Anwohner sammeln regelmäßig das ein, was achtlos weggeworden wird

Im Offenbacher Nordend aufgeräumt

Anwohner des Nordends haben am Samstag in ihrem Quartier wieder Müll eingesammelt. Weitere Mitstreiter sind gerne gesehen.
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Anwohner des Nordends haben am Samstag in ihrem Quartier wieder Müll eingesammelt. Weitere Mitstreiter sind gerne gesehen.

„Uffräume – Nordend gegen Müll“ nennt sich eine Aktion, bei der seit rund einem dreiviertel Jahr Anwohner des Viertels jeden letzten Samstag im Monat – mit Handschuhen, Müllbeuteln und Greifzangen ausgerüstet – Müll wegräumen. Unterstützt werden sie vom Quartiersmanagement und vom ESO, der die Arbeitsutensilien zur Verfügung stellt und den Müll hinterher abtransportiert.

Offenbach - Die Teilnehmer haben sich am Samstagvormittag vor dem Stadtteilbüro am Goetheplatz eingefunden. Auch Quartiersmanager Marcus Schenk schnappt sich einen der Greifer und zieht mit los. Ebenso macht Kathrin Kaiser vom ESO mit. Ihr kleiner Sohn hat sichtlich Spaß beim Einsammeln und Hantieren mit der Greifzange.

Jens Gruschka und Verena Blum ziehen die Bernardstraße hinauf. Nach wenigen Metern ist Verena Blum dabei, leere Tüten „Capri Sonne“ aufzusammeln. Sie macht zum zweiten Mal bei der Aktion mit. Jens Gruschka hingegen ist fast von Anfang an dabei. Ihm entgeht auch nicht die halb versteckt in einem Gebüsch liegende leere Flasche Corona Extra. An der Kreuzung zur Andréstraße greift seine Zange eine leere Kondompackung. „Na, die haben’s wenigstens sicher getrieben“, so sein trockener Kommentar. Entlang der Andréstraße waren wohl Autohändler unterwegs, die Bürgersteige entlang ziehen sich die kleinen Karten mit der Aufschrift: „Ich kaufe ihr Auto“. Nach etwas mehr als einer Stunde haben beide einen halben Müllbeutel eingesammelt. Zurück beim Stadtteilbüro zeigt sich Gruschka trotzdem zufrieden. Als er das erste Mal Müll in der Andréstraße gesammelt habe, hätten sich mindestens sieben leere Wodka Flaschen und rund dreißig Flachmänner dort befunden. „Vielleicht trägt unser Beispiel ja dazu bei, dass die Leute achtsamer werden.“ Von den Anwohnern bekämen sie oft lobende Worte zu hören.

Begonnen hatte alles mit einer Einzelaktion im vergangenen Sommer. Mathias Richter war in der Elternzeit und mit seiner Tochter oft im Quartier und auf den Spielplätzen unterwegs. Ihn störte der überall herumliegende Müll. „Ich wollte nicht, dass meine Tochter mit dem Verständnis aufwächst, Müll gehört einfach dazu“, so der 35-Jährige. Also kaufte er sich eine Greifzange und begann mit der Tochter auf den Schultern einzusammeln. Kurze Zeit später stieß Jens Gruschka hinzu. Gemeinsam machten sie die Aktion „Uffräume“ in sozialen Medien bekannt und es machten weitere Anwohner mit.

Nach und nach kehren auch die anderen Teilnehmer mit ihrem Müll zurück und gönnen sich vor dem Stadtteilbüro einen Kaffee. Quartiersmanager Marcus Schenk schiebt gar einen ausrangierten Kinderwagen vor sich her, der neben einem Gebüsch entsorgt wurde.

Wer sich an der Aktion

beteiligen will: info@nordend.quartier-offenbach.de oder Tel.: 069 25573731

Von Peter Klein

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