Rooftop-Bars und Wasserstoff-Autos

Im Kaiserlei treffen Hochhausruinen und Fortschritt aufeinander

Geteilt von der Autobahn 661 befindet sich das von Bürohäusern geprägte Kaiserleigebiet am nordwestlichen Ende Offenbachs.
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Geteilt von der Autobahn 661 befindet sich das von Bürohäusern geprägte Kaiserleigebiet am nordwestlichen Ende Offenbachs.

Es ist ein Stadtteil, den die meisten nur von der Durchreise kennen. Nahezu unbewohnt, wenig Aufenthaltsqualität. Und doch ist der Kaiserlei einer der zentralen Orte des Masterplans, an dem sich derzeit viel tut – und der sich auch künftig entwickeln soll. Das wird bei der Führung durch das Quartier im Zuge der Masterplan-Touren deutlich, der sich diesmal elf Teilnehmer angeschlossen haben.

Offenbach – Bozica Niermann, Leiterin der städtischen Wirtschaftsförderung, und Kerstin Quaiser vom Amt für Stadtentwicklung verschaffen der Gruppe Zutritt zu zwei der wichtigsten Ansiedlungen im Quartier: der Helaba-Landesbank Hessen-Thüringen und der Europazentrale des Automobilherstellers Hyundai.

Der Gewerbe- und Dienstleistungs-Standort Kaiserlei ist seit den 1970ern entstanden, davor war die Gegend geprägt von Äckern, Gärten und Pferdeweiden. „Als Kinder haben wir hier Äpfel geklaut“, erinnert sich ein älterer Teilnehmer schmunzelnd. Mit dem Bau des Kaiserlei-Kreisels ab Ende der 1960er, der als größter Kreisel Europas galt, wurde das Gebiet im wörtlichen Sinne zum Drehpunkt des Rhein-Main-Gebiets. Namhafte Firmen wie Siemens, Honeywell oder Areva siedelten sich an. Letztere hatte mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie ihre Niederlassung Mitte 2016 geschlossen.

Danach erwarb die Helaba das Gebäude zwischen Mainufer und Kaiserleistraße, ließ es aufwendig umbauen. „Konzipiert ist es für 1700 Mitarbeiter, ist aber noch nie unter Volllast gelaufen“, sagt René Mosert, zuständig fürs Standort- und Gebäudemanagement der Landesbank. Grund sind die durch Corona veränderten Arbeitsbedingungen. Es sei eine eventuelle Option, künftig Mitarbeiter aus anderen Niederlassungen wie dem Frankfurter Maintower dorthin zu versetzen, um Kosten zu sparen.

Von der Dachterrasse aus geht der Blick direkt zu einem Schandfleck des Kaiserleis: das ehemalige Hochhaus des Deutschen Wetterdienstes. Das 1972 errichtete Bürogebäude gammelt vor sich hin, der Kran daneben steht still. „Es gibt einen Eigentümer, der Pläne für ein Apartment-Haus hat, doch seit Jahren tut sich nichts“, bedauert Bozica Niermann. Dafür geht es, wenn auch nur langsam, mit den einstigen KWU-Türmen voran: Mit dem Projekt Vitopia-Campus entstehen hunderte neuer Wohnungen und Mikroapartments.

Aussicht auf einen Stadtteil, dessen nähere Betrachtung sich lohnt: Kerstin Quaiser (links) von der Stadtentwicklung mit der Gruppe der Masterplan-Tour im Kaiserlei.

Als Hotelstandort ist der Kaiserlei wohl durch seine Lage an der Grenze zu Frankfurt erfolgreich. Das größte Hotel ist das „Delta Hotel Marriott“, das sich durch ein authentisches chinesisches Restaurant auszeichnet. „Eines unserer Ziele ist, mehr Gastronomie anzusiedeln“, sagt Kerstin Quaiser. So würden mehrere Eigentümer prüfen, ob auf Dächern entsprechende „Rooftop-Bars“ möglich sind, auch im Erdgeschoss von Bürohäusern würden sich Flächen anbieten. „Zum modernen Arbeiten gehört Gastronomie“, betont sie. „Damit erhöht sich die Aufenthaltsqualität für alle.“

So soll der Brüsseler Platz eine Art Zentrum werden, wo man sich gern trifft. Übrigens: Auch Kreativität und Kultur haben ihren Platz am Kaiserlei. Das „Logic-House“ an der Strahlenberger Straße ist mit seinen Studios ein Kleinod der Musikszene. Und mit dem „Robert Johnson“ am Nordring gehört einer der angesagtesten Clubs Deutschlands zu eben jenem Offenbacher Stadtteil. In diesem Sommer bot zudem das temporär aufgebaute Freilicht-Theater „Sommerbau“ in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Mousonturm ein besonderes Kulturerlebnis. Ob die viel diskutierte Mehrzweckhalle jemals kommt, bleibt indes noch ungewiss, so Niermann.

Stolz ist die Chefin der Wirtschaftsförderung auf die Automobil-Konzerne im Gebiet. Der koreanische Luxuswagenhersteller Genesis hat am Kaiserlei ebenso seinen Europa-Sitz wie Hyundai. „Wir sind der Marktführer bei Wasserstoff-Fahrzeugen“, berichtet Jang Whan Lee und zeigt an einem Hyundai Nexo, wie Wasserstoff-Betankung funktioniert. Die öffentliche H2-Tankstelle am Standort ist eine von nur drei im Raum Frankfurt-Offenbach. „Wir haben hier 500 Mitarbeiter aus vielen Ländern“, erzählt Lee, während er durch die gleichermaßen modern wie geschmackvoll eingerichteten Büros führt. Man fühle sich in Offenbach wohl. Nur die Dauer-Baustelle am Kreisel sei ziemlich störend.

Dem können viele der Teilnehmer nur zustimmen. Doch Quaiser und Niermann haben gute Nachrichten: „Gerade beginnt die vorletzte Bauphase: Im ersten Halbjahr 2022 ist mit der Fertigstellung zu rechnen.“ (Von Veronika Schade)

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