IHK verteidigt Millionen-Rücklagen

Offenbach - Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Offenbach muss in diesem Jahr mit weniger Geld auskommen. Sie hat aber noch satte Rücklagen. Mit der Veröffentlichung der Zahlen will die Kammer mehr Transparenz in ihre Arbeit bringen. Von Marc Kuhn

„Wir haben kein Luxusproblem“, sagte Markus Weinbrenner mit Blick auf die Rücklagen. Im vergangenen Jahr hat die sogenannte Liquiditätsrücklage eine Höhe von zwei Millionen Euro erreicht, die Ausgleichsrücklage summierte sich auf fünf Millionen Euro, wie der IHK-Hauptgeschäftsführer gestern in Offenbach weiter erklärte. 2005 hätten die Rücklagen bei drei Millionen Euro gelegen, berichtete IHK-Finanzexperte Harro Schmelz, Leiter zentrale Dienste. Die Rücklagen dienten der Vorsorge, erläuterte Weinbrenner. Mit ihnen müssten Schwankungen bei den Einnahmen ausgeglichen werden. Die beiden Rücklagen werden ab dem nächsten Jahr in einer gebündelt.

Bei der IHK Offenbach werde es keine Rückzahlung des Finanzpuffers an Unternehmen geben, sagte Kammer-Präsident Alfred Clouth. Das Geld werde gebraucht, fügte Weinbrenner hinzu. Zum Beispiel für die Finanzierung des 1996 errichteten IHK-Gebäudes an der Frankfurter Straße. Es ist geleast. Die Kosten beliefen sich auf 30 Millionen D-Mark. 2016 falle eine Restzahlung von einer Million Euro an, berichtete Schmelz. Zudem benötige die Kammer die Rücklagen für Pensionsverpflichtungen, erläuterte Weinbrenner. Ein Kapitalstock solle aufgebaut werden. Aus den Zinsen sollten die Pensionen bezahlt werden. Auf diese Weise werde der Wirtschaftsplan der IHK entlastet. Clouth verwies auf die demografische Entwicklung, die dazu führen werde, dass immer weniger Zahler für immer mehr Ruheständler aufkommen müssen. „Die nachfolgende Generation soll nicht mit Kosten belastet werden, die nicht bezahlt werden können.“

Erträge der IHK in den vergangenen Jahren gestiegen

Die Erträge der IHK seien in den vergangenen Jahren gestiegen, sagte Clouth. 2005 habe die Kammer 7,6 Millionen Euro eingenommen - einschließlich Zins- und Wertpapiererträgen. Im vergangenen Jahr seien es 11,5 Millionen Euro gewesen. 2012 rechnet die Kammer mit 10,1 Millionen Euro. Also werden die Einnahmen um fast 1,5 Millionen Euro sinken. „Davon allein eine Million Euro weniger Beiträge“, sagte Clouth. Gesunkene Unternehmensgewinne haben zu dem Rückgang geführt. „Unsere Gesamtaufwendungen betrugen 2011 über 9,1 Millionen Euro, davon knapp 4,8 Millionen Personalkosten“, berichtete Clouth

Der Beitragssatz von 0,33 Prozent des Gewinns sei seit 2004 gleich geblieben, berichtete Weinbrenner. Die Zahl der Mitglieder im IHK-Bezirk sei stetig gestiegen. 2005 seien mehr als 35 450 Firmen bei der Kammer registriert gewesen, erläuterte der Hauptgeschäftsführer. Ende des vergangenen Jahres seien es 41 900 gewesen. Parallel zu dieser Entwicklung sei auch die Zahl der vom IHK-Beitrag befreiten Unternehmen von gut 13 220 auf mehr als 16 250 gestiegen. Firmen müssen beispielsweise erst ab einem jährlichen Gewinn von mehr als 5 200 Euro Beiträge zahlen. Weinbrenner betonte, dass jedes Jahr durchschnittlich 43 Prozent der Mitglieder keine Beiträge zahlen, „aber alle unsere angebotenen Leistungen in Anspruch nehmen können“. Die restlichen 57 Prozent hätten 2011 einen jährlichen Durchschnittsbeitrag von etwa 430 Euro gezahlt. 2005 habe er bei 367 Euro gelegen. Die rund 10 000 im Handelsregister eingetragenen Firmen hätten im vergangenen Jahr einen durchschnittlichen Beitrag in Höhe von 612 Euro bezahlt, 2005 seien es 536 Euro gewesen. Kleingewerbetreibende haben nach den Worten von Weinbrenner 2011 knapp 200 Euro Jahresbeitrag an die IHK gezahlt.

Mit den IHK-Dienstleitungen sehr zufrieden

80 Prozent der Mitgliedsunternehmen seien mit den IHK-Dienstleitungen sehr zufrieden, sagte Weinbrenner. Das habe eine Emnid-Umfrage ergeben. Der Hauptgeschäftsführer betonte, dass die Kammer beispielsweise Prüfungen von Auszubildenden abnehme und Existenzgründer berate. Darüber hinaus vertrete sie die Wirtschaft gegenüber der Politik. Weitere Informationen: www.ihk-transparent.de.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Rainer Sturm

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