Keine Frühlingsgefühle in Region

Offenbach - Die Wirtschaft im Bezirk der Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach tritt auf der Stelle. Mit einem geringfügigen Plus von 0,6 Punkten steigt der IHK-Konjunkturklimaindex zum fünften Mal in Folge auf 126,1 Punkte, wie die Kammer gestern mitteilte.

„Statt Frühlingsgefühle zu haben, pausiert die Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach zur Mitte des Jahres“, erklärte IHK-Hauptgeschäftsführer Markus Weinbrenner. „Gerade erst schienen sich die anhaltenden Unsicherheiten bezüglich der Euro-Krise zu lösen und die Nachbarstaaten und wichtigen Handelspartner aus der langwierigen Rezession zu befreien.“ Offenbar würden jetzt die Krise in der Ukraine und mögliche Einschränkungen des Handels mit Russland den Aufschwung überschatten.

Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage bleibe nahezu konstant, berichtete die IHK. 45 Prozent schätzten die eigene Lage als gut, 44 Prozent als befriedigend ein. Demgegenüber stünden elf Prozent der Befragten, die über schlecht laufende Geschäfte klagen. Der Indikator der Geschäftserwartung verbessere sich geringfügig und erreiche den höchsten Stand der vergangenen drei Jahre. Nur zehn Prozent der Unternehmen würden von einer Verschlechterung ausgehen.

In der Region soll weiterhin Beschäftigung aufgebaut werden, doch in geringerem Maße als zum Jahresanfang, wie die IHK erklärte. 14 Prozent der Betriebe wollten die Mitarbeiterzahl erhöhen, jedes zehnte Unternehmen würde Personal abbauen. „Noch zu Beginn des Jahres schien die Zurückhaltung bei den Investitionen vorbei“, so die Kammer. Doch: „Die Hoffnung, dass sich der Investitionsstau gelöst hat, bewahrheitet sich nicht.“ Jede fünfte Firma wolle ihr Budget zurückfahren. Demgegenüber stünden ebenso viele Unternehmen, die expansive Investitionspläne hätten, „so dass insgesamt in den kommenden Monaten keine Dynamik mehr zu erwarten ist“.

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

Die Köpfe der Wirtschaft in Stadt und Kreis Offenbach

„Unsere Befragung hat ergeben, dass ein erhöhter Anteil der Unternehmen in der Auslandsnachfrage, den Arbeitskosten und dem Fachkräftemangel ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung des eigenen Unternehmens sieht“, erklärte Weinbrenner. Er kritisierte aber auch die Politik der Großen Koalition. „Die Rente mit 63 ist nicht nur hinsichtlich des voranschreitenden demographischen Wandels ein Schritt in die falsche Richtung. In der Konsequenz wird sie die Fachkräfteproblematik verschärfen. Auch die Einführung des Mindestlohns und geplante Beschränkungen bei der Zeitarbeit kosten den deutschen Arbeitsmarkt Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit und wirken damit einem konjunkturellen Aufschwung entgegen.“ J ku

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare