IHK und Stadt: Sie haben sich wieder lieb

Offenbach - Den Eindruck, sich entzweit zu haben, wollen Stadt und Industrie- und Handelskammer nicht stehenlassen. Nach deutlicher Kammer-Kritik im Zusammenhang mit scheinbar sinkenden Gewerbesteuereinnahmen hat man sich zusammengesetzt und danach wieder lieb. Von Thomas Kirstein

Ausgeräumt worden sein dürften dabei auch Irritationen von Anfang dieses Jahres, als die von der IHK präsentierte „Zukunftsperspektiven für die Region Offenbach“ von der Stadt weitgehend ignoriert wurde.

Das mediale Gewitter der vergangenen Woche bewirkte Bewegung. Oberbürgermeister Horst Schneider lud schnell zum „Strategiegespräch über die künftigen Weichenstellungen für die Offenbacher Wirtschaft“. Es sprachen sich der OB, IHK-Präsident Alfred Clouth, IHK-Hauptgeschäftsführerin Eva Dude und Jürgen Amberger, der Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung. Thema: Wie ist der Strukturwandel der ehemaligen Industriestadt Offenbach hin zu einem Dienstleistungsstandort zu meistern und dabei gleichzeitig die bestehende gewerbliche Wirtschaft zu stärken?

Ein Ergebnis darf besonders die FDP freuen, die noch im Sommer 2011 mit einem entsprechenden Antrag an der Koalition aus SPD, Grünen und Freien Wählern gescheitert war; auch die CDU war bisher in dieser Richtung vergeblich gewesen: „Offenbach braucht einen Masterplan“, heißt es nun eindeutig in einer gemeinsamen Erklärung von Magistrat und IHK. Ziel soll sein, „Leitplanken für Wirtschaft, Wohnen und Umwelt zu setzen und den gemeinsamen Rahmen optimal abzustimmen und zu vernetzen“. Den Plan wollen beide gemeinsam in Angriff nehmen und dafür auch Geld bereitstellen.

Grundlagen sollen die Jahresberichte der Wirtschaftsförderung ebenso sein wie die Studie der IHK. Deren Präsident Alfred Clouth stellt heraus: „Die IHK schöpft ihre Anforderungen an die Stadtentwicklung aus der Wirtschaftspraxis. Bei uns bringen Unternehmer ihre Erfahrungen aus Offenbach und dem Vergleich mit anderen Standorten ein.“

In einem gemeinsamen Workshop wollen die wiedervereinten Partner zunächst Aufgabe sowie Vorgehensweise bei der Erstellung eines Masterplans festlegen. Er ist jährlich fortzuschreiben. In die Ergebnisse der Arbeit sollen Parlament und Bürger eingebunden werden.

„Ein starker Wirtschaftsstandort Offenbach braucht auch ein gutes Wohnungsangebot für die Mittelschicht“, betont OB Schneider eines seiner Lieblingsthemen. Die Stadt habe ein kleines Stadtgebiet, Wohnen und Arbeiten konkurrierten um die knappen Flächen. Sein Ziel sei, neue Wohngebiete in unmittelbarer Nähe zur S-Bahn auszuweisen.

Vorhandenen Dissens verschweigt man nicht: Die Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohngrundstücke für Wohnen in der Siemensstraße wird von der Industrie- und Handelskammer kritisiert. Einig ist man sich, dass über eine rasche Mobilisierung von Grundstücken auf dem ehemaligen Allessa-Gelände Gewerbeflächen für die wirtschaftliche Entwicklung zur Verfügung gestellt werden müssten. IHK-Hauptgeschäftsführerin Dude betont, die Knappheit an Gewerbeflächen in Offenbach dränge dazu, neue Flächen für potentielle Investoren bereitzuhalten, keinesfalls sei eine Reduzierung hinzunehmen.

Einig sind sich beide über die Wichtigkeit kurzer Genehmigungszeiten für ein positives Wirtschaftsklima. Geschwindigkeit in Verfahren sei ein Markenzeichen der Stadt, heißt es in der Erklärung. Der Magistrat werde daher das Bauaufsichtsamt stärken, um die wachsende Zahl der Bauanträge „unbürokratisch und noch schneller zu bearbeiten“.

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