sowie die Nähe zu zahlreichen Hochschulen und Forschungsinstituten. „Im Bereich der High-Tech-Gründungen gehört der IHK-Bezirk zu den Spitzenreitern in Deutschland.“

Standortmarketing muss verbessert werden

Um eine weitere negative Entwicklung in der Region zu verhindern, forderte Clouth ein gemeinsames Vorgehen von Stadt, Kreis und den dazu gehörenden Kommunen. Das Standortmarketing müsse erheblich verbessert werden. „Der Landkreis hat gar kein Image, die Stadt Offenbach ein schlechtes.“ Der IHK-Präsident mahnte eine Kampagne an, um dies zu ändern. „Wir sind ein Vertriebsstandort, wir sind ein Kreativstandort und wir sind vor allem ein hervorragender Standort für sogenannte wissensintensive Unternehmen. Aber keiner weiß es.“ Die Eigenständigkeit der Region Offenbach in der Metropolregion Frankfurt/Rhein/Main müsse gestärkt werden.

Zudem verlangte Clouth eine Reform der Wirtschaftsförderung. Sie „muss als Gesamtaufgabe einer Kommune begriffen werden“. Der IHK-Präsident machte sich darüber hinaus dafür stark, dass die Kommunen ein strategisch ausgerichtetes Konzept zur Wirtschaftsförderung und ein „professionelles Flächenmanagement“ entwickeln. Und: „Bei aller verständlichen Konkurrenz untereinander müssen die Wirtschaftsförderungen der Kommunen auch mehr zusammenarbeiten.“

Masterplan Stadtentwicklung verlangt

Zudem verlangte Clouth: „Die Stadtentwicklung muss vorangebracht werden, vor allem in der Stadt Offenbach. Aber nicht planlos und stückweise, sondern wir brauchen einen ,Masterplan Stadtentwicklung’.“

Zufrieden zeigte sich Clouth mit der Entwicklung der IHK-Mitgliederzahl im vergangenen Jahr. Sie sei um drei Prozent auf 41 852 gewachsen. In der Stadt Offenbach habe es eine Zunahme gegenüber 2010 um 6,9 Prozent auf 10 635 Unternehmen geben. „Damit weist die Stadt auch in der Langfristbetrachtung seit 2000 mit einem Plus von 56,7 Prozent die höchste prozentuale Zunahme und mit einem jährlichen Zuwachs von 4,6 Prozent die dynamischste durchschnittliche Wachstumsrate auf.“ Auch im Kreis hätten fast alle Gemeinden zugelegt. „Diese für die Stadt Offenbach positive Nachricht muss allerdings relativiert werden“, sagte Clouth. Bei der Entwicklung der Anzahl der Handelsregister-Firmen seit 2000 erreiche die Stadt Offenbach beim Zuwachs mit 9,6 Prozent nicht einmal den IHK-Durchschnitt von 11,3 Prozent. Wachstumszentren seien Mainhausen mit 20 und Dreieich mit 21,5 sowie die Stadt Seligenstadt mit 44,1 Prozent.

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