Immobilienmarktbericht für Hessen

Offenbach wird immer teurer: Immobilienpreise steigen ins obere Preissegment

Bieber-Nord ist ein gefragtes Baugebiet: Die meisten Vertragsabschlüsse bezogen sich auf diesen Stadtteil.
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Bieber-Nord ist ein gefragtes Baugebiet: Die meisten Vertragsabschlüsse bezogen sich auf diesen Stadtteil.

Die Nachfrage nach Wohnimmobilien aus dem Rekordjahr 2019 wurde in Offenbach vergangenes Jahr zwar nicht getoppt, doch die Preise steigen weiter.

Offenbach - Tiefrot werden Stadt und Kreis Offenbach, Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt und die Kreise Groß-Gerau, Hochtaunus und Maintaunus auf der Hessenkarte dargestellt. Freilich nicht politisch betrachtet, sondern was das Preisniveau für Eigenheimgrundstücke und gewerbliche Flächen anbelangt. „Die Preise kennen für Offenbach seit einigen Jahren nur eine Richtung: nach oben“, sagt Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß.

So ärgerlich dies auch sei für Menschen, die sich ein Eigenheim in der Stadt bauen möchten – es zeige aber auch, wie attraktiv Offenbach als Standort geworden sei. „Und es zeigt, wie stark der Siedlungsdruck auf die ganze Region ist“, sagt Weiß. Nur durch eine steuernde Entwicklung durch die Stadt in Form von Bebauungsflächen und -plänen könne der Druck vermindert werden. „Nichts zu tun, wie es manche fordern, kann keine Lösung sein“, betont Weiß.

Steigende Immobilienpreise in Offenbach: 725 Euro pro Quadratmeter für Eigenheimgrundstück

Der neue Immobilienmarktbericht für die Stadt bestätigt den Trend: Grundlage für die Auswertung waren die 2020 geschlossenen Kaufverträge für Immobilien und Grundstücke. Zwar wurden im vergangenen Jahr mit 1068 Verträgen rund zwölf Prozent weniger als noch 2019 abgeschlossen, doch einen corona-bedingten Einbruch gebe es nicht, sagt die Vorsitzende des Gutachterausschusses, Cornelia Jockisch. „Nach dem Rekordjahr 2019 sind wir wieder auf dem normalen Niveau angekommen“, sagt sie.

Wobei „normal“ für eine Stadt in der gefragten Rhein-Main-Region eben bedeutet, dass sich vieles in oberen Preisregionen abspielt. Die Preise für unbebaute Eigenheimgrundstücke sind in Offenbach um gut 23 Prozent auf 725 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Leicht gesunken (um vier Prozent) sind die Preise für Grundstücke mit Geschosswohnungsbau, der Quadratmeter kostet 875 Euro.

Auch Bestands-Immobilien in Offenbach werden teurer: Preissteigerung um zehn Prozent

Deutlich gestiegen sind auch die Preise für bereits bestehende Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften – auch wenn im Wahlkampf das Ende solcher Wohnformen von mancher Seite propagiert wird, das Interesse der Bürger ist unverändert groß, was sich an den Preisen abzeichnet. Je nach Baujahr konnten teils über zehn Prozent Preissteigerung gegenüber dem Kaufpreis vor drei Jahren verzeichnet werden: Kostete ein freistehendes Einfamilienhaus Baujahr 1980 noch rund 478 000 Euro, lag es 2020 bei 564 000 Euro.

Mit einem Gesamtumsatzvolumen von 759,3 Millionen Euro lagen sämtliche Verkäufe im vergangenen Jahr nur knapp unter dem Rekordergebnis von 790,1 Millionen Euro aus 2019 – ein „Corona-Knick“ ist auf dem Immobilienmarkt in Offenbach somit nicht auszumachen.

Immobilienkäufe in Offenbach: Besonders Neubaugebiete in Bieber und Bürgel sind beliebt

Wenig überraschend war Bieber im vergangenen Jahr besonders in Sachen Immobilien und Grundstücke gefragt: 244 der 1068 Kaufverträge bezogen sich auf diesen Stadtteil, nicht zuletzt durch das Baugebiet Bieber-Nord. An zweiter Stelle rangiert das Zentrum mit 123 Verträgen, gefolgt von Bürgel mit 104 – dort sorgt das Baugebiet Bürgel-Ost für die hohe Nachfrage. 46 Prozent aller Käufer stammt aus Offenbach, beliebtestes Erwerbsobjekt war das Wohnungseigentum, darunter besonders Ein- oder Zweifamilienhäuser.

Durch einen einzelnen großen Kauf eines unbebauten Grundstücks mit 78,2 Hektar stieg der Flächenumsatz gewaltig: um 98 Prozent gegenüber 2019. Da alle Kaufverträge anonymisiert ausgewertet werden, darf vermutet werden, dass eine Gewerbeimmobilie am Kaiserlei dafür anzunehmen sei. Wer angesichts der Zahlen fürchtet, dass Offenbach völlig mit Wohnungen zugebaut sei, irrt: Mit 33,4 Prozent ist „Wald“ immer noch die größte Flächennutzung im Stadtgebiet, Gebäudeflächen betragen 29,4 Prozent. (Frank Sommer)

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