Eine Strategie für die Wende

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IHK-Geschäftsführer Frank Achenbach (links) im Gespräch mit OP-Redakteur Matthias Dahmer.

Offenbach - Frank Achenbach bemüht einen einprägsamen Vergleich: „Bislang gleicht alles, was unter dem Begriff Stadtentwicklung auf den Weg gebracht wurde, einem großen unfertigen Puzzle“, sagt der IHK-Geschäftsführer. Von Matthias Dahmer

Um das „fehlende Gesamtbild“ hinzubekommen, soll ein Konzept her, dessen allererste Anfänge unter dem Begriff „Masterplan“ fester Bestandteil städtischer Zukunftsmusik sind. Es gilt, so Achenbach, mit diesem Masterplan den „Offenbacher Pragmatismus“ zu begegnen, welcher sich vor dem Hintergrund der finanziellen und sozialen Probleme bislang in dem Credo erschöpfte: „Wir fangen einfach mal an.“ Gelingen soll der große strategische Wurf für die ganze Stadt dadurch, dass erstmal alle ins Boot geholt werden: Politik, Verwaltung, Stadtkonzerne, der Bürger und nicht zuletzt die Industrie- und Handelskammer als Vertreterin der Belange hiesiger Unternehmen.

Auch wenn sich alle als gleichberechtigte Partner fühlen dürfen, der Stadt nicht einfach ein fertiges Konzept präsentiert werden soll: Die IHK, da ist Frank Achenbach durchaus selbstbewusst, versteht sich als Motor des Masterplans. Mit einer wenig schmeichelhaften und im Rathaus säuerlich zur Kenntnis genommenen Zustandsbeschreibung des Standorts Offenbach hat die Kammer im vergangenen Jahr „den Finger in die Wunde“ gelegt, wie der Geschäftsführer formuliert. Damalige, noch immer gültige IHK-Erkenntnis: Der Standort Offenbach hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht so entwickelt wie erhofft. Während es im Umfeld und bei vergleichbaren Kommunen nach oben gegangen sei, habe Offenbach stagniert.

Dabei sieht Achenbach grundsätzlich hervorragende Voraussetzungen für ein Vorankommen, für die Entwicklung eines trotz regionalen Denkens erforderlichen eigenständigen Profils: Lage, Verkehrsanbindung, Fachkräfte und Wohnraum sind für ihn Eckpfeiler, auf die es aufzubauen gilt. „Da sind wir stark“, sagt er.

In die Karten spielt den primären IHK-Interessen dabei das städtische Schutzschirmkonzept, das nach mehreren Anläufen die Gnade der Aufsichtsbehörde fand und nun Richtschnur des kommunalen Handelns sein muss: Wesentliche Einnahmesteigerungen bei Gewerbe- und Einkommensteuer. Ersteres erfordert für IHK-Mann Achenbach „Verlässlichkeit“, was etwa die Ausweisung von Gewerbegebieten betrifft. Als Beispiel führt er das Areal an der Siemensstraße an, wo eine klare Aussage nötig sei, statt – ganz „Offenbacher Pragmatismus“ – umzuschwenken, wenn ein Wohnbau-Investor kommt.

Was die Erhöhung der Einkommensteuer-Anteile angeht, plädiert Achenbach für den Ausbau des Angebots an höherwertigem Wohnraum. Mit Blick aufs alte MAN-Gelände, wo niedrigpreisige und öffentlich geförderte Wohnungen entstehen, meint er: „Ich bin skeptisch, ob diese Zielrichtung für unser Flächenpotenzial die richtige ist.“

Um den Masterplan, der Vorbilder etwa im 260 000 Einwohner zählenden Mönchengladbach hat, aufs Gleis zu setzen, hat die IHK den Verein „Offenbach offensiv“ ins Leben gerufen. In ihm sollen Unternehmen und interessierte Bürger als „gleichberechtigte Partner gegenüber der Stadt und als Sprachrohr der Wirtschaft gegenüber der Politik“ auftreten. Nicht zuletzt sollen sie den Topf füllen, aus dem externer Sachverstand bezahlt wird.

Selbst bei spendablen Mitgliedern wird man sich indes ein international renommiertes Planungsbüro, für das Mönchengladbach mehr als 600.000 Euro ausgegeben hat, nicht leisten können. Achenbach mag nicht über konkrete Summen reden, doch intern wurde gerechnet. „Da kommen rasch Beträge über 100.000 Euro zusammen.“ Bis zum Sommer sollen die die Strukturen für den Masterplan erarbeitet sein, fürs zweite Halbjahr sind schon konkrete Planungen vorgesehen. Bürgerbeteiligung ist auch für die IHK wichtig, doch „man kann nicht über alles diskutieren lassen“, schränkt Achenbach ein. Für 2014 wird ein politischer Beschluss angepeilt, bis dahin soll aber bereits „ein neues Bild Offenbachs nach außen kommuniziert sein“.

Dem IHK-Geschäftsführer ist klar, dass der ganze Masterplan-Prozess nicht ohne Konflikte zwischen unterschiedlichen Interessensgruppen zu haben ist. Aber was auf keinen Fall weiterhilft, ist ein „Wir-Haben-Uns-Alle-Lieb-Plan“, sagt er.

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