IHK: Potenziale der Region ausschöpfen

Offenbach - Der Standort Offenbach ist für Firmen attraktiv, meint die IHK. Dennoch liegen Potenziale brach, mahnt sie aber. Von Marc Kuhn 

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach will verstärkt die Schwächen des Standorts bekämpfen. Die Region biete gute bis sehr gute Bedingungen für Unternehmen, sagte IHK-Präsident Alfred Clouth gestern in Offenbach. „Diese Potenziale müssen noch besser genutzt werden. Die Wahrnehmbarkeit der Region Offenbach gilt es zu steigern und innerhalb der Metropolregion als Standort zu profilieren.“ Deshalb will die Kammer ihre Arbeit im nächsten Jahr unter das Motto „Starker Standort Region Offenbach“ stellen. Die IHK hat ihre Mitglieder befragt. Einige Ergebnisse der Erhebung stellte sie gestern vor. Weitere sollen im Frühjahr veröffentlicht werden. Drei Bereiche sind den Unternehmern nach Angaben von Clouth wichtig: bezahlbare Breitbandversorgung, die Verkehrsinfrastruktur und Gewerbesteuern.

Die Gewerbesteuerbelastung sei gerade für Kapitalgesellschaften ein Thema, erklärte der IHK-Präsident. „Wir lehnen die Konsolidierung der kommunalen Haushalte über die Anhebung der Steuersätze ab, weil sie langfristig die wirtschaftliche Basis der Kommunen aushöhlt.“ Steuererhöhungen könnten vermieden werden, indem „Potenziale an Gewerbeflächen optimal genutzt werden“.

Als Beispiele nannte IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner die angedachte Multifunktionshalle am Kaiserlei und das ehemalige Siemens/KWU-Gebäude. Weinbrenner machte eine Modellrechnung auf. 2013 hätten in Offenbach gut 44.000 Beschäftigte Gewerbesteuereinnahmen von etwa 62,5 Millionen Euro erwirtschaftet - 1 000 Mitarbeiter rund 1,4 Millionen Euro. Jeder habe im Schnitt einen Flächenbedarf von 25 Quadratmetern. Würde statt der Halle ein dreigeschossiges Bürogebäude gebaut, könnte eine Fläche von 25.000 Quadratmetern entstehen, berichtete Weinbrenner. Dort könnten 1000 Menschen arbeiten, die dann - folgt man der Logik des Zahlenwerks - 1,4 Millionen Euro an Gewerbesteuern erzielen. Würden im Siemens/KWU-Gebäude 2 500 Personen arbeiten, ergebe dies etwa 3,5 Millionen Euro Steuern. Unter dem Strich würde die gewerbliche Nutzung der beiden Areale nach den Worten von Weinbrenner fast fünf Millionen Euro an Gewerbesteuern erbringen.

Clouth erläuterte weiter: „Der Standortfaktor mit der mit Abstand allerhöchsten Bedeutung für die Unternehmen in Stadt und Kreis ist die bezahlbare Breitbandversorgung.“ Bei der Umfrage hätten sich nur 60 Prozent der Firmen zufrieden damit gezeigt, 40 Prozent seien es nicht. Die Stadt schneide deutlich besser ab als der Kreis. Probleme gebe es besonders im Ostkreis, sagte Weinbrenner. Er sprach aber auch von weißen Flecken im Westkreis. „Unternehmen geraten unter Druck, weil ihnen ein Breitbandanschluss fehlt, um große Datenmengen zu versenden“, sagte Clouth.

Zudem hätten die Unternehmen bei der Erhebung auch die Anbindung der Gewerbegebiete innerhalb der Kommunen kritisiert. Vor allem hätten sie über den Zustand der Straßen, mangelhafte Parkplatzsituationen und Staus geklagt. Die Straßen könnten unter anderem mit dem öffentlichen Personennahverkehr entlastet werden. Deshalb mahnte Clouth erneut die Realisierung der Reginaltangente West an, die von Dreieich und Neu-Isenburg über den Flughafen bis nach Bad Homburg führen soll. „Nun gilt es, unser Ansinnen nach Berlin zu tragen, damit die nötigen Mittel bereitgestellt werden“, erklärte der IHK-Präsident.

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