Ikonen des komischen Stummfilms vertont 

Capitol Cinema Lounge mit „Sherlock Jr.“ und „Dick & Doof“

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Oliver Hardy und Stan Laurel als kongeniales Duo.

Offenbach - In Zeiten bildgewaltiger Blockbuster und grandioser Tricktechnik könnte man meinen, mit Stummfilmen aus dem vergangenen Jahrtausend sei kein Blumentopf mehr zu gewinnen. Dass dem nicht so ist, bewiesen die Organisatoren der Offenbacher Capitol Cinema Lounge. Von Sebastian Krämer

Vor ausverkauftem Haus zeigten sie gleich mehrere Stummfilme aus den 20er Jahren, begleitet von Livemusik. Neben den Klassikern „Big Business“ und „Liberty“ (beide 1929) des genialen Komikerduos Stan Laurel und Oliver Hardy – in Deutschland auch bekannt als „Dick & Doof“ – durfte Buster Keaton in die Rolle von Meisterdetektiv Sherlock Jr. schlüpfen.

Eine Premiere feierte die Orchesterfassung der Filmmusik der Laurel-&-Hardy-Filme, an diesem Abend von der Neuen Philharmonie Frankfurt uraufgeführt. Genial, wie in „Big Business“ die Slapsticks der beiden tollpatschigen Baumverkäufer mit Variationen des Weihnachtslieds „O Tannenbaum“ unterlegt waren. Oder wie der Streit mit ihrem Lieblingsgegner James Henderson Finlayson durch einen dynamischen Tango an Schwung gewann.

Nicht weniger stimmungsvoll war die Musik zu „Liberty“, die mal die amerikanische Nationalhymne zitierte und dann wieder den deutschen Tonfilmschlager „Ein Freund, ein guter Freund“ an den passenden Stellen aufflimmern ließ.

Dirigent Jens Troester brillierte mit einer klanggewaltigen, äußerst exakten Darbietung. Dies ändert sich auch nicht, als Timothy Brock in der zweiten Hälfte den Taktstock übernahm. Dabei verlangte die Musik des Buster-Keaton-Streifens dem in Offenbach ansässigen Orchester alles ab.

Wie werde ich...? Detektiv/in

Insbesondere im zweiten Teil des 44-minütigen Werks reihten sich die Hochtempopassagen aneinander. Während Buster Keaton als Sherlock Jr. auf dem Lenkrad eines Motorrads über die Straßen fegte und anschließend mit seiner großen (Film-)Liebe Kathryn McGuire nicht minder schnell die Flucht ergriff, hielt das Orchester trotz schwindelerregender Läufe problemlos Schritt.

Nach 90 Minuten und unzähligen Lachern war jedenfalls eins geklärt: Mit hervorragenden Schauspielern und ausgezeichneter Musik wird wahrscheinlich immer Erfolg möglich sein.

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