Fassadengrün und Staffeldach

Im Baugebiet Bieber-Nord geht es voran

Ihr erstes Haus ist bezogen: Christa und Stefan Demuth haben in Bieber-Nord drei weitere Bauprojekte.
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Ihr erstes Haus ist bezogen: Christa und Stefan Demuth haben in Bieber-Nord drei weitere Bauprojekte.

Nach mehr als 30-jährigem Dornröschenschlaf geht es jetzt rasch voran: Nachdem vor fast genau drei Jahren, am 20. Oktober 2017, der Spatenstich in Bieber-Nord erfolgte, ist aus dem einstigen Brachland mittlerweile ein stetig wachsendes Neubaugebiet geworden – und im Sommer sind die ersten Bewohner eingezogen.

Offenbach - Das gut 12 Hektar große Gelände zwischen der B 448, Bieberer Friedhof und Bahnstrecke soll mal Heimat für 2100 Menschen werden. Die provisorische Container-Grundschule mit sechs Klassenraummodulen ist bereits in Betrieb, bis die geplante dreizügige Grundschule mit Zweifeldturnhalle und Kita fertig gestellt ist. Die Straßen, allesamt nach Bieberer Persönlichkeiten benannt, sind bisher ebenfalls provisorisch, um den Baustellenbetrieb zu ermöglichen. Der Endausbau der Oberflächen ist für 2022 vorgesehen.

Fachleute in Sachen Bieber-Nord und von der Geburtsstunde des Projekts mit dabei sind der Bieberer Architekt Stefan Demuth und seine und Christa. Sie, Grundstückseigentümerin und Mitgründerin der Bürgerinitiative Bieber-Nord, setzte sich jahrelang für das Neubaugebiet ein. Eine gewaltige Aufgabe, da bei den mehr als 120 Grundstückseigentümern Uneinigkeit über die Art der Erschließung und die Kosten herrschte – umstrittene städtische Vorgaben wie die allgemeine Dachbegrünung machten den Prozess nicht leichter. Erst die dem Fluglärm verschuldete Siedlungsbeschränkung ab dem Jahr 2018 war der Wendepunkt, der das Vorhaben doch noch ermöglichte.

Manches aus der Entstehungsgeschichte von Bieber-Nord spiegelt sich auch in der Gegenwart wider. Zwar müssen nicht mehr alle Dächer begrünt werden. „Nur die der höheren Gebäude“, berichtet die Architektin. Dafür gibt es eine andere Vorgabe: Mindestens 25 Prozent der Fassadenfläche muss begrünt sein. Dies soll zum Lärmschutz beitragen und zusätzlich der Luftqualität zuträglich sein. Als Planer möchte man gestaltete Fassaden nicht unbedingt hinter Rankpflanzen verstecken, zeigt sich Architekt Demuth nicht ganz begeistert. Einige Rankpflanzenarten würden die Fassade angreifen, zudem seien sie pflegeaufwendig. „Wir haben dafür Drahtseile an der Hauswand gespannt und Clematis und Wein gepflanzt.“

Auch die Uneinigkeit der Eigentümer wird sich im Gesamtbild niederschlagen, etwa, indem die ein oder andere Baulücke in Zukunft bestehen bleibt. „Einige Eigentümer wollen nicht selbst bauen, aber auch nicht verkaufen“, weiß Stefan Demuth. Wobei das Gebiet nicht nur bei Investoren und Wohnungskäufern aus der Region begehrt sei, sondern sich auch bei den Bieberern selbst immer größerer Beliebtheit erfreue – ob zum Wohnen oder als Ziel für den Sonntagsspaziergang. „Leider gibt es Schandflecken wie das abgebrannte Haus, bei dem noch immer kein Abriss feststeht, und auch Müllhalden, weil hier oft einfach Abfall abgeladen wird“, bedauert Christa Demuth.

Was sie und ihr Mann architektonisch als weniger gelungen empfinden, ist die vorgeschriebene Dachneigung von zehn Grad mit Staffelgeschoss auf allen Gebäuden. Dies führe zu einer gewissen Monotonie. „Und damit im Dachgeschoss die Decken nicht zu niedrig werden, mussten Gauben mit ebenfalls zehn Grad Neigung vorgesehen werden. Einem ästhetischen Gefühl ist dies nicht zuträglich“, merkt Stefan Demuth an. Der Bebauungsplan ist seiner Ansicht nach in einigen Festsetzungen zu starr, er wurde in den 90er-Jahren aufgestellt und passe nicht mehr zu allen heutigen Bedürfnissen.

Doch insgesamt zeigt er sich zufrieden mit der zügigen Umsetzung des Neubaugebiets. „Das Stadtplanungsamt hat für Anträge, die dem Bebauungsplan entsprechen, ein schnelleres Genehmigungsverfahren ermöglicht, das nur einen statt drei Monate dauert“, lobt er. Die gute Anbindung sowie die Nähe zu Biebers Ortskern machten das Wohnen dort gerade für junge Familien attraktiv.

Die ersten Anwohner haben indes einen Wunsch: Dass die Hausnummern der vielfach geschwungenen Philipp-Ullrich-Straße auf den einzelnen Straßenschildern mit angebracht werden. Momentan seien sie etwa für Paketboten kaum auffindbar...

Von Veronika Schade

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