Schnüffeltour

Cannabisgeruch im Lilipark: Polizei macht überraschende Entdeckung

Sieht harmlos aus, duftet aber verdächtig: der Langgrifflige Rosenwaldmeister. Das Geruchsrätsel im Lilipark hat Stadtpolizeichef Lothar Haack gelöst.
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Sieht harmlos aus, duftet aber verdächtig: der Langgrifflige Rosenwaldmeister. Das Geruchsrätsel im Lilipark hat Stadtpolizeichef Lothar Haack gelöst.

Der Geruch von Cannabis erstreckt sich im Lilipark in Offenbach. Nach einer Schnüffeltour ist klar: Die Ursache ist der Stadt bekannt.

Offenbach – Es ist eine kleine Stelle, an einer Weggabelung am Rande des Liliparks, an der es permanent riecht. Die einen würden von Duft sprechen, die anderen von Gestank. Klar ist: Es riecht nach Marihuana, Cannabis, Gras. Wie auch immer man die Droge nennen mag, der Geruch ist immer der gleiche: Eine unverwechselbare, süßlich, würzige Mischung mit Hang zur Penetranz.

Als Stadtpolizeichef Lothar Haack davon Wind bekommt, ist sofort sein Ermittlerinstinkt geweckt und er will sich selbst von dem Gras-Geruch überzeugen. Beim Ortstermin im Lilipark nimmt Haack an besagter Stelle dann einen tiefen Atemzug. Er nickt nachdenklich. „Das riecht nach Marihuana. Eindeutig“, konstatiert der ehemalige Landespolizist, der aus seinen Einsätzen den Geruch der Droge genau kennt.

Lilipark in Offenbach: Suche nach Depots von Drogendealern

Haack taxiert die Umgebung, scannt mit den Augen den Boden ab, schaut hinter eine Steinmauer. Er sucht nach möglichen Erddepots, wo Drogendealer ihre Ware versteckt haben könnten. Auch im dichten Bewuchs versucht er Hanfpflanzen als Verursacher zu entdecken. „Aber hier ist nichts“, sagt Haack. „Rein gar nichts.“

Vor allem macht ihn die Intensität des Geruchs stutzig. „Um so eine Wolke zu erzeugen, müsste hier schon kiloweise offen Marihuana rumliegen“, sagt Haack. „Das ist völlig unrealistisch.“ Es muss also eine andere Ursache für den Cannabis-Geruch geben. Haack überlegt fieberhaft, und beginnt dann eine Online-Recherche. Nach kurzer Zeit hat er einen Verdächtigen auf dem Bildschirm seines Smartphones: den Langgriffligen Rosenwaldmeister.

Und wirklich. An der stinkenden Stelle wächst gleich ein ganzes Meer an rosa Blüten des „Phuopsis stylosa“, wie das Gewächs auf Lateinisch heißt. Nach zwei beherzte Atemzügen direkt über dem Pflanzenteppich ist klar: Hier wurzelt der Drogen-Duft!

Lilipark in Offenbach: Cannabis-Geruch kommt von anderer Pflanze

Sigrid Pietzsch, stellvertretende Leiterin des Amtes für Stadtplanung, Verkehr und Baumanagement, ist in Offenbach für die Grünanlagen und damit auch für den Langgriffligen Rosenwaldmeister zuständig. Sie reagiert überrascht: „Er wurde von uns dort vor einigen Jahren angepflanzt, weil er gut in Gehölzrandlagen passt und es gerne etwas schattig mag.“ Allerdings sei sich damals niemand über den besonderen Geruch im Klaren gewesen. „In der einschlägigen Fachliteratur ist zudem immer nur von einem Wohlgeruch die Rede“, sagt Pietzsch.

Aktuell habe man bei der weiteren Recherche darüber hinaus auch Hinweise gefunden, dass der Rosenwaldmeister einen ähnlichen Duft wie Marihuana verströmt. „Allerdings sind es offenbar weder die Blüten oder Blätter ansich“, erklärt Pietzsch. Zerreibe man diese zwischen den Fingern, sei der markante Geruch nicht wahrzunehmen. Hält man den Kopf direkt über die Pflanze, sei er dagegen klar auszumachen. „Gott sei Dank habe ich mich bei der Bepflanzung meines privaten Gartens nicht dafür entscheiden“, erzählt Pietzsch schmunzelnd. Genau diese Pflanze sei nämlich in der näheren Auswahl für das Beet unter dem Schlafzimmerfenster gewesen.

Lilipark in Offenbach: Cannabis-Duft oft ein Hinweis für Polzei

Für die Polizei dagegen ist der penetrante Marihuanageruch weniger ein Ärgernis, sondern oft ein wichtiger Hinweis, weiß Polizeisprecherin Andrea Ackermann. „Unsere Leute stoßen immer wieder bei Einsätzen auf solche Duftwolken, die dann auch in vielen Fällen zum Entdecken einer Straftat führen.“ Und auch vom Langriffligen Rosenwaldmeister haben Ackermann und ihre Leute schon gehört. „Unsere Ermittler wissen genau, dass es Pflanzen gibt, die einen täuschend ähnlichen Geruch verströmen“, sagt Ackermann. Durchaus habe es auch in der Region ähnliche Verwechslungsfälle gegeben.

So sei es schon vorgekommen, dass Nachbarn sich über Marihuanageruch im Haus beschwert hatten und die Polizei vor Ort feststellen musste, dass es sich um Essensgerüche von exotischen Kräutern handelte. Auch deutschlandweit kommt es immer wieder zu Polizeieinsätzen, wegen der Pflanzengattung aus dem Lilipark.

Während sich das Offenbacher Cannabis-Rätsel schnell in Wohlgefallen aufgelöst hat, hoffen die Beteiligten nun, dass jetzt nicht plötzlich allzu experimentierfreudige Zeitgenossen in der Hoffnung auf einen schnellen Rausch in den Lilipark pilgern, um von den winzigen rosa Blüten und den Blättern zu kosten. Deshalb sei hier noch einmal in aller Klarheit gesagt: Die Pflanze hat laut Experten keinerlei berauschende Wirkung und ist auch nicht essbar. Auch, wenn sie ziemlich berauschend riecht. (Christian Reinartz)

Zuletzt beschwerten sich Anwohner am Lutherpark in Offenbach über Drogenhändler.

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