Distanz statt Nähe

Corona legt das Leben im Mehrgenerationenhaus Weikertsblochstraße lahm

Jazz-Konzert im vergangenen Jahr: Damals sind die Musiker Ingolf Griebsch (links) und Johannes Held im Hof des Mehrgenerationenhauses aufgetreten. Archiv
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Jazz-Konzert im vergangenen Jahr: Damals sind die Musiker Ingolf Griebsch (links) und Johannes Held im Hof des Mehrgenerationenhauses aufgetreten. Archiv

Corona hat im Offenbacher Mehrgenerationenhaus an der Weikertsblochstraße einiges durcheinandergewirbelt. Hier steht das Leben seit Beginn der Pandemie still.

Offenbach – Gemeinsame Aktivitäten, gegenseitige Unterstützung und nachbarschaftliches Miteinander sind das, was das Leben in der Weikertsblochstraße 58 ausmacht. Normalerweise. Denn seit Beginn der Corona-Pandemie läuft auch in dem generationenübergreifenden Wohnprojekt nichts mehr wie gewohnt. Das „ausgewogene Verhältnis zwischen Nähe und Distanz“, das man sich dort auf die Fahne geschrieben hat, ist dieser Tage so gar nicht mehr ausgewogen, vielmehr gilt: Distanz statt Nähe.

„Wir sind völlig runtergefahren“, sagt Jürgen Platt, Vorsitzender des Vereins „Lebenszeiten“, der das Projekt leitet. Während im Sommer vergangenen Jahres zumindest einige Open-Air-Konzerte drin waren, ist nun seit Monaten wieder so gut wie gar nichts möglich. Zwar sei es nach wie vor so, dass es Bewohner gebe, die für andere einkaufen oder sich für Fahrten zu Ärzten zur Verfügung stellten, vor allem die Jüngeren, erzählt Jürgen Platt. Viel mehr geht aber nicht.

Offenbach: Einsamkeit gibt es nicht Mehrgenerationenhaus in der Weikertsblochstraße

Insgesamt 40 Menschen leben in dem Haus an der Weikertsblochstraße in 28 Wohnungen, etwa ein Drittel von ihnen wohnt alleine. Gerade für sie ist diese Zeit keine leichte. „Aber die treffen sich dann mal zu zweit unter den Nachbarn, alles so, wie es die Regeln zulassen“, sagt der Vereinsvorsitzende. So handhaben es dort alle, mal ein Kaffee oder ein Spaziergang, immer im kleinsten Kreis. Vereinsamen müsse aber definitiv niemand, sagt Jürgen Platt. Schade sei all das dennoch, weil es so gar nichts mit der Idee zu tun habe, die hinter dem Wohnprojekt stehe.

Sportkurse, das monatliche Sonntagscafé fürs ganze Quartier, Ausstellungen, das Neujahrsfrühstück, Heringsessen an Aschermittwoch, das Grüne-Soße-Essen an Gründonnerstag, die anstehende Mitgliederversammlung, all das musste in den vergangenen Monaten ausfallen. „Wir haben jetzt zwar den Quartiersaal für alle geöffnet, damit die Leute sich zum Beispiel zu zweit treffen können, um Gymnastik zu machen“, sagt Jürgen Platt. Das Angebot werde aber von kaum jemandem in Anspruch genommen. Jürgen Platt ist ratlos. „Da fehlt uns auch die Fantasie, was man noch tun könnte.“

Corona erschwert Vereinen in Offenbach die Planung

Aber es hilft nichts, wie überall wird auch im Verein Lebenszeiten auf bessere Zeiten gehofft. „Wir haben jetzt mal angefangen, Pläne für den Sommer zu machen“, erzählt Jürgen Platt. Bestenfalls sollen auch in diesem Jahr wieder Musikgruppen im Hof auftreten, Theateraufführungen stattfinden. Auch wenn natürlich niemand weiß, wie es in den kommenden Wochen weitergeht, was erlaubt sein wird, was nicht.

Das macht es auch dem Verein nicht leicht, konkret zu planen. „Ich habe schon versucht, die EVO-Bühne zu kriegen“, sagt der Vorsitzende. Weil aber auch alle anderen noch nicht wissen, wie es weitergeht, sind vorerst alle Termine blockiert. Es gilt also abzuwarten.

Offenbach: Bewohner im Mehrgenerationenhaus halten zusammen

Um einander nicht völlig aus den Augen zu verlieren und den Zusammenhalt untereinander aufrechtzuerhalten, versuchen Jürgen Platt und sein Vorstandsteam wenigstens hin und wieder kleine Aktionen für die Bewohner umzusetzen. Zum Weltfrauentag legten sie jeder Frau eine Rose vor die Tür, zu Ostern gab es Schokohasen für alle. „Im vergangenen Jahr haben wir draußen eine Eiersuche veranstaltet“, erzählt der Vereinsvorsitzende. Nacheinander ging es für jede Partei auf die Suche nach Osterhasen und -eiern. „Aber da hat irgendwer die Polizei gerufen, obwohl alles völlig korrekt ablief.“ Darum fiel das in diesem Jahr flach.

Die Stimmung bei Jürgen Platt ist angesichts der aktuellen Situation verhalten: „Wir sehnen uns sehr danach, dass endlich wieder Leben bei uns einkehrt.“ (Lena Jochum)

Vor wenigen Jahren gab es Ärger in Mehrgenerationenhaus an der Weikertsblochstraße: Schuld war eine Fehlbelegungsabgabe, die Zweifel an der Mietgerechtigkeit aufwarf.

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